Seit fünf Jahren gilt Tempo 30 auf B 27

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Gemeinde Offenau war 2010 die erste im Landkreis mit Tempo 30 als Lärmschutzmaßnahme auf der Ortsdurchfahrt. Die Maßnahme ist damals wie heute umstritten.

Von unserer Redakteurin Sara Furtwängler
Damals feierte die Bürgerinitiative B?27 ihren Erfolg und "bedankte" sich beim Regierungspräsidium für die Einführung der 30er-Zone mit einem Plakat. Foto:
Damals feierte die Bürgerinitiative B?27 ihren Erfolg und "bedankte" sich beim Regierungspräsidium für die Einführung der 30er-Zone mit einem Plakat. Foto:  Foto: Sawatzki

Es ist Freitag, der 25. September im Jahr 2009. Fußgänger, Fahrräder und parkende Autos blockieren die Bundesstraße in Offenau. Eine Protestaktion der Bürgerinitiative (BI), die sich für Tempo 30 auf der Ortsdurchfahrtsstraße einsetzt.

Ein knappes Jahr später, am 21. Juli 2010, ist es so weit. Das Regierungspräsidium ordnet nach Lärmmessungen Tempo 30 auf der B 27 an. Die kleine Gemeinde am Neckar ist damals die erste im Landkreis, die ihre Ortsdurchfahrt aus Lärmschutzgründen auf 30 Stundenkilometer begrenzt. Ein Erfolg für die BI in ihrem Kampf für eine sicherere Straße und für ruhigeren Verkehr.

Hupkonzerte in der Nacht

Hart trifft Offenau damals aber die nach dem Beschluss aufsteigende Protestwelle der Tempo-30-Gegner. In Facebook-Gruppen wird zum Boykott des Kornlupferfestes aufgerufen. Bei Internet-Initiativen wie "Hupen für Offenau" schaukeln sich die Tempolimit-Gegner hoch. Auto- und Lkw-Fahrer führen nachts auf der B 27 Hupkonzerte auf, um sich bei den Anwohnern zu rächen.

 


 

Die Offenauer bringen Ruhestörungen zur Anzeige, die Polizei kassiert zehn Euro für Hupen als Ordnungswidrigkeit, aber es ändert sich lange Zeit nichts an den schlafraubenden Attacken. Heute, fünf Jahre später, hat sich die Situation beruhigt, aber es gibt sie immer noch: die entschiedenen Gegner und die Befürworter der Maßnahme, auch im Ort.

"Ich war damals dagegen und bin es heute noch", sagt Anton Wecker. Er wohnt mitten in Offenau und direkt an der Bundesstraße. "Als es noch Tempo 50 war, floss der Verkehr schneller und war schneller durch den Ort durch", erklärt er seine Meinung. "Mit Tempo 30 wurde die Situation fast schlechter", findet auch die Angestellte Sabine Borelt in der Metzgerei Gollerthan. "Die Lautstärke hat sich nicht verringert, weil jetzt viele im zweiten Gang durch Offenau fahren", meint sie.

Mehr Ruhe und Sicherheit

Inzwischen haben sich die Lkw- und Autofahrer an das Tempo auf der Ortsdurchfahrt gewöhnt. Bei der Einführung vor fünf Jahren gab es Proteste. Foto:
Inzwischen haben sich die Lkw- und Autofahrer an das Tempo auf der Ortsdurchfahrt gewöhnt. Bei der Einführung vor fünf Jahren gab es Proteste. Foto:  Foto: Furtwängler

"Es ist viel ruhiger und man hat ein besseres Gefühl von Sicherheit", findet hingegen Hildegard Müllerschön, deren Mann Johannes Müllerschön sich in der Bürgerinitiative für die Einführung von Tempo 30 engagiert hat. So sieht es auch Theo Gehrig, ebenfalls Mitglied der BI: "Man kann auf der B 27 wieder beruhigt Radfahren. Tempo 30 bringt dem inneren Ort mehr Ruhe und Sicherheit."

Auf dem Weg zu einer leiseren Ortsdurchfahrt gebe es aber noch viele Baustellen. So gelte außerhalb der Tempo-30-Zone, wo der ehemalige Schulleiter wohnt, Tempo 50. Hier habe sich nichts verbessert. Lärmschutzwände an den beiden Ortseingängen sieht das BI-Mitglied als einzige Lösung für Lärmschutz im gesamten Ort. Der B 27-Anwohner beklagt: Noch immer gebe es nächtlich Hupkonzerte, die der Offenauer als anhaltenden Protest gegen das Tempo auf der Bundesstraße wertet.

Der Apotheker Matthias Lingen, eigentlich ein Befürworter der Geschwindigkeitsbegrenzung, ist sich sicher: "Tempo 30 wird in 80 Prozent der Fälle nicht eingehalten." Der Blitzer am Ortsausgang Richtung Gundelsheim sei bekannt, es werde erst kurz vorher abgebremst. Lärm- und Staubbelastung an der Hauptstraße hätten sich durch Tempo 30 nicht wesentlich verbessert, findet der SPD-Gemeinderat. 

Ein Kreisel soll den Verkehr verflüssigen

Auch Bürgermeister Michael Folk ist immer noch ein Befürworter der Maßnahme, sieht sie aber nur als ersten Schritt in einer Reihe von weiteren. Als direkt erfahrbare Verbesserung sieht er das Thema Sicherheit. Damit die 30er Zone auch für weniger Lärm und Abgase sorgt, "müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen", erklärt der Rathauschef und fügt an: "Es funktioniert nur, wenn der Verkehr flüssig durch den Ort rollt".

Mit dem gerade entstehenden Verkehrskreisel an der südlichen Ortseinfahrt sei ein weiterer Schritt getan. Folk hofft, dass durch den Kreisel die Ampeln auf Höhe des DHL-Werkes und die bei der TSR-Tankstelle abgeschaltet werden können. Funktioniert der Kreisel wie gewünscht, seien zwei weitere geplant. Auf Höhe von Holz- und Bachenauer Straße.

Ende Juli 2009 hatte die Bürgerinitiative B 27 einen Antrag auf Tempo 30 an die zuständige Verkehrsbehörde in Bad Friedrichshall gestellt. Zuvor hatte Bürgermeister Michael Folk sich in einer Ratssitzung für eine 30er Zone auf Teilen der Ortsdurchfahrt eingesetzt, doch das Gremium hatte dagegen gestimmt. Den Durchbruch brachte nach Ansicht der Bürgerinitiative ein "Verkehrsgipfel" am 1. April 2010 in der Saline. Die Bundestagsabgeordneten Thomas Strobl (CDU), Michael Link (FDP), Regierungspräsident Johannes Schmalzl, Landrat Detlef Piepenburg, Landtagsabgeordnete, Verwaltung und Gemeinderäte waren dabei. Nachdem das Regierungspräsidium den Lärm für die Gebäude an der B 27 messen ließ und klar wurde, dass der Pegel damals die sogenannten Lärmrichtwerte teilweise um mehr als fünf Dezibel überschritt, ordnete es ab 21. Juli 2010 im Bereich zwischen dem Talweg 12 bis zur Hauptstraße 57 Tempo 30 an.

 
Nach oben  Nach oben