Bad Wimpfen

Zunftmarkt: Handwerkskunst mit Hand und Fuß

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Akteure und Besucher schätzen die Authentizität beim Zunftmarkt in Bad Wimpfen. 72 Handwerker und Händler mit von der Partie. Verein sucht dringend Helfer, sonst droht nach 2018 das Aus für die Veranstaltung.

Von Sabine Friedrich

Mit Dudelsack, Laute, großer Rahmentrommel und Schellenkranz verschafft das Ensemble Triskilian dem festlichen Einzug des Marktherrn von Wimpfen mit Gefolge ins Burgviertel Gehör. „Es braucht ein kräftiges, prägnantes Instrument für die Markteröffnung“, sagt die „Nachtigall vom Neckartal“ alias Knud Seckel, der den Dudelsack zur Eröffnung des Zunftmarkts in Bad Wimpfen am Samstag zur Mittagszeit spielt.

„Ich finde es toll hier auf historischem Boden, wo die Staufer-Kaiser Einzug gehalten haben.“ Deshalb ist der Minnesänger seit 20 Jahren Stammakteur der Veranstaltung, die eine Zeitreise ins Mittelalter bietet.


Wippdrechsler in Aktion

Rüdiger Engelhardt ist ganz in diese Zeit eingetaucht: „Seid gegrüßt.“ Vor seinem Zeltsegel ist eine seltsame Konstruktion aus langen Ästen aufgebaut. Der Eschenmast bringe am meisten Spannung und Federkraft für das Fußpedal, erklärt der Wippdrechsler.

„Mit meinen Beinen bin ich mein eigener Motor, damit treibe ich mein Werkstück an.“ Das Seil zieht dieses gegen das Eisen, so dass er das eingespannte Holz in Form bringen kann. „Die Einfachheit der Technik begeistert die Leute“, meint der gelernte Zimmermann. Den Besuchern die Wurzeln der Technik nahe zu bringen, das ist sein Anliegen. Und er lobt den Zunftmarkt-Verein, der Wert auf die Qualität der alten Handwerkskunst lege. Auf anderen mittelalterlichen Veranstaltungen habe dieser Anspruch nachgelassen.

Baumwollhosen gab es im Mittelalter noch nicht

Deshalb ist der Wimpfener Zunftmarkt auch Andreas Stephan so sympathisch. Er preist die Authentizität an, beklagt, dass anderswo die Märkte zu kommerziell geworden seien. In ein „normales Alltagsgewand“ gekleidet, gibt der Besucher aus der Nähe von Heidelberg zu, dass dieses nicht ganz so authentisch in die damalige Zeit passe. Die Hose aus Baumwolle? Dieses Material hat es im Mittelalter noch nicht gegeben, meint er lachend.

Jürgen Köninger, Adlatus von Marktvogt Ulrich Kappes, ist als Bauer gewandet. „Da ich technisch versiert bin, bin ich das Mädchen für besondere Fälle“, meint er schmunzelnd und hofft, von Unvorhergesehenem, wie einem Stromausfall, verschont zu bleiben. Er bestätigt den hohen Anspruch des Zunftmarkts. „Wir sind auf tatsächliche Handwerkskunst bedacht, wir nehmen keine industrielle Ware.“

"Das ist ein ganz tolles Handwerk"

Das zeigt sich an den Ständen der 72 Händler und Handwerker. Edmund Gehrlein ist die siebte Generation von Korbmachern in seiner Familie. „Das ist ein ganz tolles Handwerk“, sagt der Mann aus Westheim, der schon viele Jahre zum Zunftmarkt kommt. Er bedauert, dass man heute von seiner alten Handwerkskunst nicht mehr leben könne. „Tolle Umgebung, tolles Flair, toller Veranstalter und viele Gleichgesinnte“, findet er in Bad Wimpfen vor.

Im Gegensatz zu den Schmieden, die an ihren Essen ordentlich schwitzen, hat Patricia Richter im Schutz der Häuser ein schattiges Fleckchen gefunden für ihren Webstuhl. An den 130 Fäden dreht sie die Brettchen vor- und rückwärts für das entsprechende Muster. „Das hat schon fast was Meditatives“, sagt sie zu ihrem Hobby, der Brettchenweberei. „Vor ein paar Jahren war ich noch am Einlass und habe kassiert“, erzählt die Ludwigsburgerin, die aus Bad Wimpfen stammt.

 

Ohne neue Helfer droht das Aus

Nach dem Zunftmarkt ist vor dem Zunftmarkt. Das heißt, dass der gleichnamige Verein das ganze Jahr über viel zu tun hat. Jedoch: Es fehlt an Unterstützern, wie der Vorsitzender Reinhard Stüwe sagt. „Wenn wir bis Ende das Jahres nicht weitere Helfer bekommen, dann ist zum 30. Jubiläum des Vereins nächstes Jahr der letzte Zunftmarkt.“

Im Augenblick kümmere sich bei den wöchentlichen Treffen nur eine Handvoll Leute um die Organisation der Veranstaltung, die auf den Hafenmarkt 1391 zurück geht.

Wer den Verein unterstützen will, meldet sich unter E-Mail: info@zunftmarkt.de.

 

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