Sammlung über Land und Leute
Güglingen - Auch tragische Schicksale erzählt Irmhild Günther in ihrem neuen Buch

Güglingen - Irmhild Günthers Geschichten sind alle wahr. Der Beweis dafür saß mitten im Publikum, als die Güglinger Journalistin und Schriftstellerin ihr jüngstes Buch „Vom Neckartal, einer Hexenküche und Zigarren aus dem Zabergäu“ in der Mediothek vorstellte. Hedwig Schlagenhauf spielt gleich in der Eingangsgeschichte die Hauptrolle: Sie wurde als halbjähriges Baby im Jahr 1923 aus dem Hochwasser führenden Neckar gerettet. Zahlreiche Stories aus alter und neuer Zeit sind in dem 188 Seiten starken Band versammelt.
Selbst kann sich Hedwig Schlagenhauf natürlich nicht mehr daran erinnern, wie sie an einem Februartag des Jahres 1923 auf fast wunderbare Weise gerettet worden ist. Was sie darüber weiß, hat ihr ihre Großmutter erzählt, bei der sie aufgewachsen ist.
An jedem Tag wollten die Eltern des Wickelkindes, Mathilde und Christian Haspel aus Gemmrigheim, trotz Hochwasser in einem Nachen über den Fluss nach Walheim fahren. Die Strömung riss die kleine Boot aber über das Wehr der Papierfabrik. Die Mutter ertrank, das kleine Kind wurde fortgerissen. Luft, die sich in seinem Gummihöschen befand, hielt das Mädchen aber über Wasser, jedenfalls bis auf Höhe der Neckarbrücke in Kirchheim. Dort gelang es aufmerksamen Bahnarbeitern, das Mädchen aus dem Fluss zu fischen. Es trug nicht mehr Schaden als eine Erkältung davon.
Archivrecherche
Viele solcher Geschichten hat die gebürtige Altenburgerin Irmhild Günther in ihrer Wahlheimat, dem Neckar-, Zaber- und Leintal, wieder zusammengetragen. Sie spricht mit den Bewohnern der Landschaft zwischen Strom- und Heuchelberg, recherchiert in Archiven und in sonstigen Dokumenten. Nie aber, versichert sie, holt sie sich Informationen aus dem Internet.
Herausgekommen ist wieder eine flott geschriebene Sammlung über Land und Leute. Da wird berichtet, warum Neckarwestheim seit nunmehr fast 125 Jahren so heißt, und nicht mehr Kaltenwestheim genannt wird. Erzählt wird aus dem Leben des am Rauhen Stich in Talheim geborenen Schauspielers Eugen Klöpfer, der sich gegen Ende seines Lebens zu sehr mit den Nazis eingelassen hatte. Und da ist die Geschichte des Neckaresels, jenes Schiffstyps, der noch vor der Kanalisation des Flusses an Ketten Lasten flussauf und flussab transportierte. Irmhild Günther lässt ihre Leser mit dabei sein, wenn in Cleebronn „richtig“ Kirchweih gefeiert wird. Zum Leben erweckt wird Sophie La Roche, die erste Autorin eines Frauenromans in Deutschland, die zwei Jahre lang im Stadion'schen Schloss in Bönnigheim gewohnt hat.
Die Autorin lässt den Leser dabei sein, wenn Oma Schmoll in Hausen Schnaps brennt, sie erinnert an das eher tragische Leben des Schulmeisters Johannes Ballier in Michelbach am Heuchelberg und erklärt, warum in Kleingartach ein Schweinestall unter Denkmalschutz steht. Jetzt habe Irmhild Günther „eine richtig nette Heimatbibliothek“ beieinander, freute sich Lektorin Dorothee Kühnel vom DRW-Verlag in Leinfelden-Echterdingen, der das Buch herausgebracht hat. Insgesamt liegen jetzt sechs Bände mit Geschichten aus der Heimat vor. Bürgermeister Klaus Dieterich rühmte seine immer noch aktive Mitbürgerin, die Kunstführungen in der Stadt durchführt und sich im Römermuseum engagiert.
Am meisten aber freute sich wohl Hedwig Schlagenhauf, geborene Haspel. Einmal, dass sie ein schweres Unglück unbeschadet überlebt hatte - und dass sie jetzt eine Heldin zwischen zwei Buchdeckeln ist.
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