Spielprogramm gegen Schlägereien
Am Brackenheimer Schulzentrum packen Jugendliche als Pausenmentoren auf dem Schulhof mit an
"Wir wollen die Kinder aus ihrer Lustlosigkeit rausholen", erklärt Eberhard Binder, Lehrer an der Grund- und Hauptschule. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der Förderschule, Schulsozialarbeiterin Janet Geltz, der JuLe und der Kinder- und Jugendstiftung hat er das pfiffige Pausenprogramm auf die Beine gestellt.
Die Idee: Jugendliche organisieren im wöchentlichen Wechsel für Grund- oder Förderschüler Spiele wie Jägerball oder Kegelschnappen, damit's in der großen Pause nicht zu langweilig wird. Dass gleich 20 Hauptschüler helfen würden, "damit hätten wir nie gerechnet".
Moderationstechniken, Teamarbeit und Konfliktvermeidung haben sie gelernt, ehrenamtlich in ihrer Freizeit. "Vielleicht gibt's dann weniger Schlägereien in den Pausen", hofft Carina. Spielmaterial wurde gekauft, vom Indiaka bis zum Streetball-Korb.
Eimal pro Woche übernehmen nun die Pausenmentoren auf dem Schulhof das Kommando. Zum Beispiel am Donnerstag beim Zeitfangen: Da ist der Andrang groß. Während Turgut Ter und Marina Hartwiger mit Hütchen das Spielfeld abstecken, erklärt Carina zwei Dutzend Förderschülern die Regeln.
Zwei Gruppen werden eingeteilt, die sich dann abwechselnd hinterher jagen. Im Hintergrund passt "Schiedsrichterin" Marina Au (14) auf, dass keiner schummelt. Zur Not steht Klassenkameradin Irene mit ihrer Trillerpfeife bereit.
"Sie lernen ganz spielend, Verantwortung zu übernehmen", sagt Religionspädagogin Uschi Hartwig. Noch stehen die Lehrer skeptisch daneben, um bei Streitfällen schnell eingreifen zu können. Doch Carina & Co. haben alles fest im Griff. Die Jugendlichen flitzen begeistert über das Spielfeld, viele lachen.
"Nächstes Mal müssen wir vielleicht noch etwas lauter und konsequenter sein", meint Carina hinterher. Marina grinst: "Komisch, dass die sich alle an die Regeln gehalten haben." Ob sie selbst früher so folgsam gewesen wäre? Lehrer Eberhard Binder ist zufrieden: "Fürs erste Mal hat sich die Gruppe gut geschlagen." Erschöpft, aber stolz gehen die meisten in den Unterricht zurück. Der Einsatz hat sich gelohnt. Nächste Woche geht's weiter.
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