Bewegte Geschichte eines Hofgutes
Ehemalige Lautenbacher tauschten sich bei einem Treffen aus

Oedheim - Der Lautenbacher Hof bei Oedheim hat eine lange Tradition als landwirtschaftlicher Musterbetrieb und war nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem Auffangbecken für Ausgebombte und Heimatvertriebene. Heute steht das damals dicht bewohnte Hofgut weitgehend leer. Am 29. April erinnerten sich die damaligen Bewohner beim "Ersten Lautenbacher Treffen" nach Jahrzehnten an die gemeinsam verbrachte Kindheit.
Der Lautenbacher Hof bot in den fünfziger Jahren Flüchtlingen und ausgebombten Heilbronnern nach dem Krieg eine neue Heimat und vor allem: Arbeit. Bewirtschaftet wurde das Mustergut damals von Christian Landes und seiner Familie. Doch bereits in den Sechzigern und Siebzigern, aber vor allem als der Pachtvertrag der Familie Landes nach vier Generationen in den neunziger Jahren endete, hat es die Lautenbacher in alle Winde zerstreut. "Die heute Anwesenden habe ich teilweise seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen", erklärt Anton Schall, dessen Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ungarn vertrieben wurden und auf dem Hof über ein halbes Jahrhundert lang eine neue Heimat fanden.
Generationen Auch Luzia Marche erinnert sich: "In diesem einen Zimmer haben nach dem Krieg drei Generationen geschlafen: Meine Eltern, meine Großeltern, mein Bruder und ich. Und unter uns im Stall standen zwanzig Ochsen. Erst später wurde die Küche dazu gebaut, aber eine schöne Zeit war es trotzdem." Dafür sorgte schon das rege Leben auf dem idyllisch gelegenen Hof mit seinen fest gefügten Traditionen wie den jährlich stattfindenden Erntefesten oder der Teilnahme der Hofgemeinschaft an Umzügen und Dorffesten.
Organisiert wurde das Treffen von Irmgard Schneider, Anette Trachtler und Anneliese Jochim. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging man zur Historie über: Bei einer Führung lernten auch die Ehemaligen noch etwas über die Geschichte des Hofguts, das seit der Mittelsteinzeit erste Siedlungsspuren aufweist. Untrennbar verknüpft sind mit Lautenbach die Freiherrn von Wächter, die im neunzehnten Jahrhundert das Jugendstilschloss sanierten und verschönerten, einen fortschrittlichen Betrieb aufbauten und durch soziale Projekte wie zum Beispiel die Unterstützung des Jagstfelder Kindersolbads, von sich reden machten.
Besitztum Das Gut − noch heute im Besitz der Grafen von Palm − galt über Jahrzehnte als landwirtschaftlicher Vorzeigebetrieb, 1923 wurde hier der erste Traktor in Betrieb genommen, 1925 ein Dampfflug. In den achtziger Jahren machte ihn die landwirtschaftliche Fakultät der Uni Hohenheim bekannt, die dort Freilandversuche durchführte. Zuletzt umfasste das Hofgut rund 240 Hektar und 300 Mastschweine.
Nach einer Besichtigung der ehemaligen Wohnungen und Hofgebäude und dem Austausch vieler gemeinsamer Erinnerungen machte sich die Gruppe zum Abschluss des Treffens zum Kaffeetrinken nach Oedheim auf. red
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