Liebe zu Michel verbindet Generationen
Begeisterte Mütter, Väter und Kinder beim Blinklichter-Theater

Brackenheim - Alfred erinnert sich. An seine Jahre, als er noch Knecht auf dem Bauernhof Katthult war, bei Lönneberga. Das läge im Süden vom Norden Europas, erläutert er.
Eigentlich heißt dieser Alfred Wolfgang Messner, wohnt in Roth, ist Schau-, Puppen- und Akkordeonspieler und mit seinem Theater „Blinklichter“ unterwegs. „Sing dudeldei, sing dudeldei, der Michel war bekannt“: Die Kinder, die am Mittwochnachmittag in der Brackenheimer Bücherei sitzen, hörten ihm aufmerksam zu und ihre Mütter auch.
Nie langweilig Obwohl sie diese Geschichten, die ihnen da erzählt werden, alle miteinander sehr gut kennen. Es sind Geschichten vom Michel von Astrid Lindgren, deren 100. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Ihre Bücher sind wohl eine Art Volksschatz; die Liebe zu ihnen verbindet inzwischen drei Generationen und fünf Kontinente. Und es sind nun mal Geschichten, die man immer wieder hören mag.
Diese Geschichte zum Beispiel, wie Michel seinen Kopf in die Suppenschüssel steckt und ihn nicht wieder frei bekommt. Oder diese Geschichte, wie er seine kleine Schwester am Fahnenmast emporzieht. „Warum hängt denn heute die dänische Fahne am Mast und nicht die schwedische?“, erkundigt sich Michels Papa erstaunt. „Das ist nicht die dänische Flagge“, antwortet ihm Michels Mama, die wohl etwas bessere Augen hat. „Das ist Klein Ida in ihrem Sonntagskleid.“
Und dann diese Geschichte, wie Michel der Magd Lina, helfen will, den schmerzenden Zahn loszuwerden. Aber dann muss doch der Schmied ran, mit seiner großen Zange. Alle Geschichten enden damit, dass Michel wieder in den Tischlerschuppen muss. Zur Strafe. Dort schnitzt er seine Männchen. Und Michel wäre nicht Michel, wenn ihm nicht auch im Tischlerschuppen noch Unfug einfiele.
Wolfgang Messner spielt den Knecht Alfred und hat zudem eine Bühne für Tischmarionetten aufgebaut, und er nutzt den Bühnenraum überaus fantasievoll. Außerdem holt er Kinder aus dem Publikum und lässt sie eine Szene selber spielen. Tim ist Michel, Charmaine die Magd Lina und Lutz ist Lukas, das Pferd. Das spielt noch einmal eine große Rolle, in dieser Geschichte, die davon berichtet, wie Michel seine große Heldentat vollbringt und seinem Freund Alfred das Leben rettet, weil er ihn mitten in der Nacht und im Schneesturm nach Lönneberga zum Arzt bringt. Diese Szene wird nicht mit Tischmarionetten erzählt und auch nicht von den Kindern geschauspielert, sie ist als Schattentheaterszene ins Spiel eingebaut und wird eindringlich aufgerollt. „Wenn Michel heute leben würde, würde man ihn als verhaltensauffällig einstufen, und er müsste zwei Mal in der Woche nachmittags irgendwohin, wo er getestet und therapiert werden würde. Aber er lebte vor fast 100 Jahren - es soll ihn ja wirklich gegeben haben - und er therapierte sich selber. Mit Männchenschnitzen. Irgendetwas ganz Großes soll aus ihm geworden sein. Ein Gemeinderat oder so etwas ähnliches.“
Das Blinklichter-Theater aus Rot gastiert mit den Lausbubengeschichten am Freitag, 5. Oktober, im Neckarwestheimer Ratssaal. Karten gibt es für fünf Euro in der Neckarwestheimer Bücherei.
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