Mehrere Prozesse formen das Werk
Ausstellungseröffnung des Künstlers Paul Ahl im Museum Altes Rathaus bis Ende November

Lehm wird seit Urzeiten zum Bauen und zur künstlerischen Gestaltung genutzt, ebenso wie Terrakotta, die gebrannte Variante der Erde. Paul Ahls Arbeiten mit diesem ursprünglichen Werkstoff sind wie eine symbolische Rückführung von Gegenständen in den Kreislauf des Lebens," erklärt Kunsthistorikerin Fiona Hesse bei er Eröffnung der Ausstellung "Bruchstelle" im Museum Altes Rathaus.
Imitation Seit 2014 arbeitet Ahl als freischaffender Künstler in Freiburg. Kunsthistorikerin Hesse findet anschauliche Worte, um den rund 40 Besuchern den Entstehungsprozess nahe zu bringen. Tonmaterialien bilden im Lehm das stabilisierende Element. Durch Trocknungsprozesse wird der Lehm zum Baustoff und in Verbindung mit Zusatzstoffen noch fester und wetterbeständiger. Der gelernte Steinmetz mit Kunststudium arbeitet mit Erde und Ton, bindet Gebrauchsgegenstände in einen Ablauf ein, der witterungsabhängige Prozesse in der Natur imitiert. Die zündende Idee für seine Relieftafeln kam durch ein Zufallsprojekt. Ahl drehte im Frühjahr vor einigen Jahren den über die Feuerstelle gestülpten Feuerkorb im heimischen Garten um und blickte fasziniert auf das verwitterte Kunstwerk aus Erde, Holz und Korbabdruck. "Ich habe versucht, diesen Zustand nachzuvollziehen, habe Erde, Ton und Bauschutt verwendet, setzte die Arbeiten dem Wetter aus, damit Auswaschungen und Verfärbungen entstehen. Aber das Warten auf den Regen dauerte doch zu lang", verrät der 33-Jährige.
Er griff zum Hochdruckreiniger, um die Materialien auf den vorbereiteten Flächen kontrolliert wegzuschwemmen. Durch Holzbrand wird dieses Zwischenprodukt konserviert, immer mit Überraschungs-Effekt. Denn durch das stundenlange, ein- oder zweimalige Brennen entstehen Bruchstellen. "Ich weiß nie genau, was am Ende des Brennvorgangs herauskommt", erzählt Ahl, der die Werke mit Epoxydharz, einem hochwertigen Kunstharz-Klebstoff, fixiert.
Vergänglichkeit Die Arbeiten mit Titeln wie "Zwischenraum", "Erosion" oder "Überlagerung" bestechen durch klare Formen und verblüffen den Betrachter, der den Abdruck von Gegenständen wie den eines Föns, einer Säge oder eines alten Telefons entdeckt.
"Wenn man den Entstehungsprozess dahinter kennt, entsteht ein ganz neuer Blickwinkel für die Kunst", stellt Philipp Schadt fest. "Die Objekte sind wie eine konservierte Vergänglichkeit", meint Fiona Hesse, die den Wasserstrahl des Hochdruckreinigers mit einem Malerpinsel vergleicht.
Geöffnet ist die Ausstellung donnerstags von 17 bis 19 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr.
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