Fröhlich sein und die Welt entdecken
Astrid-Lindgren-Schule stellt sich in der Frauenakademie vor

Neckarsulm - Es ist eine besondere Schule: Keine Noten, kein Sitzenbleiben, keine Klassenarbeiten. Der Klassenteiler beträgt sechs Kinder, jede Klasse hat zwei Lehrer. Sie ist technisch bestens ausgestattet, hat ein Schwimmbad und einen Schulgarten. Paradiesische Zustände?
In die Astrid-Lindgren-Schule gehen geistig und körperlich behinderte Kinder, Spastiker, Down-Syndrom-Kinder und Autisten, Sprechende und Nichtsprechende. Rollstühle sind hier Alltag. Das Aufbaustudium der Frauenakademie Neckarsulm war bei mehreren Besuchen so beeindruckt von der heiteren Atmosphäre und der liebevollen pädagogischen Arbeit, dass sich die Studentinnen Gäste aus der Schule einluden, um mehr über diese Einrichtung des Landkreises Heilbronn zu erfahren. Auch sie selbst erzählten von ihren Eindrücken.
Facettenreich Rektor Peter Krause und Konrektor Elmar Rehm standen Rede und Antwort. Sie brachten weitere Lehrerinnen, verschiedene Kunstwerke, den Schulchor und Instrumente mit und stellten die staatliche Förderschule in all ihren Facetten vor. "Fröhlich sein und die Welt entdecken" sollen die Kinder, sagt Krause, ganz im Sinne der Namensgeberin Astrid Lindgren.
180 Schüler besuchen die Schule im Neuberg zurzeit. 60 Lehrer unterrichten, hinzu kommen Therapeuten und Betreuer. Wer nach einer Sichtung in der normalen Grundschule im Verdacht steht, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein, wird sonderpädagogisch überprüft. Mit einem Feststellungsbescheid kann das Kind dann in der Astrid-Lindgren-Schule aufgenommen werden. Die Grundstufe erfasst die Klassen eins bis vier, die Hauptstufe A die Klassen fünf, sechs und sieben, die Hauptstufe B die Klassen acht und neun. In der anschließenden Berufsschulstufe werden passgenaue Lösungen für jedes einzelne Kind gesucht. Kann es in einen Handwerksbetrieb oder in die Gastronomie?
Kompetenzen des täglichen Lebens zu erwerben, ist wie an jeder anderen Schule vorderstes Ziel. Das Schulgesetz setzt Normen, es gibt einen Bildungsplan. "Ohne Lesen, Schreiben und Rechnen hat man im Leben schlechte Karten", sagt Elmar Rehm. Sie üben aber auch Busfahren, lernen Einkaufen, Körperpflege und Ernährung, gute Manieren und Freizeitverhalten. Die Stationenarbeit in der Schule gibt ihnen relative Freiheit. Rektor Peter Krause: "Sie können selbst entscheiden, wann sie etwas machen wollen. Aber machen müssen sie es."
Anfahrt Die Kinder kommen jeden Morgen mit Bussen, Taxen oder Krankentransporten aus dem gesamten nördlichen Landkreis und fahren nachmittags wieder nach Hause. Manche Kinder sind bis zu einer Stunde unterwegs.
Der Besuch in der Frauenakademie war für die 15 jungen Chorsänger ein aufregendes Erlebnis. "Ich habe es schön gefunden, wie die Leute nach unseren Liedern geklatscht haben", freut sich Kristina. Holz- und Tonarbeiten finden reißenden Absatz, und die kleinen Leckereien, die die Schüler mit ihren Lehrern zubereitet haben, schmecken vorzüglich.
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