Ein Ort der Stille und Besinnung
Bad Friedrichshall - Die Christkönigkapelle im Kocherwald wird 75 Jahre alt

Bad Friedrichshall - Der Kocherwald ist Ziel vieler Jogger, Wanderer und Radfahrer. Wenige wissen um die geschichtliche Bedeutung des Waldareals mit seinen Keltengräbern. Weitgehend unbekannt ist auch die jüngere Geschichte der eindrucksvollen Christkönigkapelle inmitten einer Waldlichtung.
Der Jagstfelder Zimmermann Roman Mayan war in der Schreinerei des Friedrichshaller Salzbergwerks beschäftigt. Als ihn das Rheuma immer stärker am Gehen hinderte, vertraute er sein Leiden nicht nur erfahrenen Ärzten an, auch bei Gott bat er um Hilfe. Es war eine wunderbare Fügung, dass Roman Mayan gesund wurde und dann wieder arbeiten konnte.
Dachreiter
Große Dankbarkeit erfüllte ihn, und er beschloss 1933, eine Waldkapelle zu bauen. Mit guten Freunden ging er ans Werk. Über den Betonfundamenten errichteten sie eine geräumige Kapelle aus Holz. Später folgte der markante Dachreiter mit einer Glocke. Kurz vor der Einweihung am Christkönigsfest 1933 wurde die etwa ein Meter hohe Statue fertig. Mayan hatte sie bei einem Künstler im 50 Kilometer entfernten Walldürn bestellt. Dort holte er die holzgeschnitzte Figur „Christus der König“ mit dem Motorrad ab. Dazu schnallte er das Kunstwerk auf seinen Rücken und beförderte es so nach Jagstfeld.
Von Anfang an war der Zustrom zur Kapelle im Kocherwald enorm, und das Kleinod nahe des legendären Schachtsees wurde von der Bevölkerung immer mehr geschätzt. Der Ort war nicht nur an Sonntagen ein beliebtes Ziel. Auch während der Woche traf man sich am Abend zum Rosenkranzgebet. Neben Andachten fand in der Folgezeit auch eine Hochzeit bei der Kapelle statt.
Kreuzweg 1936 errichteten Roman Mayan und seine Helfer auch einen Kreuzweg mit zwölf holzgeschnitzten Stationen entlang der Kapelle. Aus Sicherheitsgründen fand dieser aber später bei der Jagstfelder Auferstehungskirche seinen Platz. Durch den Anbau an der Westseite des Kapellegebäudes konnte ein Marienbild eingelassen werden.
In den 70er-Jahren fiel die Kapelle immer öfter Vandalismus zum Opfer. Deshalb überlegte man sogar, sie abzubauen. Doch Bitten aus der Bevölkerung verhinderten das. 1978 übernahm die katholische Kirchengemeinde Bad Friedrichshall die Kapelle. Seitdem hat sich der Kochendorfer Otto Bertsch des Kleinods angenommen und sorgt dafür, dass alles in würdigem Zustand ist. Im Laufe der Zeit haben er und seine Freunde die Schäden immer wieder beseitigt. Selbst als 2007 die wertvolle Christkönigstatue zerschlagen worden war, gab er nicht auf.
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