Noch ein paar Minuten fehlen bis zur deutschen Spitze
Läuferin Isabel Leibfried will beim großen Sport mitmischen.

Das Porträt
Ihr Entdecker Peter Ziegler hat in seinem Lauftagebuch nachgesehen. Er war es war vor ziemlich genau acht Jahren, als Isabel Leibfried zum ersten Mal mit ihm unterwegs war. Die Jugendliche spielte eigentlich Fußball im Verein. Ihre Mutter war in der Gruppe, die Ziegler in Offenau betreute, da lag es nahe, zu fragen, ob sie mitlaufen könnte.
Die 16-Jährige lief locker und leicht und als er sie beim Anstieg von Duttenberg nach Obergriesheim mit etwas mehr Tempo testete, stellte er fest: "Die schnauft gar nicht." Für ihn ein Zeichen, dass Isabel besonderes Talent hat.
Trolli
Der erste Wettkampf war zwei Monate später. Er war ganz erfolgreich - trotzdem musste sie zwischendrin gehen, weil sie zu schnell losgelaufen war. Im Mai 2008 lief sie dann den ersten Trollinger Halbmarathon. Peter Ziegler hatte ihr mit der Ankündigung "sie läuft unter 1:45" eine der vorderen Startnummern besorgt. Die Zeit unterbot sie um vier Minuten, gewann ihre Altersklasse und war 19. in der Frauenkonkurrenz. Drei Jahre später lief sie 1:23 und war schnellste Frau.
Ihr Talent hat sie inzwischen systematisch ausgebaut. Gegenwärtig ist die 24-Jährige auf Rang sechs in der Bestenliste über 10 000 Meter. Mit Ihren 34:47 Minuten fehlen ihr noch ein bis zwei Minuten zur absoluten deutschen Spitze - und die möchte sie schon erreichen. Langstreckenläufer sind meist erst zwischen 27 und 32 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Außerdem will sie auf jeden Fall noch die Marathondistanz angehen.
Studium in den USA
Sie ist erst vor einer Woche aus Saint Louis im us-amerikanischen Missouri zurückgekehrt, wo sie innerhalb von zwei Jahren den Master of Business Administration (MBA) schaffte und an der Division 1 Uni, die höchste Liga im amerikanischen College Sport, fleißig trainierte. Das Voll-Stipendium in den USA bekam sie nur wegen ihrer sportlichen Leistungen. Vorher hatte sie den Bachelor an der Hochschule in Mosbach gemacht.
Dieser Tage war Isabel zusammen mit Peter Ziegler ins Offenauer Rathaus eingeladen. Bürgermeister Michael Folk freut sich, dass die Spitzenläuferin bei allen Interviews darauf hinweist, dass sie aus Offenau kommt. Betreut wird sie inzwischen von Holger Freudenberger von der TSG Heilbronn.
Training
Als nächster Wettbewerb steht der sehr gut besetzte Silvesterlauf in Bietigheim an. Für die 11,1 Kilometer dort war sie am Vormittag schon 13 Kilometer unterwegs. Sie läuft täglich zwischen zehn und 25 Kilometern, also gut 4000 Kilometer im Jahr. Mal flach, mal hügelig, mal durch den Wald, mal Asphalt. Die abwechslungsreichen Strecken im Unterland sind für sie ein ungeheurer Trainings-Vorteil.
Gelegentlich ist sie auch noch mit ihrer Mutter unterwegs - allerdings fährt die Mutter mit dem Fahrrad nebenher. Außer den regelmäßigen Läufen macht sie noch etwas Training im Studio zur Stabilisierung und für die Fitness.
Für Hobbys reicht die Zeit nicht. Sie hat einen Freund und ist zurzeit auf Jobsuche. Der Bereich Marketing vielleicht im Sportbereich würde sie besonders interessieren.
Stimme.de