Stimme+
Heilbronn

Klo dringend gesucht

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Am Busbahnhof Karlstraße gibt es kein öffentliches WC. Anwohner klagen über Urin und Kot.

Von unserem Redakteur Kilian Krauth
Wenn an der Wirtshaustüre so ein Logo klebt, darf jedermann auf die Toilette.
Wenn an der Wirtshaustüre so ein Logo klebt, darf jedermann auf die Toilette.

Der Unmut ist groß. Anwohner und Anlieger sprechen von einem Missstand, manche süffisant von einem "Pissstand". Vor allem Reisende, die nach einer langen Busfahrt Erleichterung suchen, sind aus dem Häuschen: Am Heilbronner Busbahnhof an der Karlstraße gibt es keine öffentliche Toilette − mit üblen Folgen.

Michael Rossi spricht von einer "Sauerei". Der KfZ-Meister betreibt direkt am Busbahnhof eine Agip-Tankstelle mit Werkstatt. Regelmäßig stößt er am Rande seines Betriebshofes auf "Hinterlassenschaften", die gewiss nicht nur von Trinkern aus dem benachbarten Stadtpark herrührten. "Wenn Busse von weit her ankommen, stehen die Männer manchmal in Reih und Glied an den Büschen: etwa nach feuchtfröhlichen Skiausfahrten", berichtet Rossi. Manche seien vornehmer und fragten bei ihm oder anderen Anliegern nach dem Klo. Doch nicht alle Reisenden hätten eine gute Kinderstube. Ab und an findet der Kfz-Meister im Hinterhof sogar Häufchen. Zum Beweis nimmt er sein Smartphone und zeigt ein aktuelles Foto mit Kot, Pfütze und Tempotaschentüchern. "Das habe ich dem Ordnungsamt geschickt."

2010 wurde das automatische WC aus Kostengründen abgebaut.Fotos: Archiv
2010 wurde das automatische WC aus Kostengründen abgebaut.Fotos: Archiv

Auch Reiseveranstalter und Busunternehmer rümpfen die Nase − und natürlich Busfahrer. Apostolos Skrekas (52) von Ernesti-Bustouristik in Güglingen weiß von vielen älteren Menschen, die verloren nach dem Klo fragen. "Viele trauen sich gar nichts mehr zu trinken." Gerlinde Gastl von Zügel aus Wüstenrot berichtet ähnliches. Sie fährt schon 25 Jahre Bus und erinnert sich dunkel an ein rundes Metallhäuschen, das einst an der Zufahrt zum Busbahnhof stand. "Aber da warst du ja eingesperrt wie ein Astronaut und hast Angst bekommen." Für sie ist das Ignorieren von Grundbedürfnissen ein Zeichen dafür, wie weit weg "die da oben" sind von den Nöten der Bürger. "Die pumpen das Steuergeld doch lieber in die Stadtbahn." Und: "Im Rathaus hat es genug Aborte," sagt Gerlinde Gastl.

Wie im Rathaus zu erfahren ist, sei die automatische Toilettenanlage am Busbahnhof bereits 2010 im Zuge einer Etat-Sparwelle abgebaut worden: ebenso wie die Häuschen im Franziskanerhof, in der Rollwagstraße, Klarastraße, Zehentgasse und Kaiser-Wilhelm-Platz. Die Stadt spare dadurch 86 000 Euro im Jahr. Die Demontage ist damals vom Gemeinderat abgesegnet worden.

Kostendruck

Grund für den Abbau der "Astronautenkapseln", die teils 20 Jahre standen, war der Besucherschwund. Frequentierten 1995 im Durchschnitt noch 8,2 Personen pro Tag die Toiletten, waren es 2009 nur noch 4,7. Die Nutzungsgebühr von 30 Cent deckte die Mietkosten nicht.

Mit stillen Örtchen für die Öffentlichkeit ist die Innenstadt spärlich bestückt. Öffentliche Toiletten gibt es nur unterm Marktplatz an der Kaiserstraße sowie am südwestlichen Ende der Allee.

Am Busbahnhof in der Heilbronner Karlstraße suchen Reisende vergeblich nach einer öffentlichen Toilette, zum Leidwesen von Anliegern. Foto:Dennis Mugler
Am Busbahnhof in der Heilbronner Karlstraße suchen Reisende vergeblich nach einer öffentlichen Toilette, zum Leidwesen von Anliegern. Foto:Dennis Mugler

Aus der Not heraus geboren wurde vor Jahren das Projekt "Nette Toilette", weiß Ordnungsamtschef Bernd Werner. "Da darf man umsonst. Die Wirte stellen ihre WCs jedem kostenlos zur Verfügung." Ein Dutzend Gastronomen beteiligt sich daran.

Und am Busbahnhof? Da gibt es tatsächlich auch ein Lokal. Das frühere "Rädle", es heißt inzwischen "Asia Noi" und bietet thailändische Küche − aber eben keine "Nette Toilette". Die nächste findet sich um die Ecke knapp 150 Meter weiter im "Barfüßer" an der Allee. Das Betriebsamt will nun auf Anraten des Ordnungsamtes − und nach der E-Mail von Meister Rossi − an der Karlstraße ein entsprechendes Hinweisschild aufhängen.

Bußgeld

Und wem der Weg zu weit ist? Von Bußgeldern wolle man absehen, beteuert Werner, zumindest in diesem Fall. Bei "wildem Pinkeln" sind normalerweise 50 Euro fällig. "Aber bisher haben wir noch niemanden auf frischer Tat erwischt, nur während des Weindorfs."

Nach oben  Nach oben