Friedlich und still: Friedhöfe sind entdeckenswerte Orte
Hospizgruppe lud zum fotografischen Streifzug durch Begräbnisstätten verschiedenster Kulturen

Einer der kleinsten Friedhöfe Deutschlands liegt auf dem Cleebronner Michaelsberg, oberhalb von Tripsdrill. Lediglich 13 Gräber beherbergt er. Eine der Ruhestätten ist ein offenes Grab − für alle, die ihren lieben Menschen nicht hatten bestatten können: Vermisste, Angehörige, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, Kinder einer Fehlgeburt.
Besondere Friedhöfe zu entdecken, diese Idee hat die Hospizgruppe Bönnigheim, Kirchheim, Erligheim aufgegriffen, um den Hospizgedanken in die Öffentlichkeit zu tragen. Anita Ereth vom Leitungsteam ermuntert, Tod und Sterben als Teil des Lebens zu verstehen. Fotografin Anika Krisch zeigte dazu kürzlich in einem fotografischen Vortrag den "Streifzug über Friedhöfe verschiedener Länder und Kulturen". Der zweitgrößte Friedhof Europas führte Krisch nach Wien. 330 000 Gräber beherbergt er, 18 000 kommen alljährlich hinzu. Eine eigene Buslinie im Zentralfriedhof verkehrt an 19 Haltestellen unter 25 000 Bäumen.
Klassisch Mit ihren Bildern vom Friedhof in Hausen präsentierte Krisch einen klassisch deutschen Friedhof: Die Gräber in einer Reihe, deren Grabsteine meist stehend sind, alles ist ordentlich und sauber. Nach diesem klassischen Muster sind ebenfalls die Friedhöfe in Bönnigheim und Kirchheim gestaltet.
Entdeckenswert in der Region ist auch der alte jüdische Friedhof in Freudental, wo die in Ludwigsburg lebende Fotografin aufwuchs. Am Waldrand außerhalb des Ortes gelegen, damit die Totenruhe unantastbar bleibt, zählt er 435 Gräber. Die Inschriften der Monumente verraten die Stellung, die der Verstorbene innerhalb der jüdischen Gemeinde innehatte. Aus dem ländlichen Raum führte Anika Krisch nach Nürnberg zu einem der schönsten Friedhöfe Deutschlands, Friedhof St. Johannis: Die 500 Jahre alte Begräbnisstätte liegt inmitten der Stadt. Krischs Bilder zeigen liegende Grabsteine, dazwischen nur Sand und Geranien als Farbtupfer.
Natürlich Szenenwechsel: Ein Trauerwald in Bayern. "Die Toten werden hier in einer biologisch abbaubaren Urne am Fuße eines Baumes beigesetzt. Die Grabpflege übernimmt die Natur mit ihren vier Jahreszeiten", erläuterte Krisch.
Wo immer die Fotografin Urlaub macht: Ein Besuch auf dem Friedhof ist ein Muss. Mit ihrer Kamera hielt sie Friedhöfe in isländischer Weite fest. Dann schwenkt sie zur Vegetation Teneriffas und präsentiert letzte Ruhestätten eingebettet zwischen Hotels und Palmen. In Paris Père-Lachaise wurde der erste Friedhof der Welt vor 200 Jahren als Park angelegt. Die Fotografien erzählen von übermannsgroßen Mausoleen, die jeder begehen darf, mit Pflasterwegen und Blätterdächern. Gräber von Berühmtheiten wie Jim Morrison und Oscar Wilde hat die Nachwelt zum Wallfahrtsort auserkoren.
Am offenen Grab auf dem Michaelsberg sind die Besucherzahlen geringer. Dennoch spendet es Trauernden viel Trost.
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