In Erlenbach auf dem Weinfest hat's gefunkt
Ein Buch zum 40-jährigen Bestehen des Erlenbacher Weinfests erzählt Historisches und porträtiert Paare, die sich dort einst verliebt haben.

Dass sie mal den Partner ihres Lebens auf einem Weinfest kennenlernen würden, damit hat wohl keines der Erlenbacher Weinfest-Paare gerechnet. Doch genau das ist es, was die acht Pärchen verbindet. Und weil die Liebe genau so zum Fest dazugehört wie Wein, Blasmusik, die Backfrauen und die Festfahne, werden auch sie Teil des Weinfestbuches sein, das der Festverein Erlenbach anlässlich des 40-jährigen Bestehens an Weihnachten herausbringt.
"Mitte Oktober müssen wir alles fertig haben, dann wird gedruckt", verrät Michaela Keicher die Planung für das Weinfestbuch. Die 46-Jährige spielt seit 36 Jahren Saxophon beim Musikverein Erlenbach und engagiert sich seit dem zweiten Weinfest. Rechtzeitig zu Weihnachten soll das Buch im A-4-Hardcover-Format für 14,90 Euro erhältlich sein. Wo überall sei noch nicht genau klar. "Bei der Gemeinde Erlenbach auf jeden Fall."
Seit Monaten sammelt die Buchcrew − bestehend aus Michaela Keicher, Susanne Kühner, Sabine Hornung, Peter Glaser, Matthias Bartsch, Ramona Betz und Thomas Kübel − dafür nun schon Bildmaterial, führt unter anderem Interviews mit dem Gründer Theo Mosthaf und sichtet alte Unterlagen.
Wie ist das Erlenbacher Weinfest eigentlich entstanden, und was hat sich im Laufe der 40 Jahre verändert? All diese Fragen sollen dem passionierten Weinfest-Gänger mit dem Buch beantwortet werden. "Wir lieben unser Fest", erklärt die Buchcrew in ihrem Hand-Out. Deshalb sollen die Geschichten zum Weinfest auch für nachfolgende Generationen erhalten bleiben. "Unsere Urenkel sollen nachschlagen können, wie alles begann und was unsere Dorfgemeinschaft gemeinsam erarbeitet und erlebt hat."
Zahlreiche Bilder aus den Jahren 1977 bis heute sind auf den 80 Seiten eingebunden. Dennoch: Das Buch sei eine große Herausforderung. "Keiner von uns hat zuvor schon mal ein Buch veröffentlicht", gibt Keicher zu. Zudem müsse alles in der Freizeit nach Feierabend gemacht werden. Trotzdem sei die Stimmung richtig gut. "Wir sind hochmotiviert und arbeiten uns gut zu."
Den Kontakt zu den Liebespärchen stellte die Buchcrew via Ausschreibung her. Acht Paare hatten sich daraufhin gemeldet. Das älteste Liebespaar hat sich am 19. August 1978 kennen und lieben gelernt: Andrea und Raimund Keicher. "Ich war damals im Partykeller eines Freundes. Leider waren hier immer nur Jungs und keine Mädchen. Und das kann wohl nicht angehen, dachte ich", erinnert sich Raimund Keicher. Hinter dem Haus des Freundes war der Toilettenwagen vom Weinfest aufgestellt. "Da lag es nahe, dass ich mich dorthin stelle und auf ein paar Mädchen warte." Die kamen dann auch. "Es waren fünf Krankenschwestern aus dem Plattenwald. Darunter auch meine heutige Frau."
Mit seinem "damaligen Charme" habe er es geschafft, die Mädchen zu sich und seinen Freunden in den Partykeller zu lotsen. Weil es zu wenig Sitzmöglichkeiten gab, setzte sich Krankenschwester Andrea irgendwann auf seinen Schoß. Als später seine Mutter in den Keller kam und das sah, sagte sie: "Gell, auf diesen Schenkeln sitzt es sich gut."


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