Obersulm

Landeskirche zeichnet elektronisches Luther-Spiel aus

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Schüler der Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule denken sich für den Reformator digitale Abenteuer aus

Von Gustav Döttling
Die Siebtklässler pixeln, und Pfarrer Tobias Schneider programmiert die Grafikentwürfe für das Luther-Computerspiel noch im Unterricht.Foto: Gustav Döttling
Die Siebtklässler pixeln, und Pfarrer Tobias Schneider programmiert die Grafikentwürfe für das Luther-Computerspiel noch im Unterricht.Foto: Gustav Döttling

Martin Luther rennt, springt über Hindernisse und muss mit List und Geschick viele Abenteuer bestehen. Erst dann kann er seine Thesen an die Wittenberger Kirchentür nageln und seine Frau Katharina von Bora in die Arme schließen. Die Idee, über den Reformator mit seinen Schülern ein Jump- and Run-Spiel zu entwickeln, hatte der technikbegeisterte evangelische Pfarrer Tobias Schneider aus Obersulm-Willsbach.

Diesen "Pixel-Luther" kennt nun auch die Württembergische Landeskirche. Beim Projektwettbewerb "Kirche macht was" hat Schneider das Spiel mit drei Leveln eingereicht. Das Computer- und Handyspiel ist in der Jury so gut angekommen, dass sie Pfarrer und Schüler für das Projekt mit einem ersten Preis ausgezeichnet haben. "Es hat sich im Jahr des Reformationsjubiläums angeboten, so ein elektronisches Spiel zu entwickeln, da die technischen Werkzeuge relativ einfach zu handhaben sind", sagt Schneider.

Immer dienstagmorgens in den ersten beiden Stunden ist nun im Religionsunterricht an der Michael-Beheim-Gemeinschaftsschule bei den Siebtklässlern Pixeln angesagt. Mit großer Begeisterung arbeiten 21 Jugendliche in fünf Arbeitsgruppen konzentriert am Spiel. Vier Gruppen entwerfen farbige Figuren und Landschaften auf Rasterblättern. Eine Gruppe kümmert sich um den "Soundtrack" des Spiels. So erklingt beim Game-Start die Melodie der Bach-Kantate "Ein feste Burg ist unser Gott".

Spielideen für Level aus Luthers Leben

"Bevor wir uns daran machen, Spielideen für einen Level zu entwickeln, besprechen wir eine Geschichte aus Luthers Leben", erzählt Justin (13). Dann muss der gepixelte Mönch Rätsel lösen, eine Lampe oder Schlüssel suchen, damit er eine dunkle Mine durchqueren oder Burg- und Kirchentüren aufschließen kann. Er muss Luther-Rosen sammeln, damit er genügend Lebenskraft bekommt, um gegen seinen Erzfeind Tetzel zu bestehen.

"Wir überlegen uns, welche Melodie zu einem Abenteuer passt", erklärt Paul (14). Seine Gruppe suche am Computer geeignete Melodien oder generiere dramatische Töne selbst. "Was die Schüler an Pixelbildern und Sound entwerfen, versuche ich im Unterricht sofort ins Spiel zu integrieren", erklärt Schneider. Dafür stellt der Pfarrer der Soundgruppe seinen privaten Laptop zur Verfügung und setzt an seinem Tablet-PC die Schülerentwürfe um. "So können alle Spieler im Internet praktisch live dabei sein, wenn das Spiel neue Elemente bekommt und die Aufgaben sofort spielen."

Religion als schönste Schulstunde

Sofia hat sich eine Grafik-App heruntergeladen. "So kann ich nicht nur auf dem Papier pixeln, und der Pfarrer kann die Bilder leichter in das Spiel einbauen", sagt sie. "So macht der Religionsunterricht viel mehr Spaß. Das ist unsere schönste Schulstunde", meint Laura (13). Bis zu den Sommerferien sollen die ersten drei Level des Spiels fertig sein. "Wir haben noch viele Ideen für mindestens fünf weitere Spielebenen", sagt Schneider. An der Begeisterung seiner Schüler wird das bestimmt nicht scheitern.

Weitere Infos

www.pixel-luther.de

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