Wichtige Rolle bei der Integration
Güglingen - Ein ganz normaler Abend im Güglinger Jugendzentrum. Offener Betrieb. Fernseher und Musikanlage laufen, zwei Dutzend Jugendliche verteilen sich auf die Räume, spielen Billard, Tischkicker und Dart, surfen im Internet, hängen auf Sofas und Sesseln ab.

Güglingen - Ein ganz normaler Abend im Güglinger Jugendzentrum. Offener Betrieb. Fernseher und Musikanlage laufen, zwei Dutzend Jugendliche verteilen sich auf die Räume, spielen Billard, Tischkicker und Dart, surfen im Internet, hängen auf Sofas und Sesseln ab. Zwischen 30 und 60 Jugendliche schauen an einem normalen Tag vorbei, schätzt Marc Simon, der Jugendhausleiter. "Nicht die Vielfalt der Spielgeräte bringt die Jugendlichen her", sagt der Diplom-Pädagoge. "Gemeinschaft erleben, Freunde treffen, das steht im Vordergrund."
Diskussion
Viele türkische Jungs sind unter den Besuchern. Die Tatsache, dass der Migrantenanteil hoch ist, hat im Güglinger Gemeinderat wiederholt zu Diskussionen darüber geführt, ob das Jugendzentrum wirklich offen ist für alle Gruppen. Auch Marc Simon ("Wir haben in Güglingen das Thema Integration gemeinsam zu bearbeiten") kennt Deutsche, die deshalb nicht ins Jugendhaus kommen. "Mir tut"s leid, wenn ich offene Ablehnung sehe − auf beiden Seiten", bedauert er. Solange er sich an die normalen Verhaltensregeln hält, ist für ihn ein Jugendlicher einfach ein Jugendlicher. "Es wird immer Gruppen geben", weiß Simon. Wichtig sei die Durchlässigkeit: "Und die gibt es."
"Freunde treffen" nennt auch Volkan Sen als Grund, weshalb er kommt. Der 18-Jährige macht eine Lehre als Zerspanungsmechaniker, hat Spaß daran. Kerim Salih (19) dagegen ist arbeitslos. Für ihn und seine Clique ("Deutsche und Türken") ist das Juze "das zweite Zuhause". "Ohne Jugendhaus wären wir auf der Straße", sagt er. Marc Simon findet er gut: "Wenn man Probleme hat, kann man mit ihm reden."
Auch Valerie Schmidbaur (14) und Ireen Beer (15) sind regelmäßige Besucherinnen. Die Neuntklässlerinnen am Zabergäu-Gymnasium haben über die Basketball-AG ins Haus gefunden. Mit den ausländischen Altersgenossen haben sie kein Problem. "Es gibt keinen Stress", sagt Ireen. "Hier sind eigentlich alle ziemlich nett und offen", ergänzt ihre Freundin.
Die Mädchen wären bereit, sich in der Jugendinitiative Güglingen (JIG) zu engagieren. Die besteht seit Jahren nur noch auf dem Papier. Eine, die das ändern möchte, ist Astrid Petzold. Zusammen mit Robert Klein ist die 17-jährige Gymnasiastin entschlossen, den Verein zu reaktivieren. Sich mit einzubringen in der Jugendhausarbeit. Das eine oder andere Event zu organisieren. "Ich möchte was für junge Leute machen", nennt sie als Motivation.
Ehrenamtliche
Marc Simon würde es freuen, wenn"s ein paar Jugendliche mehr gäbe, "die sich kümmern". Er ist froh über eine Ehrenamtliche wie Rita Oesterle aus Weiler. Dienstags backt die 58-Jährige mit interessierten Jugendlichen. Heute gibt"s Apfelkuchen − sogar mit Sahne, weil Ayse 18 geworden ist. "Jugendliche brauchen einen Ort, wo sie sein können, wie sie sind", sagt Oesterle. Sie findet es wichtig, dass man als Erwachsener "Werte vorlebt".
Seit vier Wochen ist Chanuaran Santhirasegaram Mitarbeiter. Der Abiturient macht Zivildienst, will neun Monate bleiben. "Güglingen hat ein Integrationsproblem", sagt der schwäbisch sprechende Deutsche, dessen Familie aus Sri Lanka stammt. Er will mehr Leute ins Jugendzentrum bringen. "Als Migrant kenne ich beide Seiten. Ich will helfen, und das ist der perfekte Platz."
Das Jugendzentrum ist werktags, außer mittwochs, ab 14 Uhr und dann bis etwa 21 Uhr geöffnet, an Wochenenden nur selten.



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