Freiheit auf vier Rädern

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Mit dem Wohnmobil unterwegs

Von Heike Kinkopf
Roger Aerni genießt das Leben und Reisen mit dem Wohnmobil. Ein Wochenend-Trip oder eine Städtetour lassen sich spontan angehen - ein Hotelzimmer müssen er und seine Frau Gaby nicht mieten, das Bett haben sie immer dabei.Fotos: Heike Kinkopf
Roger Aerni genießt das Leben und Reisen mit dem Wohnmobil. Ein Wochenend-Trip oder eine Städtetour lassen sich spontan angehen - ein Hotelzimmer müssen er und seine Frau Gaby nicht mieten, das Bett haben sie immer dabei.Fotos: Heike Kinkopf

Neckartal - Mein Ziel ist die Straße“, sagt Reinhold Förster aus Gütersloh und grinst verschmitzt. Am späten Abend mit Ehefrau Mechthild im Wohnmobil in Neckarsulm angereist, ist er am nächsten Morgen schon wieder startklar.

Unterhalb vom Aquatoll stehen eine Handvoll Wohnmobile. Manche haben das Vordach ausgefahren, bei anderen steht die schmale Tür zum Wohnbereich offen. Zugänglich und kontaktfreudig präsentieren sich ihre Besitzer. Fahren, kochen, essen und schlafen auf ein paar Quadratmetern - das bedeutet für sie nur eines: „Freiheit.“

Übernachten Roger und Gaby Aerni sitzen entspannt am Frühstückstisch, das Geschirr haben sie schon zusammengestellt. Sie kommen nicht von weit her, sie leben in Neckarsulm. Und übernachten im Wohnmobil? Roger Aerni lacht und erzählt: Am Abend zuvor waren sie aus, tranken etwas und wollten nicht mehr fahren. „Das Wohnmobil ist praktisch“, findet der 46-Jährige. Was ihn und Frau Gaby auf den Stellplatz beim Aquatoll zieht, dürfte aber etwas anderes sein, als bloß praktische Gründe: „Es ist das Feeling, ein Stückchen Freiheit“, sagt Aerni. Die Freiheit, sich spontan auf den Weg zu machen, ohne vorher ein Hotel klarzumachen. Nächste Woche geht's nach Italien. Mit dem Hausstand im Gepäck. Alles, was sie brauchen, haben die Aernis dabei, sogar einen Internet-Anschluss.

Etwa zur gleichen Zeit rangiert in Oedheim ein Bietigheimer mit seinem Caravan auf dem Schotterplatz vor dem Freizeitpark Sperrfechter. Was fasziniert ihn am Reisen mit dem Wohnmobil? „Es ist die Freiheit“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. 1979 bereiste der 57 Jahre alte technische Angestellte die USA mit einem Wohnmobil. Zurück in Deutschland stand fest: „So eines brauche ich auch hier.“ Toilette, Kühlschrank, Wohnzimmer, Bett - „ich habe mein Zuhause dabei“.

Zum Flughafen hetzen, mit den Koffern am Schalter anstehen - so stellt sich das Gütersloher Ehepaar Reinhold und Mechthild Förster den perfekten Urlaub nicht vor. Statt dessen fahren sie Wohnmobil, halten dort an, wo es schön ist - „an einem See zum Beispiel“ - trinken eine Tasse Kaffee und fahren weiter, wenn ihnen danach ist. Von Neckarsulm sieht das Paar nicht viel. Die Stadt ist nur eine Durchgangsstation, ein nächtlicher Halt. An der Ver- und Entsorgungsstation können sie Trinkwasser zapfen und die Toiletten-Kassette leeren.

Raum Die Gefahr, sich auf engem Raum gegenseitig auf die Nerven zu gehen, die besteht kaum, so der Tenor. Nur bei Regen, wenn man nicht raus kann, erzählen die eingefleischten Wohnmobilfahrer, könnte es nervig werden. Aber das sei ja das Gute: Wenn das Wetter schlecht ist, fährt man einfach weiter - dahin, wo die Sonne scheint.

Diese Ver- und Entsorgungsstation steht in Neckarsulm.
Diese Ver- und Entsorgungsstation steht in Neckarsulm.
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