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Nördlicherlandkreis

Was für ein komischer Sommer

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Wie die Menschen in der Region mit den Temperaturschwankungen zurecht kommen

Von Peter Klotz
Für Peter Grawe gibt es kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.
Für Peter Grawe gibt es kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Als abwechslungsreich und "typisch wechselhaft" bezeichnen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst den bisherigen Sommer. Das Regensoll ist vielerorts bereits für den ganzen Sommer erfüllt, die Sonnenscheindauer liegt dagegen genau bei den für sieben Wochen erwarteten 65 Prozent. Das sind statistische Werte. Wie empfinden die Menschen in der Region das Wetter? Überwiegend sind sie offenbar zufrieden, denn "man kann ja ohnehin nichts daran ändern", sagen viele.

Landwirt Für den Offenauer Landwirt Josef Wanner war das Wetter dagegen "katastrophal". Die Ernte war bisher nur Stückwerk, immer wieder unterbrochen durch Regenperioden. Auch der gestrige Dienstag war ein Ausfalltag, dabei wäre das Getreide in zwei Tagen fertig. Schon die Feuchtigkeit von den heftigen Niederschlägen im Frühjahr hat viel kaputt gemacht, die Böden haben keinen Sauerstoff mehr und bringen − so seine Vorhersage − wohl ein Ertragsminus von 30 Prozent. Der Mais steht sehr unterschiedlich hoch, die Reife ist um vier Wochen zurück und die Qualität leidet unter den Problemen beim Pflanzenschutz, denn wegen der tiefen Böden konnte man oft nicht aufs Feld.

Irene und Josef Mandel aus Duttenberg sehen die Wetterkapriolen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie freuen sich über die tollen Erträge beim Obst. Noch vor acht Uhr morgens haben sie zwei Zentner Zwetschgen geerntet, jetzt ist Hochkonjunktur bei den Bäckern. Auf der anderen Seite wächst natürlich auch das Unkraut kräftig mit, was den Arbeitsaufwand stark erhöht. Bedenken hat Mandel wegen der Erträge im Wengert. Dort mussten die Spritzzeiten verkürzt werden, weil vielfach der Regen die Wirkung abgewaschen hat. Das wird die Menge und die Qualität der Ernte negativ beeinflussen. Glück hatte der Obst- und Gartenbauverein, hier sind die Mandels Vorstand und Schriftführerin, denn für das Sommerfest erwischten sie strahlendes Sommerwetter.

Das braucht der Offenauer Peter Grawe nicht unbedingt. "Alles eine Frage der Kleidung" meint der Rentner, der ohnehin bei jedem Wetter mit den Hunden draußen ist. In den Knochen spürt er die dauernden Veränderungen aber schon. Das ist bei der Friedrichshallerin Nora Kachelmus-Ehmann nicht der Fall. Auch sie nimmt Temperaturen und Niederschläge wie sie kommen. Mit zwei kleinen Kindern (Lukas, 4) und (Lea, 1) braucht man jeden Tag Programm − und so kann man zwischen Freibad und zu Hause wechseln.

Kreislauf Der Neuenstadter Daniel Roth ist frisch aus dem Urlaub zurück und hätte gegen ein paar Grad mehr nichts einzuwenden. Aber bei schlechten Wetter arbeitet er eben im Hause und sieht das Ganze positiv, denn er ist der fröhliche Typ. Iris Sax sieht die Sprünge von 18 auf 28 Grad und zurück nicht so gerne. Bei Sonnenschein ist sie viel im Freibad, die Schwankungen spürt sie beim Kreislauf. Deshalb wäre ihr ein wenig Konstanz lieber.

Stefanie Winter vom Service Point in der Stadtmitte ist trotz ihres Namens ein Sommertyp. Ihr machen auch 35 Grad nichts aus, "es ist ja Sommer". Der Fernseher bleibt aus. Und so oft wie möglich geht es raus. Ihre Mitarbeiterin Inge Sommerfeld hat den Sommer (schon vom Namen her) immer zu Hause und schert sich nicht um die Vorhersagen. Klar ist ein Grillabend auf der Terrasse oder im Freien schöner, aber "wir haben auch schon im Wohnzimmer gegrillt."

Iris Sax ist ein Sommertyp, Temperaturschwankungen mag ihr Kreislauf nicht.
Iris Sax ist ein Sommertyp, Temperaturschwankungen mag ihr Kreislauf nicht.
Stefanie Winter (l.) und Inge Sommerfeld sind auch so zufrieden. Fotos: Klotz
Stefanie Winter (l.) und Inge Sommerfeld sind auch so zufrieden. Fotos: Klotz
Nora Kachelmus-Ehmann hat ein Kinderprogramm für jedes Wetter.
Nora Kachelmus-Ehmann hat ein Kinderprogramm für jedes Wetter.
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