Von Feuerreitern und Kaminfegern
Stadtarchiv macht mit „Archivalie des Monats“ auf sich aufmerksam

Mit 1440 laufenden Archivmetern und 250 Quadratmetern Magazinfläche gehört das vor wenigen Monaten eingeweihte Brackenheimer Stadtarchiv zu den größten Archiven im Landkreis Heilbronn. Und als ehemalige Oberamtsstadt verfügt Brackenheim zudem über eine ganze Reihe wichtiger, interessanter Dokumente. Zwei Gründe, die aus Sicht von Bürgermeister Rolf Kieser dafür sprechen, „hier nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu arbeiten“. Insofern hält er die neueste Idee von Isolde Döbele-Carlesso für „ganz hervorragend“: Ab sofort präsentiert die rührige Stadtarchivarin alle vier Wochen eine „Archivalie des Monats“.
Für die Premiere hatte sie ein Fundstück aus dem ehemaligen Botenheimer Archiv ausgewählt: die „Hochfürstlich württembergische Land-Feuer-Ordnung“ von 1752. Carl Eugen hatte sie damals erlassen, als Generalverordnung für das ganze Land. In vier Hauptabteilungen befasst sie sich mit der Frage, wie Brände verhütet werde können, welche Löschgeräte vorhanden sein sollten, was bei einem Brand zu tun ist - und was nach dem Löschen zu geschehen hat. Zum Beispiel den Landesvater informieren. „Damals wurden Feuerreiter in die Landeshauptstadt Stuttgart geschickt, um über den Brand zu berichten“, weiß Isolde Döbele-Carlesso.
Verheerender Stadtbrand Die Land-Feuer-Ordnung war dann auch Grundlage für die neue lokale Feuerordnung von 1760, in der etwa geregelt wurde, dass die Schornsteinfeger vierteljährlich die Kamine reinigen mussten. Der verheerende Brackenheimer Stadtbrand lag damals allerdings schon etliche Jahre zurück: 1691 hatte ein Feuer vom Gasthaus „Krone“ auf mehr als 100 Häuser übergegriffen. Vielleicht hätte die Freiwillige Feuerwehr Brackenheim etwas retten können. Die wurde aber erst 1859 gegründet.
„Bezirksschornsteinfegermeister gab es auch schon im 18. Jahrhundert“, weiß Isolde Döbele-Carlesso. Der aktuelle, Ulrich Heidinger, war bei der Präsentation der alten Land-Feuer-Ordnung gestern ebenfalls dabei. Das passte schon deshalb gut, weil das Jahr noch jung ist und Schornsteinfeger gemeinhin als Glücksbringer gelten.
Isolde Döbele-Carlesso geht es darum, über die „Archivalie des Monats“ - ob das nun ein Druck, ein Buch, eine Handschrift oder eine Fotografie ist - Interesse an der Stadtgeschichte zu wecken. Das Archiv selbst werde vor allem von Historikern für Forschungen genutzt, aber auch Schüler des Zabergäugymnasiums schauen sich hier immer wieder um. Generell ist das Stadtarchiv montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags außerdem von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Wer hier arbeiten möchte, sollte sich am besten unter Telefon 07135 / 934873 oder archiv.brackenheim@brackenheim.de anmelden.
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