Nie müde werden in der Liebe

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Argentinien liege am "Ende der Welt", sagte Papst Franziskus einmal über sein Heimatland. Von dort stammt auch Professor Dr. René Krüger, der am Pfingstsonntag in der Oedheimer Christuskirche zu Gast war.

Von Bianca Winkler
Pfarrerin Brigitte Strobel und Professor Dr. René Krüger am Pfingstsonntag in der Christuskirche.
Foto: Bianca Winkler
Pfarrerin Brigitte Strobel und Professor Dr. René Krüger am Pfingstsonntag in der Christuskirche. Foto: Bianca Winkler  Foto: Winkler, Bianca

Argentinien liege am "Ende der Welt", sagte Papst Franziskus einmal über sein Heimatland. Von dort stammt auch Professor Dr. René Krüger, der am Pfingstsonntag in der Oedheimer Christuskirche zu Gast war. Der Pfarrer im Ruhestand zählt zu den bekanntesten Theologen und Repräsentanten der evangelischen Kirchen in Lateinamerika.

Krüger gehört zur evangelischen Kirche am La Plata, einer Partnerkirche des deutschen Gustav-Adolf-Werks (GAW), das weltweit evangelische Minderheitenkirchen unterstützt. Im Rahmen einer Vortragsreihe des GAW führte ihn sein Weg auch nach Oedheim. Vor 60 Jahren unterstützte das Diaspora-Werk den Bau der evangelischen Kirche im Ort. "Im Nachgang zu den Jubiläumsfeierlichkeiten unserer Kirche im April haben wir nach Oedheim eingeladen", erklärte Pfarrerin Brigitte Strobel.

"Von einem Menschen und einer Sache begeistert zu sein, tiefe Überzeugung zu spüren und damit andere anzustecken - das ist das Wirken des Heiligen Geistes", sagte Krüger in seiner Pfingstpredigt. Dass er diesen Glauben selbst lebt, wird schnell klar, wenn man Krügers Lebenswerk betrachtet. Der Sohn einer Schweizerin und eines Deutschen wurde in Paraguay geboren. Über 30 Jahre war der dreifache Vater Dozent für das Neue Testament, unter anderem an der Theologischen Hochschule in Buenos Aires, die er 15 Jahre als Rektor leitete.

Krüger arbeitete 24 Jahre als evangelischer Pfarrer in Argentinien, unter anderem in Gualeguaychú in der Provinz Entre Ríos, wo er heute lebt. "Dort haben wir die Nöte der Menschen wie Alkohol und Drogen viel unmittelbarer vor Augen", erklärte er die Unterschiede zur Kirchenarbeit in Deutschland.

Die Mittelschicht in dem lateinamerikanischen Land sei in den zurückliegenden 20 Jahren erheblich geschrumpft, rund 30 Prozent der Bevölkerung lebe in Armut. Weil sich die argentinische Regierung wenig um soziale Fragen kümmere, seien die Kirchen oft direkt mit schwerwiegenden Problemen wie Morden oder Missbrauch konfrontiert, sagte der Theologieprofessor. Seinen Ruhestand bezeichnete Krüger selbst als "Unruhestand". Er hält Vorträge und betreibt in Argentinien das einzige Wander-Bibelmuseum.

Die evangelische Kirche ist im katholisch dominierten Lateinamerika eine Minderheit. Die in Deutschland diskutierten Parallelgesellschaften, die sich zu Keimzellen des Terrors entwickeln könnten, existieren laut Krüger in seiner Heimat nicht. In der Diaspora respektiere man die Glaubensfreiheit. "Spannungen entstehen erst dann, wenn man keine anderen Glaubensrichtungen zulässt", erklärte er. Wegen der jüngsten Anschläge in Europa rät er aus Kirchensicht, sich nicht zurückzuziehen und keine eigenen Parallelwelten zu bilden. "Wir müssen mehr Stellung beziehen und dürfen nie müde werden in der Liebe", mahnte Krüger.

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