Oftmals täuscht die Erinnerung

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit 25 Jahren dokumentiert das Ehepaar Mann morgens um sieben das Wetter

Von Birgit Riecker
Die Beobachtungsstation steht auf dem benachbarten Grundstück: Roswitha und Günther Mann beim "Wettermachen".Foto: Birgit Riecker
Die Beobachtungsstation steht auf dem benachbarten Grundstück: Roswitha und Günther Mann beim "Wettermachen".Foto: Birgit Riecker

Bönnigheim - "Du kannst ruhig noch liegenbleiben. Das Wetter ist schon gemacht." Diese Sätze hört Roswitha Mann sonntags gerne. Denn sie bedeuten, dass ihr Mann Günther bereits seine Gummistiefel angezogen hatte und zur Wetterstation marschiert war. Dort hat er die Niederschläge eingesammelt sowie die Bodenbeschaffenheit und die Windverhältnisse kontrolliert.

Wetterbeobachtung im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes machen die beiden seit 25 Jahren jeden Tag um die gleiche Zeit, nämlich um sieben Uhr. Sind sie die Kachelmanns von Bönnigheim? "Nein, gewiss nicht", sagt Dr. Günther Mann, pensionierter Gymnasiallehrer für Geographie und Chemie. "Wir beobachten nur. Für Prognosen sind andere zuständig."

Veränderungen Nur wenn Nachbarn oder Bekannte fragen, wie das Wetter wird, greifen die Manns auf ihre Erfahrungen zurück. "Doch richtig spektakulär ist da eigentlich nichts", erklärt Günther Mann. Deutliche Hinweise auf den Klimawandel geben seine täglichen Aufzeichnungen nicht her. "Interessant war nur, wie sich die Niederschläge verändert haben, als wir die Messstation verlegt haben", erzählt er.

Denn früher stand die Station, die aus einem Holzbrett mit einem halben Quadratmeter für die Messung der Schneehöhe und dem Mess-Zylinder für Niederschläge mit 20 Quadratzentimetern Oberfläche besteht, im Garten der Familie Mann. Eingerahmt von zwei Gebäuden und einer Hecke, war die Lage so geschützt, dass die Niederschläge deutlich niedriger waren als nun auf dem freien Feld.

Jenseits von Manns Hecke, auf Mattias Binders stillgelegter Ackerfläche, ist die aktuelle Heimat der Messstation. Die dort erhobenen Daten werden in einem Büchlein festgehalten und am Ende des Monats auf einem Formblatt dem Wetteramt in Stuttgart übermittelt.

"Das älteste Büchlein ist von 1958", erzählt Günther Mann. Das hat sein verstorbener Schwiegervater Hermann Dautel 1960 vom Vorgänger bekommen, als er die Wetterbeobachtung übernahm. "Er war übrigens auch Lehrer und hat es 25 Jahre lang gemacht", verrät Mann. Will er also bald aufhören? "Nein", wehrt er ab. Urlaubs- und Krankheitszeiten seien kein Problem: "Da gibt es halt Sammelauswertungen."

Überraschungen Die Eheleute sind voll dabei. Denn auch die phänologische Beobachtung, also die Beobachtung des Pflanzenwachstums, haben sie inzwischen mit übernommen. Das ist spannend. "Wir sind immer wieder überrascht, dass die gefühlten Erinnerungen oft gar nicht den festgehaltenen Tatsachen entsprechen", sagt Günther Mann.

Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhalten die Manns morgen im Gemeinderat die Wetterdienst-Plakette und eine Urkunde von Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer

Nach oben  Nach oben