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Wichtige Förderung

Einer Schwäche spielerisch begegnen

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Wichtige Förderung für Schüler mit Lese-Rechtschreib-Problemen durch Spenden finanziert

Von unserer Redakteurin Sara Furtwängler
Buchstaben sortieren: (v. l.) Gabi (8), Susi (7), Samuel (9) und Pauline (8) unterscheiden mit Lehrerin Kerstin Freiseis Vokale und Konsonanten.Foto: Sara Furtwängler
Buchstaben sortieren: (v. l.) Gabi (8), Susi (7), Samuel (9) und Pauline (8) unterscheiden mit Lehrerin Kerstin Freiseis Vokale und Konsonanten.Foto: Sara Furtwängler

Klatschst du mir mal ein Brötchen, Gabi?", fragt Kerstin Freiseis. Die Achtjährige schlägt zweimal kräftig die Hände zusammen und ruft: "Bröt-chen." Die fünf anderen Kinder der Lese-Rechtschreib-Förderklasse in der Klassenstufe zwei an der Ludwig-Frohnhäuser-Schule (LFS) klatschen danach abwechselnd die Wörter Auto, Sonne, Limonade oder Giraffe. Danach fragt die Lernpädagogin Kerstin Freiseis, an welcher Stelle man die eben geklatschten Wörter trennen würde. Nur wenig später sitzt die kleine Gruppe am Boden um zwei Körbchen herum und sortiert Holzbuchstaben nach so genannten Selbstlauten und Mitlauten.

Geldgeber Der Förderunterricht an der LFS soll Spaß machen, aber vor allem die Schwäche bei den Schülern beheben. "Es sind viele Kinder, die unter dieser Schwäche leiden", erklärt Schulleiterin Sabine Keidel. Deshalb ist sie froh und stolz, dass der Unterricht, der ursprünglich als zweijähriges Projekt von der Akademie für innovative Bildung (AIM) und dem Oberschulamt finanziert worden war, seit diesem Schuljahr auch ohne deren Unterstützung weiter angeboten wird. Vorerst noch einmal für zwei weitere Jahre, also bis Ende des Schuljahres 2015/16. Geld kommt vom Förderverein (2000 Euro pro Jahr), von der Bad Wimpfener Firma Solvay (2000 Euro pro Jahr) und rund 3500 Euro pro Jahr kommen von einer Stiftung, die nicht genannt werden möchte. Drei Förderklassen mit aktuell jeweils sechs Schülern werden von Kerstin Freiseis zweimal pro Woche getrennt nach Klassenstufen zwei, drei und vier unterrichtet.

Dabei sei die Lese-Rechtschreib-Schwäche kein Migrationsproblem, erklärt die Lernpädagogin. "Von 14 Schülern sind nur zwei nicht deutscher Herkunft", berichtet die 46-Jährige. Lehrer und Sonderpädagogen, die an der Gemeinschaftsschule LFS mit im Kollegenteam arbeiten, schickten ihr die Kinder, die deutlich unterdurchschnittliche Leistungen im Fach Deutsch haben.

Verknüpfung Als größtes Problem der Grundschüler beschreibt Freiseis die Verbindung zwischen Buchstabe und Laut. Damit der zusätzliche Unterricht etwas aufgelockert wird, macht die Erzieherin schon einmal ein "Schnell-und-Schlampig-Diktat". Jeder Schüler soll den vorgelesenen Text möglichst schnell so aufschreiben, wie er ihn hört, ohne groß nachzudenken. Rechtschreibung stehe nicht im Vordergrund. Vielmehr gehe es eben noch um die ganz grundlegende Verknüpfung zwischen den Buchstaben und den ihnen zugeordneten Lauten.

Um es ihren Schülern einfacher zu machen, spricht Freiseis nie von einem "Be" oder einem "De", sondern nur von "B" und "D". Sonst schreibe der Schüler beispielsweise das Wort Berg eventuell als Brg, weil er denke, das E gehöre zum B bereits dazu, erklärt die Expertin. Viel Zeit verwendet die selbstständig arbeitende Haßmersheimerin darauf, das Gehör ihrer Schüler zu schulen. "Ohne die Fähigkeit lange und kurze Vokale unterscheiden zu können, brauch’ ich gar nicht mit anderem Stoff anfangen", meint sie.

Nachdem AIM und Oberschulamt im Mai 2014 bekannt gegeben hatten, dass der Förderunterricht in diesem Bereich wieder in die Verantwortung der Schulen gegeben werde und es im neuen Schuljahr kein Geld mehr gibt, wurden Förderverein und Schulleiterin Sabine Keidel schnell aktiv. "Das ist eine so wichtige Förderung, die wollten wir unbedingt unterstützen", erklärt die zweite Vorsitzende des Fördervereins Tanja Greiner. Pünktlich zum neuen Schuljahr konnte der Unterricht fortgesetzt werden.

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