Im Mai startet der Erdaushub für Lidl-Zentrale
Bald geht es los: Dass der Erdaushub für die riesige Baustelle der Lidl-Deutschland-Zentrale im Mai beginnt, erfuhren die rund 300 Zuhörer bei der Bürgerversammlung. Architekten und Ingenieure haben ihre Planungen vorgestellt. Im Dezember 2019 soll alles fertig sein.

Die Ausführungen der Planer und Konzern-Verantwortlichen konnten teilweise nicht die Bedenken der Anwohner zerstreuen, die vor allem mehr Lärm und Verkehr befürchten.
"Wir versuchen, Lidl in Bad Wimpfen so gut wie möglich zu integrieren", sagte Marin Dokozic, Geschäftsleitungsvorsitzender Lidl Deutschland. "Wir sind extrem froh, dass wir in Bad Wimpfen einen geeigneten Standort gefunden haben."
Eine terrassenförmige, komplett begrünte Gebäude-Formation mit fünf Häusern, mehr als die Hälfte der Fläche unter der Erde. Die neue Konzern-Zentrale Deutschland, die bis Dezember 2019 für 1500 Mitarbeiter gebaut wird, bietet Ungewöhnliches. 35 Architekten und 70 Ingenieure von Kada Wittfeld Architektur aus Aachen tüfteln an dem Projekt. Wöchentlich gibt es Sitzungen mit den Bauherren. Die Rheinländer waren als Sieger aus einem internationalen Wettbewerb hervorgegangen, bei dem das Unternehmen 27 renommierte Architekturbüros angeschrieben hatte. Auch das einmalig in der Geschichte des Konzerns.
Häuser konnten um ein Geschoss reduziert werden
Ein versenktes Blockheizkraftwerk, zwei Photovoltaikanlagen und eine Zisterne für die Außenanlagen in einer Gebäudeformation, bei der die Angestellten unterirdisch von Haus zu Haus gelangen können − genauso wie über den Garten. Blick ins Grüne für alle Angestellten und die Außenanlage des Restaurants wie in einer kleinen Arena. Eine aufwendige Keramik-Fassade in geschwungener Form als besonderes Schmankerl. Gerhard Wittfeld vom Siegerbüro war zufrieden. "Das Projekt sieht genauso aus wie im Wettbewerb. Wir konnten die Häuser sogar um ein Geschoss reduzieren."

Wolfgang Schröder, Geschäftsführer von BS Ingenieure Ludwigsburg, hat die Verkehrs- und Lärmentwicklung durch die Ansiedlung untersucht. Derzeit sind im Bereich Tankstelle in Wimpfen im Tal täglich rund 19 000 Fahrzeuge unterwegs, am Knotenpunkt der neuen Biberacher Straße sogar 21 000. Sein Fazit lautete trotzdem: "Die Streckenbelastung bleibt deutlich unter der Kapazitätsgrenze. An den Knotenpunkten wird die Grenze erreicht, aber nicht überschritten."
Zwar sagten alle Prognosen, dass die Motorisierung bis 2020 weiter zunehme. "Doch der Ausbau der A6 setzt ein positives Gegengewicht." Genau wie die provisorisch sechsstreifige Neckarbrücke, der erste Bauabschnitt der Nordumfahrung Frankenbach/Neckargartach und der vorgesehene Ausbau der Neckartalstraße.
Als Beispiel nannte er die Entwicklung im Steinweg. Dort werde es 2020 täglich 300 Fahrzeuge mehr geben im Vergleich zu 2015. Trotz der zusätzlich durchfahrenden 1180 Lidl-Mitarbeiter und der 200 Fahrzeuge plus, die der allgemeinen Entwicklung geschuldet seien, reduziere etwa der Ausbau der A 6 den Verkehr um 1080 Fahrzeuge.
Tiefgaragen und unproblematische Haustechnik
Dass sich die Haustechnik meist im Gebäude befinde, sei sehr positiv, genau wie die Tiefgaragen, in denen alle Mitarbeiterfahrzeuge parken. Die schalltechnischen Einwirkungen auf Landwirtschaft, Biogasanlage und Schäferei seien unproblematisch.
Architekt Uwe Tyralla von Gassmann und Grossmann Baumanagement GmbH Stuttgart erläuterte die Planung. "Die Baugrube wird ab Mai ausgehoben, im Januar 2018 beginnt der Rohbau, im Dezember 2019 soll alles fertig sein." Im Einsatz seien für den Erdbau bis zu 150 Fahrzeuge.
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