Bürger fordern mehr Rücksicht

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Rasende Radler, Trinkgelage und Hundehäufchen

Von Rolf Muth
Eine gefährliche Stelle: Wie unser Versuch mit dem Fahrrad zeigt, wäre Absteigen oder zumindest langsame Fahrt an der Durtal-Brücke angebracht.Fotos: Ralf Seidel
Eine gefährliche Stelle: Wie unser Versuch mit dem Fahrrad zeigt, wäre Absteigen oder zumindest langsame Fahrt an der Durtal-Brücke angebracht.Fotos: Ralf Seidel

Untereisesheim - Manchmal hat man den Hals gestrichen voll. Dann muss man ihn leeren, wie es jetzt einige Untereisesheimer Bürger tun. Im Großen und Ganzen stimmt das Klima in der 4100 Einwohner zählenden Gemeinde. Die Vereine bereiten sich eifrig aufs Heimatfest Mitte des Monats vor, auf die Partnerschaftsfeier, die damit verbunden ist. Die Rad- und Fußgängerbrücke, die das Neubaugebiet Schafbuckel über die Hauptstraße an den Ort anbindet, soll als Völker verbindendes Symbol der Partnerschaft mit Frankreich feierlich sogar zur Durtal-Brücke umbenannt werden.

Rücksichtslose Raser Manche Radler, die über das Bauwerk brausen, halten offenbar nichts von einem partnerschaftlichen Verhalten. Fußgänger und Radler auf einem Weg - da sollte man von gegenseitiger Rücksichtnahme ausgehen dürfen. Aber gerade das vermisst Margarete Steil. „Wenn ich aus dem Haus gehe, werde ich fast umgefahren.“ Und auch noch beschimpft: „Können Sie denn nicht aufpassen. Gehen Sie doch auf die Seite!“, ballt eine Radlerin die Faust, ein kleines Kind auf dem Gepäckträger.

Bürgermeister Jens Uwe Bock sieht die Problematik. Aber: „Es ist nunmal ein kombinierter Fuß- und Radweg.“ Das reicht der Anliegerin nicht: „Dann sollen die Radler ihr Fahrrad ein bisschen schieben“, schlägt Margarete Steil vor. Kindergarten- und Schulkinder nutzen die kombinierte Strecke als Fußweg. Auch sie werden unter Umständen über den Haufen gefahren. Warum nicht das gefährliche Teilstück zum reinen Fußweg umwidmen?

Lautstarke Trinkgelage Ein anderes Ärgernis ist am Kelterplatz zu finden. Die Architektur des Parkdecks ist gelungen, gleicht einer gefälligen Laube, die sich gut in die Umgebungsbebauung einbettet. Doch gerade diese „Idylle“ lockt nächtliche Besucher, die im Trockenen lautstarke Trinkgelage abhalten. „Ich habe schon mal das Gespräch gesucht, mich aber wieder vorsichtig zurückgezogen“, erzählt ein Anlieger. „Ich will mir ja schließlich nicht den Kiefer ausrenken lassen.“ Ein Nachbar fordert die Gemeinde zum konsequenten Handeln auf: „Das ist doch kein freier Kneipenunterstand.“

Untätig geblieben ist die Kommune nicht. Die Verwaltung hat mit der Polizei bereits Kontakt aufgenommen. Denn der Kreis der Partygänger am Parkdeck wird immer größer. Anfangs waren es zwei, jetzt sind es schon über zehn. Damit wächst auch die Geräuschkulisse. Der Bürgermeister hofft, dass sporadische Polizeikontrollen die Clique zwingen, sich aufzulösen.

Tretminen Karlheinz Klein stinken am meisten die Hundehäufchen am Sportplatz. Aber auch an der Frankenhalle sind immer wieder Spaziergänger mit ihren Vierbeinern unterwegs, die die Tretminen für ihre Mitmenschen hinterlassen. Dabei gibt es eine klare Verpflichtung für die Halter, den Hundekot zu beseitigen. Noch schlimmer: Selbst vor den Sandspielflächen schrecken Hundebesitzer nicht zurück. Für den Untereisesheimer Bürger eine Zumutung. Klein: „Es ist beschämend, dass man nichts für die Kinder tut, die hier in der Sch. . . rumtappen.“ Nachlässige Hundehalter zu erwischen, ist keine leichte Aufgabe, entgegnet Bock. „Stammt die Hinterlassenschaft nun vom Fiffi aus der Brunnenstraße oder vom Bello aus der Panoramastraße?“ Einen Ordnungsdienst, Müllsheriffs wie die Nachbarstadt Neckarsulm, hat die Kommune nicht. Anzeigen gehen im Ordnungsamt nicht ein. „Mit anonymen Hinweisen können wir nichts anfangen.“

„Dann sollen die Gemeinderäte doch die Hundesteuer erhöhen, damit nicht jeder mit einem Hund daher dackelt“, schlägt eine Mutter vor, die gerade mit ihrem Kind auf dem Spielplatz bei der Frankenhalle spielt.

Das Parkdeck beim Kelterplatz ist ein Partyzentrum geworden.
Das Parkdeck beim Kelterplatz ist ein Partyzentrum geworden.
An der Leine und ohne Hinterlassenschaften - so sind Hunde akzeptiert.
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