Beste Unterhaltung in Sicht
Besser hätte die Jungfernfahrt der MS Kreatiefa nicht verlaufen können: Passend zur Traumschiff-Melodie legte die gut gelaunte Besatzung des Kreuzfahrtliners am neuen Spielort der ehemaligen Neckarsulmer Weingärtnergenossenschaft zur großen Reise ab, die revueartig ...

Besser hätte die Jungfernfahrt der MS Kreatiefa nicht verlaufen können: Passend zur Traumschiff-Melodie legte die gut gelaunte Besatzung des Kreuzfahrtliners am neuen Spielort der ehemaligen Neckarsulmer Weingärtnergenossenschaft zur großen Reise ab, die revueartig bis nach Hawaii führte und jede Menge Stars auf den schwimmenden Brettern vereinte. Die 152 Premieren-Passagiere steuerten direkt auf einen Riesenberg bester Unterhaltung zu.
Das Schema der siebten Musical-Eigenproduktion ist altbewährt: Bekannte Schlager, Musical-Melodien und aktuelle Hits werden mit einer originellen Handlung verwoben und von den Darstellern unter Begleitung der hauseigenen Band gesungen. Trotzdem scheinen Rolf Renner die Ideen nicht auszugehen. Nach witzigen Neuinterpretationen wie Schneewittchen oder Troja, einer Italo-Story und einem Krimi heißt es nun "Irgendwas mit Schiff & Meer".
Schon der Empfang ist stilecht und bis ins Detail ausgefeilt: Über eine Schiffsgangway schreiten die Zuschauer in die WG, um nach dem Empfang der Chefstewardess und dem Angebot von wärmenden Decken gleich an der aus Paletten gezimmerten Bar in Bugform zu stranden.
Das hervorragend aufgestellt Bühnenensemble, das sich an Bord des Kreuzfahrtschiffes unter der Regie von Martin Renner einfindet, könnte nicht bunter zusammengewürfelt sein: Zwei leidenschaftliche Skatspieler (Matthias Haas und Tim Gottschling) suchen ihren dritten Mann und erzählen sich mit Vorliebe Untergangswitze: "Was sind die letzten Worte eines U-Boot-Matrosen? Oh Manno, ich kann doch nicht bei offenem Fenster schlafen."
In Anastasia vom Showteam (Karoline Hass) finden sie ihre Meisterin, die sich mit "Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst" gesanglich über die verblüffte Männerwelt freut. Auch wenn sie ausgerechnet den Kinderclub mit Nachwuchspirat Tommy (Janne Mörsberger) betreuen muss, der lieber mit Tomaten statt Kanonenkugeln schießt.
Nicole (Elisabeth Naumann) ist ganz in Discostimmung, während Leonie (Annalena Krämer) nach einer verpatzten Affäre "Nie wieder ti amo" in ihr Leben lassen will. Zumindest, bis sich die Blicke mit dem Neuen kreuzen: Florian von Kronenberg (Martin Renner), der schon als Kind Gaukler werden wollte und nun mit einem Uni-Rauswurf auf dem besten Weg ist.
Hugo Eichental (Maurice Arpogaus), der mit Schlapphut, Schlurfgang, Hallo-Hallöchen und der Versicherung "Ein Herz, das kann man reparieren" bei Chefhostess Bettina (Sofie Wendt) landet, ein weit gereister Kapitän (Philipp Mörsberger), der auch gern mal woanders wäre und lieber Schiffe versenken spielt, und ein Banker-Ehepaar (Petra Held und Rolf Renner), das sich während der standesbewussten Urlaubsreise in seinen Grundfesten erschüttert sieht, machen die Truppe perfekt.
Ein Hit, von der Band mit Oliver de Vries, Giuseppe Celentano, Benjamin Wormser und Arnd Fuchs bestens begleitet, jagt den anderen: Ein Panda-Masken-Sänger inkognito geht "Einmal um die Welt", bis die Truppe beim lässigen Rasta-Suleimann auf Hawaii landet und schließlich zu "Heidewitzka Herr Kapitän" zurückkehrt. Für das Publikum, das begeisterten Applaus spendete, nicht genug: Erst nach mehreren Zugaben streicht es zufrieden die Segel.
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