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Wieder Super Mario daddeln

Zurück in die Kindheit: Pascal Kühner organisiert im Januar und März Retro-Gaming-Lounges in Neuenstadt und Brettach. Dort sollen die Gäste zusammen auf Spielkonsolen aus den 90ern spielen.

Von Vanessa Müller
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Lesezeit  2 Min
Wieder Super Mario daddeln
"Super Mario" ist Kult. Bei der Retro-Gaming-Lounge im Januar können Konsolenfreaks spielen, bis der Controller glüht.

Wer in den 80ern und 90ern aufgewachsen ist, weiß wovon er spricht: "Ich hatte als Kind nie einen Nintendo zu Hause", erinnert sich Pascal Kühner. Fast jeden Tag geht er deshalb zu seinen Freunden, um bei ihnen an der Konsole "Mega Man" zu daddeln. Mit dem blauen Kampfroboter springt und schießt er sich von Level zu Level − bis zum Endgegner.

Tage und Nächte verbringen die Jungs vor der Glotze, Chips futternd, mit durchgeschwitzten Controllern. "Diese Zeit hat meine Kindheit und Jugend geprägt", erinnert sich Kühner, heute Psychologe bei der Bad Wimpfener Jugendhilfe.

Deshalb hat er beschlossen, sogenannte Retro-Gaming-Lounges auf die Beine zu stellen. Partys, bei denen die gute alte Zeit wieder auflebt, mittels Multiplayer-Spielen an der Konsole. Im Januar und März stehen sie in Brettach sowie Neuenstadt auf dem Programm.

Nostalgie

Wieder Super Mario daddeln

"Meine Eltern fanden das alles früher eher bedenklich. Heute weiß ich, dass dieses scheinbar sinnlose Spielen einen großen sozialen Nutzen hatte. Weil wir uns tatsächlich trafen, entstanden Freundschaften, die Gemeinschaft wurde gestärkt und wir haben zusammen etwas erlebt", erklärt Pascal Kühner. Die Abende sollen nostalgische Gefühle wach rufen, aus denen die Gäste Kraft schöpfen − und natürlich einfach Spaß haben.

Wie so ein Abend aussieht? Der 36-Jährige schmunzelt. Neun alte Röhrenfernseher hat er aufgegabelt. Die schleppt er mit seinen Helfern zum jeweiligen Veranstaltungsraum, denn wenn schon retro, dann richtig. Dazu kommen mehrere Spielekonsolen aus den 90er Jahren, die er selbst leidenschaftlich sammelt. "Jeder kann seine Lieblingsspiele mitbringen", erklärt er

Sechs Euro soll der Eintritt kosten

Allerdings sorgt er auch dafür, dass Partykracher wie "Bomberman" oder "Super Mario Kart" auf keinen Fall fehlen. Die Gäste treten bei Turnieren gegeneinander an oder daddeln einfach so an Konsole und Gameboy. Bei einem kleinen Quiz geht es um Fragen wie: Auf welcher Konsole wurde "Pong" gespielt? "Atari" ist übrigens die richtige Antwort. Sechs Euro Eintritt kostet der Spaß, dazu gibts Cola und Bier zum Einkaufspreis. "Manche legen zusammen und bestellen eine Pizza", sagt der Ellhofener. Wie früher eben. Gegen ein Uhr nachts ist die Party dann vorbei.

Wieder Super Mario daddeln
Spielleidenschaft: Pascal Kühner mit N64-Controller in der Hand.Foto: privat

Zwei Mal hat Kühner die Lounges schon organisiert. Da waren 30 bis 40 Leute da. Jetzt sollen es noch mehr werden. Um die 20 Jahre alt waren die jüngsten, Studenten von der Hochschule Heilbronn. "Die waren so begeistert, dass sie mich gefragt haben, ob ich mit meinen Sachen auch zu ihnen in die Uni kommen kann."

Menschliches Miteinander beim Spielen ist wichtig

Gesagt, getan. Einige Wochen später baut Kühner seine Konsolen an der HHN auf. Sein ältester Fan is sein 70-jähriger Vater, der früher immer ein bisschen übers Spielen gemeckert hat. Jetzt hilft er bei den Veranstaltungen mit. "Seit er selber ein paar Mal bei Bomberman gewonnen hat, soll ich ihm zu Hause auch eine Konsole hinstellen, damit er üben kann."

Was für Kühner das Besondere an den alten Spielen ist: "Heute trifft man sich in Chatrooms oder spielt "World of Warcraft" und "League of Legends". Der Suchtfaktor ist groß, weil Dinge im Internet immer verfügbar sind", sagt er. Es fehle aber das menschliche Miteinander. Man könne so kein echtes Vertrauen aufbauen, das gehe nur real. "Mega Man hat keine tolle Grafik, das ist alles total verpixelt. Aber wenn man es zusammen spielt, ist es trotzdem das Allertollste".

 
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