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Pfaffenhofen

Vorerst keine neue Tankstelle

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Die Gerüchteküche in Pfaffenhofen brodelt schon eine ganze Weile - jetzt besteht Klarheit: Die geplante Tankstelle am westlichen Ortseingang von Pfaffenhofen wird nicht gebaut. Jedenfalls nicht heute oder morgen und auch nicht mit dem Mineralölkonzern Shell als ...

Von Werner Stuber
Die Zapfsäulen werden am Monatsende abgeschaltet. Postagentur und Kiosk bleiben jedoch erhalten.
Foto: Werner Stuber
Die Zapfsäulen werden am Monatsende abgeschaltet. Postagentur und Kiosk bleiben jedoch erhalten. Foto: Werner Stuber  Foto: Stuber

Die Gerüchteküche in Pfaffenhofen brodelt schon eine ganze Weile - jetzt besteht Klarheit: Die geplante Tankstelle am westlichen Ortseingang von Pfaffenhofen wird nicht gebaut. Jedenfalls nicht heute oder morgen und auch nicht mit dem Mineralölkonzern Shell als Partner.

Klar ist auch: An der noch bestehenden Shell-Tankstelle im Ort werden zum Monatsende die Zapfsäulen für immer abgeschaltet. "Aus Kostengründen ist Shell aus dem Projekt ausgestiegen", sagt Investor Ulrich Hauk, der auch in Brackenheim eine Shell-Tankstelle betreibt. Von ursprünglich etwa 1,5 Millionen Euro seien die Investitionskosten inzwischen auf aktuell rund 2,4 Millionen Euro geklettert. Und der Ölmulti hätte weitere 200 000 Euro in den Neubau investieren müssen. Dies brachte das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen.

Reißleine

Shell zog die Reißleine, bevor das Ganze noch zu einem Fass ohne Boden wird. Der Brackenheimer Tankstellenbetreiber versucht jetzt zu retten, was eventuell noch zu retten ist. Verhandlungen mit Mineralölhändlern und anderen Ölgesellschaften, keinen Multis mehr, laufen. "Ich hoffe, dass wir es schaffen, eine abgespeckte Version der geplanten Tankstelle doch noch bauen zu können", sagt er. Immerhin habe er schon mehr als 100 000 Euro, nur Planungskosten, in das Projekt investiert. "Ohne die Grunderwerbskosten", betont er.

Die Gründe für die enormen Kostensteigerungen sieht Hauk vor allem in dem langen Genehmigungsverfahren und den dabei geforderten Auflagen. Sechs Jahre hat es gedauert, bis der eigens für die Tankstelle notwendige vorhabensbezogene Bebauungsplan und danach die Baugenehmigung unter Dach und Fach waren.

Natürlich haben auch eigene Ausstattungswünsche und Vorgaben der Shell zur Kostensteigerung beigetragen. Nicht zuletzt seien in der langen Zeit auch die Baupreise der Firmen gestiegen, sagt Hauk. Dazu kommt, dass nur von Shell zugelassene Baufirmen für den Neubau in Frage kommen. Spielraum für Preisverhandlungen? Ulrich Hauk schüttelt den Kopf. Jetzt hat der Brackenheimer zwar eine gültige Baugenehmigung und einen rechtskräftigen Bebauungsplan, aber keinen Investor mehr, der mit ins Boot steigt. Und alleine, also nur er und seine Tochter als spätere Tankstellenpächterin, können es nicht anpacken, betont er. "Die Behörden haben uns viele Steine in den Weg gelegt", klagt Ulrich Hauk. Und dann ist auch noch die geplante Umgehungsstraße auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Regenwasser

Allein gut eine Million Euro muss Hauk nach jetzigem Stand im Boden vergraben. Nicht nur für die Benzin- und Dieseltanks, sondern weil beispielsweise auch das auf dem Gelände anfallende Regenwasser in einem eigenen unterirdischen Regenüberlaufbecken zurückgehalten werden muss, um das örtliche Kanalnetz nicht zu überlasten.

"Ich bin enttäuscht, kann es aber nachvollziehen", sagt Pfaffenhofens Bürgermeister Dieter Böhringer. Bei ihm hat Shell den Ausstieg aus dem Projekt mit "marktstrategischen Gründen" erklärt. Das Verhältnis der Investitionskosten zu dem zu erwartenden Umsatz an den Zapfsäulen habe nicht mehr gepasst. Böhringer hofft natürlich, dass die jetzt laufenden Verhandlungen zum Erfolg führen. Sowohl der Bebauungsplan wie auch die Baugenehmigung seien noch rechtskräftig und gültig, sagt er. Probleme allerdings sieht der Verwaltungschef, wenn eine andere gewerbliche Nutzung auf dem Areal in Erwägung gezogen würde.

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