Firmensitz mit Lokschuppen
In Ohrnberg gibt"s im Bahnhof Möbeldesign, in Möglingen am Wochenende Vesper

Öhringen - Der Öhringer Teilort Möglingen hat 269 Einwohner, und sie alle sind zu sehen auf der Fotocollage, die den Schuppen von Möglingens ehemaligem Bahnhof ziert. In Herzform schauen sie auf die Radler herunter, die vorbeikurven an dem hergerichteten Stationsgebäude und den Nebengebäuden − das eine ein Lagerraum, das andere ein ausgedienter Transportwaggon, ausgestattet mit Toilette und einer Behindertentoilette mit Rampe.
Ein schmucker Dorfplatz ist aus dem ehemaligen Bahnhofsgelände geworden. Zweimal im Jahr feiern die Möglinger dort − Veranstalter sind der Gesangverein und die Feuerwehr. Der Bahnhof ist meist geschlossen. Nur heute hat ihn Beate Stürzel aufgesperrt und schafft Kartons hinein. Der Besucher staunt nicht schlecht: eine Profiküche aus Edelstahl, moderne Lampen, schicker Steinboden. "Der Bahnhof mit dieser tollen Ausstattung ist zu wenig genutzt worden", sagt die Möglingerin. Die vielen Radler und keine Wirtschaft im Ort, da ist Bedarf für eine Außenbewirtung, hat sie sich gesagt. Jetzt bietet sie an den Wochenenden Eis, Wurstsalat oder Vesper mit regionalen Produkten an. "Als Kinder sind wir mit der Bahn zum Wurstholen nach Ohrnberg gefahren", erinnert sich Beate Stürzel.
Ansturm Einen regelrechten Ansturm an Radtouristen verzeichnet an Wochenenden auch Kurt Hübner, gelernter Schreiner und studierter Innenarchitekt und Möbeldesigner in Ohrnberg. Er hat 1996 das weiträumige ehemalige Bahnhofsgelände am Endpunkt der Unteren Kochertalbahnstrecke von der Stadt Öhringen gekauft und aufwendig instand gesetzt. Der selbstständige Unternehmer ist in Neuenstadt-Bürg aufgewachsen − ausgerechnet in dem Ort, der sich seinerzeit mit Neuenstadt um den Bahnhofstandort gestritten hat. Seine Firma für Messe- und Möbeldesign beschäftigt acht Mitarbeiter und heißt auch noch "Linie K", und das schon lange vor dem Umzug in den Bahnhof. Manchmal kommt es dem neuen Besitzer so vor, als habe der alte Bahnhof gerade ihn gesucht. Bahnhof, Lokschuppen, Wassertank und Schienenbus stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Auch eine kurze Schienenstrecke musste auf dem Gelände erhalten bleiben. Aus dem Schienenbus, mit dem der 1962 Geborene selber noch als Schüler gefahren ist, möchte er einmal eine Bar machen. "Es gibt aber noch so viele andere Baustellen hier."
Platz Im alten Wartesaal mit angrenzendem Schalterraum befindet sich das Büro von "Linie K" und darüber Wohnräume mit viel Platz für die vierköpfige Familie. In den anderen Gebäuden sind Produktion und Lager untergebracht. Im Jahr 2000 hat Kurt Hübner einen gläsernen Ausstellungspavillon neben den Bahnhof gestellt. Bedingung für die Baugenehmigung war, dass er das futuristischen Gebäude mit ein paar alten Güterwaggons kaschierte.
Begleitet vom Musikverein Ohrnberg war am Pfingstmontag 1993 von hier eine Museumslok zur letzten Fahrt nach Bad Friedrichshall gestartet. Seither sei der Bahnhof Ohrnberg nur noch was für "Pufferküsser", sagt Hübner und schmunzelt: "Das sind so Eisenbahnfreaks, die unter die Waggons kriechen und sämtliche alten Teile fotografieren."


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