Schloss Liebenstein entdecken
Öffentliche Führungen auf dem Schloss haben großen Zulauf

Neckarwestheim - Dreh auf der Minneburg in Neckargerach mit einem TV-Team des Südwestrundfunks, Führung im Lauffener Burgmuseum, Tour durchs weitläufige Gelände von Schloss Liebenstein: Der Terminkalender von Nicolai Knauer hat kaum Spielraum. Wenn"s um Burgen in der Region geht, klingelt bei ihm das Telefon. 50 interessierte Menschen aus dem Stadt- und Landkreis führt er durch die weitläufige Anlage oberhalb von Neckarwestheim. "Wir wollen Schloss Liebenstein aus dem Dornröschenschlaf wecken." Ein neues Projekt des Burgenforschers aus Kirchhausen. Er hat herausgefunden, dass die Anlage von König Heinrich (VII.) erbaut wurde, dem Sohn von Stauferkaiser Friedrich II.
Gut gemacht Interessiert lauscht Käte Bergmann aus Heilbronn-Frankenbach der neu geschriebenen Entstehungsgeschichte der Schlossanlage. Die reizt auch Gustav Jenne an der eineinhalbstündigen Führung. "Sehr spannend, sehr gut gemacht", zieht der Fleiner Gemeinderat vor dem Forscher den Hut. Der schildert lebhaft, wie Markgraf Hermann von Baden in Besigheim seine Residenz baut, ein Reichsfürst, auf den Friedrich II angewiesen ist. Heinrich (VII.) versucht, die Macht der Reichsfürsten einzuschränken. "Er hatte mehr Weitblick als der Vater", sagt Knauer. Heinrich scheitert mit seiner Politik. Kaiser Friedrich steckt den Sohn ins Verließ.
Epochen Das Auf und Ab dieser sehr bewegenden Epoche sei an der Entstehung der Liebenstein gut abzulesen: der Bau einer 400 Meter langen Ringmauer, die von einigen wenigen Soldaten nie hätte verteidigt werden können. Der Palas, der nach Heinrichs Untergang eine neue Funktion als Wohngebäude bekommt. Schon die Fläche von einem Hektar, die von der Wehrmauer umspannt ist, macht den 41-Jährigen Forscher stutzig. "Das sind Anlagen, wie sie nie und nimmer von den Liebensteinern hätten unterhalten werden können."
Nach dem Niedergang Heinrichs folgen Jahre der Stagnation. Zwei Liebensteiner Geschlechter teilen sich schließlich die Anlage auf. Viele Zweckbauten wie Fruchtschuppen oder Bandhaus sind hier zwei Mal zu finden. Margarete Beilner aus Heilbronn lobt die Führung, die elf Stationen hat − hier die wichtigsten:
Zehntscheune: Eines der mächtigsten Gebäude ist mit über 400 Quadratmetern Fläche und einer Dachfirsthöhe von fast 17 Meter die Zehntscheune. Sie gehörte zum Oberen Schloss Liebenstein.
Fruchtkasten: Gleich daneben mehrere Wirtschaftsgebäude, die zum unteren Schloss zählten. Etwa der Fruchtkasten mit Heuscheuer und altem Bandhaus. Knauer: "Der Gewölbekeller mit fast fünf Metern Scheitelhöhe, der sich unter der gesamten Fläche erstreckt, ist eine bemerkenswerte Konstruktion."
Reste: Nicht sichtbar sind die Reste eines Turms, der mit der romanischen Umfassungsmauer verzahnt ist, daher aus der Gründungszeit der Burg stammen soll.
Kleinod: Ein besonderes kunsthistorisches Kleinod für Knauer ist die "die prächtigste Schlosskapelle weit und breit". Hier verbinden sich Stilelemente der Gotik mit denen der Renaissance. Der Schlussstein ihres Gewölbes zeigt die Jahreszahl 1599 und nennt die Bauherren: Albrecht vom Oberen Schloss und die drei Brüder Johann Philipp, Raban und Konrad vom Unteren Schloss
Steinhaus: Das Steinhaus entstand bereits in der Gotik, vermutlich gegen Ende des 14. oder im 15. Jahrhundert. Ein Meter dicke Mauern und verschließbare Fenster deuten auf ein Wohnhaus hin, vergleichbar mit dem deutlich größeren "Steinhaus" in Bönnigheim.
Sanierung: Der Schafstall ist marode und gesperrt. Hier plant die Gemeinde eine Sanierung, der Beschluss für die millionenschwere Maßnahme steht noch aus.
Keimzelle: Einen tollen Ausblick auf die Umgebung hat man vom über 21 Meter hohen Wohnturm, der Keimzelle der Anlage. Diese wurde erst 90 Jahre später erbaut als bisher angegeben. Das beweist Knauer mit einer dendrochronologischen Untersuchung. Diese Altersbestimmung des Holzes belege, dass der Turm zwischen 1230 und 1240 errichtet worden ist. Das untermauert Knauers Forschungsergebnisse: Heinrich war 1235 in seiner Stauferpfalz Wimpfen zugegen. Dort unterwarf er sich dem Kaiser, der ihn in Süditalien einkerkerte.


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