Die Angst, dass Opa Nazi war

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Hohenstaufen-Gymnasium Bad Wimpfen: Ausstellung über die NS-Vergangenheit im Ort

Von Jens Dierolf
Auf Schautafeln hat Geschichtslehrer Bernd Wetzka mit seiner Geschichte AG die Zeitdokumente zusammen getragen. (Foto: Jens Dierolf)
Auf Schautafeln hat Geschichtslehrer Bernd Wetzka mit seiner Geschichte AG die Zeitdokumente zusammen getragen. (Foto: Jens Dierolf)

Im Geschichtsunterricht ist das Geschehen abstrakt, die Täter fern. Opfer sind häufig nicht mehr als Zahlen. Geschichtslehrer Bernd Wetzka hat sich mit seiner AG im eigenen Ort auf Spurensuche begeben. Zeitzeugen haben sie befragt, in Archiven und im Internet gestöbert. Und selbst in der eigenen Schule sind sie fündig geworden: Klassenbücher aus dem Schulkeller haben sie ausgewertet.

"Wir haben viel über die Zeit erfahren", sagt der Elftklässler Tobias Bartole. "Trotzdem kann man das, was passiert ist, nicht verstehen." Und die Zehntklässlerin Franziska Holthausen: "Es stimmt nicht, dass alles weit weg war. Vieles aus unserer unmittelbaren Umgebung kam ans Tageslicht."

Meldebögen haben sie eingesehen. Dadurch ließen sich Deportationen zeitlich einordnen. Recherchen im Internet vervollständigten fehlende Angaben. Mindestens neun Bad Wimpfener Juden starben in Konzentrationslagern: unter anderem in Auschwitz und Dachau.

Nicht immer war es einfach, Zeitzeugen zu finden, die über das Vergangene sprachen. Oft hieß es: "Ich will lieber nichts sagen" oder "ich habe nichts mitgekriegt", erzählt Wetzka. "Es darf keine Schlussstrich-Mentalität und keine Verniedlichung der Zeit geben", warnt der Geschichtslehrer bei der Eröffnung der Ausstellung. Weit verbreitet sei der Irrglaube, es sei keiner dabei gewesen. Je höher der Schulabschluss, desto beharrlicher sei die Überzeugung: "Opa war kein Nazi", zitiert Wetzka eine Studie.

Die Vergangenheit der eigenen Schule hat die AG nicht ausgespart und Klassenbücher ausgewertet. So stand "Rassenkunde" im Biologieunterricht auf dem Stundenplan. Zudem mussten Schüler Flugblätter der Alliierten einsammeln, damit sie nicht in der Bevölkerung in Umlauf kamen.

Für die Schüler sind es besonders die persönlichen Schicksale, die sie erschütterten: Wie eine Frau auf einem Leiterwagen durch den Ort vorgeführt wurde, ein Schild um den Hals. Sie hatte einen belgischen Freund. Oder wie der über achtzigjährige Wimpfener Adolf Baer ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurde. Daran hatte sich die ehemalige Nachbarin erinnert.

Die Ausstellung ist noch bis zum Ende des Schuljahrs zu sehen. Wetzka will weiter forschen: "Es gibt noch einen Haufen Fragen."

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