Abschied vom Wahrzeichen
Bad Rappenau Markante KRZ-Silotürme werden nächste Woche abgerissen

Bad Rappenau - Der Abriss eines der wohl markantesten Gebäude von Bad Rappenau kommt nächste Woche in seine entscheidende Phase: Wochen nach Beginn der Abbrucharbeiten im Kraichgau Raiffeisen Zentrum (KRZ) in der Raiffeisenstraße steht der Fall der großen Silotürme unmittelbar bevor.
Längst schon hat der letzte Bauer das Gelände verlassen, auf dem er jahrzehntelang seine Getreideernte abzuliefern gewohnt war. Nach und nach haben inzwischen Arbeiter der Bock Abriss- und Recycling GmbH aus dem bayerischen Babenhausen die kleineren Gebäude abgetragen. Im ältesten Siloturm, der in den 50er-Jahren gleich neben der Bahnlinie errichtet worden war, flattern Vögel aufgeregt durch die leeren Fensterhöhlen herein und picken ein paar übrig gebliebene Körner auf.
120-Tonnen-Bagger Wann die Silotürme fallen werden? Firmenchef Alexander Bock kann es nicht mit letzter Sicherheit sagen: „Im Laufe der nächsten Woche.“ Einige Unwägbarkeiten sind mit dem Abbuch der rund 35 Meter hohen Türme verbunden. Ein Spezialbagger muss dazu anrücken. Wann das 120 Tonnen schwere Gerät in Bad Rappenau eintreffen wird, hängt unter anderem von der Genehmigung für den Antransport ab - und der hat ausschließlich nachts zu erfolgen.
Bis der so genannte Long-front-Bagger mit seinem 32 Meter langen Arm zuschlagen kann, bricht Bocks Angestellter Oliver Brandner aus Illertissen mit seinen Kollegen ab, was für den Riesenbagger zu mickrig ist. Der 37-jährige Fahrer eines 36 Tonnen schweren Kettenbaggers hat keine Mühe, mit seiner Maschine Doppel-T-Träger zu verbiegen wie Gummi oder gewaltige Betonbrocken zu zertrümmern.
Emotionen Mit einem lachenden und einem weinenden Auge beobachtet Jürgen Freudenberger die Szene in Bad Rappenau. Der KRZ-Geschäftsführer weiß natürlich, dass der Betrieb am neuen Standort im Gewerbegebiet Buchäcker bei Bonfeld unmittelbar an der Autobahn weitaus reibungsloser abläuft. Doch zugleich schmerzt Freudenberger das Ende der Kornhaus-Ära im Rappenauer Kernort. Schließlich war sie von seinem Großvater Fritz in den 40er-Jahren eingeläutet und von seinem Vater Günther von den 60er-Jahren bis 1984 fortgeführt worden, bevor Jürgen Freudenberger selbst als einer der beiden Geschäftsführer die Geschicke des Kornhauses übernahm.
Zum ersten Silo an der Bahnlinie gesellte sich in den 60er-Jahren das Silo mit rechteckigem Grundriss an der Straße Hinter dem Schloss, in den 70ern kamen die beiden Rundsilos dazu. Und nun der schnöde Abriss. „Das weckt Emotionen“, gesteht der gestandene Geschäftsmann.
„Das ist der letzte Akt für ein Stück Stadtgeschichte“, findet auch Oberbürgermeister Hans Heribert Blättgen. Unter seiner Ägide hat der Gemeinderat entschieden, dass das Kornhaus Parkplätzen für die Landesgartenschau weichen muss. Mit rund 900 000 Euro, so eine erste Schätzung, hätte der Abriss den Haushalt der Kurstadt belastet; mittlerweile ist klar, dass dafür nur rund 350 000 Euro nötig sind.
Für den Kauf des Grundstücks hat die Stadt 1,5 Millionen Euro berappt und hofft, aus dessen Verkauf etwa 600 000 Euro zu erlösen, sobald es nach der Gartenschau nicht mehr als Parkplatz benötigt wird.

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