Amann-Urenkelin knüpft Lebensfäden

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Erika Muddemann besuchte gestern nach 60 Jahren zum ersten Mal ihre Heimatstadt Bönnigheim

Von Ulrike Maushake
Erika Muddemann (Zweite von links) auf den Spuren ihrer Bönnigheimer Kindheit im Gespräch mit Bürgermeister Kornelius Bamberger, dem Historiker Jörg Mann (rechts, mit Bild von Emil Amann in der Hand), der Cousine Alix Comerell, und Agnes Mann (Erste von links). (Foto: Ulrike Maushake)
Erika Muddemann (Zweite von links) auf den Spuren ihrer Bönnigheimer Kindheit im Gespräch mit Bürgermeister Kornelius Bamberger, dem Historiker Jörg Mann (rechts, mit Bild von Emil Amann in der Hand), der Cousine Alix Comerell, und Agnes Mann (Erste von links). (Foto: Ulrike Maushake)

Vornehm, zurückhaltend und liebenswürdig: Erika Muddemann ist eine englische Lady. Sie wohnt in der Grafschaft Surrey, südlich von London. Und dass ihre Sprache eher hanseatisch als schwäbisch gefärbt ist, das liegt daran, dass ihre Mutter in zweiter Ehe mit einem Hamburger Reeder verheiratet war.

Denn Erika Muddemann, geboren 1929, als Tochter des Erich Amann und seiner brasilianischen Ehefrau Alice Dick, verließ Bönnigheim bereits, als sie sechs Jahre alt war. Nach dem Tod ihres Vaters lebte sie in Berlin und in der brasilianischen Heimat der Mutter. Mit ihr kehrte sie nach Deutschland zurück, um schließlich als Krankengymnastin nach England zu gehen, wo sie eine Familie gründete.

60 Jahre lagen Bönnigheim, die Amanns, ihre frühe Kindheit zurück, als sie plötzlich einen Anruf aus Deutschland erhielt. Von einem Kunsthistoriker, der an einer Magisterarbeit über die Villa des Alois Amann schrieb, und der mit Menschen sprechen wollte, die dort gewohnt haben. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen", sagt Erika Muddemann. Und seither knüpft sie die Fäden neu, die das Netz ihrer Kindheit webten, trifft sich mit Menschen, die ihre früheste Kindheit begleitet haben.

Der Bönnigheimer Jörg Mann ist der Kunsthistoriker, der im Zuge seiner Recherchen für seine Magisterarbeit Erika Muddemann in England ausfindig gemacht hatte. Sein Interesse für die Wohnhäuser der Fabrikantenfamilie hat sich mit der Studie über die Villa des Alois Amann nicht erschöpft, die in den 70er Jahren abgerissen und an deren Stelle das Rathaus errichtet wurde. Momentan sitzt er an seiner Doktorarbeit, die sich mit der Villa von Alfred Amann beschäftigt, die Schweizer Villa, erbaut im Jahre 1899.

Jörg Manns Großmutter, Agnes Mann, war mit 13 Jahren als Lehrmädchen ins Kontor von Erich Amann gekommen. Die Erzählungen seiner Großmutter über das Leben in der Fabrik, über die Söhne des Alois Amann, Alfred und Emil, und über deren Familien, haben Jörg Mann von Kindesbeinen an begleitet und fasziniert. Inzwischen ist das ehemalige Bürofräulein Agnes Mann 95 Jahre alt. Vor zwei Jahren hat sie das Schreiben am Computer erlernt, weil sie ihrem Enkel die Doktorarbeit tippen möchte.

Seit Jörg Mann mit Erika Muddemann Kontakt aufgenommen hat, pflegt diese auch wieder Kontakt zu ihrer Cousine Alix Comerell aus Bad Cannstatt. Auch sie ist eine Enkelin des Amann-Sohnes Emil, der mit seinem Bruder Alfred gemeinsam die Fabrik nach dem Tode des Firmengründers Alois weiterführte.

Der Schwiegersohn von Alfred Amann, Alfred Pielenz, wurde später Fabrikchef. Denn Emil Amanns Söhne, Erich und Rudolf, sind jung gestorben. Und so begreifen sich Emils Enkelinnen Alix und Erika, beide über 70 Jahre alt, als letzte Vertreterinnen dieses Zweigs der Amannfamilie.

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