Der stolze Hengst gibt die Hoffnung nie auf
Das Rössle von Bad Rappenau hat eine fabelhafte Geschichte - Der heutige „Dominikaner“ war sein eigentlicher Stammplatz

Lebten wir in der Welt der Fabeln, die Tiere könnten sprechen und uns unglaubliche Dinge erzählen. Eines von ihnen wäre sicher das Rössle aus Bad Rappenau. Etwas versteckt ziert es die Pizzeria „Costa Smeralda“ in der Siegelsbacher Straße 19, das in den Neunzigern noch „Rappenklause“ hieß. Aber einst, so würde es erzählen, war es der Stolz eines ganz anderen Hauses - des alten „Rössle“ in der Babstadter Straße 23, dem heutigen Restaurant „Dominikaner“. Das Rössle erzählte uns zahllose Geschichten. Etwa, wie es schon immer bewundert wurde von Dr. Hans-Heinz Hartmann, der es kürzlich im Bad Rappenauer Heimatboten portraitiert hat - als Kleindenkmal, wie es erhobenen Hauptes hinzufügen würde. Schon als Bub blickte Hartmann zu der vergoldeten Schmiedearbeit auf: zu dem springenden Ross auf einem Füllhorn mit Ranken. Damals war das Rössle noch an seinem angestammten Platz: an der Straßenseite jenes Gasthauses, das 1805 von Johann Jacob Neudeck und seiner Frau Johanna Catharina errichtet worden war. Diese Namen hätte das Rössle Hartmann ja nennen können, doch der wählte den mühsameren Weg, musste erst die Initialen I.I.ND und I.C.ND über dem gewölbten Kellerzugang und der Seitentür entziffern und in Kirchenbüchern blättern. Zum Wiehern, dächte das Rössle.
Dass es schon viele Besitzer hatte, wäre eine weitere Geschichte des Tiers vom Gasthausschild: Da war der Sohn der Neudecks, Johann Adam, später Gustav Gähring, 1868 Karl Schütz, 1907 Heinrich Schütz und 1956 Karl Schütz. Dann wurde das traditionsreiche Gasthaus 1958 aufgegeben, und das eiserne Rössle wanderte mit seinen letzten Besitzern in die Siegelsbacher Straße, wo es heute an längst nicht mehr so prominenter Stelle glänzt.
Trotz allem würde der Hengst seinen Stolz bewahrt haben. Nicht zuletzt, wie er betonen würde, wegen des originalgetreu edlen Teils, das sein Schmied ihm hinzuzufügen nicht vergessen hatte - und das Rössle würde nicht seinen Schweif meinen.
Bewundernde Blicke wäre es eh gewohnt. Schließlich hat 1940 schon der Bad Rappenauer Heimatkundler Fritz Linder im Unterländer Boten darüber geschrieben und dem Bericht ein Foto beigefügt, das das vergoldete Ross mit Blick auf die Babstadter Straße in Richtung Osten zeigt, im Hintergrund das 1966 abgebrochene Fachwerkhaus der bis 1877 bestehenden Gastwirtschaft „Rose“. Das Kunstwerk im Dorfbild - so war der Artikel überschrieben, in dem Linder das damals leider verputzte Fachwerk des Gasthauses „Rössle“ beklagte. Ironie des Schicksals: Inzwischen ist das Fachwerk freigelegt, aber leider das Rössle weg. Da träumte der goldene Hengst doch lieber von seinen besten Tagen, als sein erster Herr Johann Jacob Neudeck noch mit Salineninspektor Georg Christian Heinrich Rosentritt verkehrte und für ihn bürgte, als der Ortsadel jene Bohrungen gestattete, mit denen Rosentritt 1822 die Salzvorkommen unter Rappenau entdeckte.
Vielleicht, so träumte das Rössle in die Zukunft, würde sich ja eines Tages irgendwer des Vorschlags von Hans-Heinz Hartmann erinnern, der vor 30 Jahren der Namensgebung für den „Dominikaner“ nichts abgewinnen konnte, weil der Bezug zum Wimpfener Bettelorden gering sei. Schon damals hatte Hartmann die Wiederbelebung des „Rössle“ an der Babstadter Straße vorgeschlagen. Eine Idee aus dem Reich der Fabeln und Legenden? Unser Wappentier würde die Hoffnung nie aufgeben. So wenig wie seinen Stolz.

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