Kunst will einen Kontrast setzen zur Reizüberflutung

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Innere Erfahrungen als Schatztruhe: Die Kirchheimer Künstlerinnen Petra Hermann und Raffaela Hanke stellen aus

Von Ines Franzke-Stahl
Florale Objekte und Acryl auf Leinwand: Die beiden Künstlerinnen Petra Hermann (links) und Raffaela Hanke stellen sich und ihre Werke am Wochenende beim „offenen Atelier“ in Kirchheim vor.
          Fotos: Ines Franzke-Stahl
Florale Objekte und Acryl auf Leinwand: Die beiden Künstlerinnen Petra Hermann (links) und Raffaela Hanke stellen sich und ihre Werke am Wochenende beim „offenen Atelier“ in Kirchheim vor. Fotos: Ines Franzke-Stahl

Kirchheim Gelb-braunes Herbstlaub, wie zufällig hingeworfen, leitet den Besucher durch das Atelier. Petra Hermanns Fußbodendekoration unterstreicht die floralen Objekte der Künstlerin in ihrer Natürlichkeit. Ihre Leidenschaft fürs Schlichte, Aussagekräftige hat sie mit Raffaela Hanke vereint. Zwei Tage lang zeigen die Kirchheimer Künstlerinnen der Öffentlichkeit nun ihre in jüngster Zeit entstandenen Werke.

Raffaela Hanke und Petra Hermann vereint nicht nur das Kreative, sondern auch ihre Liebe zur Stadt. Aufgewachsen in Aachen und Jahre in ihrer pulsierenden Altstadt gelebt, fließt ein Beat durch Hankes Adern: „Es hat mich immer fasziniert, einfach die Tür aufzumachen und mitten drin zu sein im Stadtleben, mit seinen Kneipen, Läden, Menschen“, sagt sie. Die Stadt ist eine ihrer Quellen der Inspiration, ist Inbegriff von Fortschritt und Leben. Deshalb treibt es die Künstlerin oft hinaus aus Kirchheim.

Ähnlich ergeht es Petra Hermann. Spätestens nach sechs Wochen muss sie wieder hinaus in die Welt und ihre Metropolen. Um all die Eindrücke zu sammeln, die sie im Atelier in der Christophstraße in Bildern, Skulpturen oder in floralen Objekten bündelt.

Woher kommen wir, wohin gehen wir? Mit diesem Thema setzt sich Raffaela Hanke in der Ausstellung künstlerisch auseinander. Hatte sie früher die Pflanzenwelt und Steinwelt für ihre Bilder inspiriert, so ist es heute, in ihren neuen Bildern, das urbane, moderne Leben mit seinen Facetten Vereinsamung und Anonymisierung.

Impulse „Welche Bedeutung hat es heute für uns in dieser Welt zu leben?“ fragt Hanke. Ihre Ausbildung zur Maltherapeutin und die damit verbundene Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie hat die Schleusen geöffnet. Hanke geht es dabei um eine offene Auseinandersetzung mit der Realität, mit Optimismus wie Pessimismus. „Eine Antwort“, sagt die 42-Jährige, „will ich nicht vorgeben“. Die solle der Betrachter selbst für sich finden.

Petra Hermann hat eine besondere Adresse, wenn sie Material für ihre floralen Objekte braucht: den Häckselplatz. „Für mich eine wahre Fundgrube“, sagt sie. Ihre Begeisterung dafür, aus Wenigem viel zu machen, ziehe sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Schon als Kind trocknete sie Blumen aus dem elterlichen Garten, um sie später zu arrangieren.

Der Trend der Floristik, sich immer mehr als Teil des Wohnens zu verstehen, kommt der 44-Jährigen sehr entgegen. Ihr handwerkliches Talent formt außergewöhnliche Objekte. Sie sollen Kontrast sein. Kontrast zur Reizüberflutung in der Gesellschaft, die auch in der Gestaltung nicht Halt macht - aktuell jetzt in der Vorweihnachtszeit.

In dieses Können investiert die einstige Bekleidungstechnikerin zahlreiche Fortbildungen in Bad Neuenahr und Amberg, um Gestaltungsgrundlagen und -techniken zu erlernen. Manchmal jedoch will sie nur ausspannen. Am besten kann sie das, wenn sie einfach nur malt. Erst kürzlich eröffnete sie eine große Ausstellung im Kirchheimer Rathaus mit Bildern und Skulpturen.

Die Ausstellung ist am Samstag, 18. November, von 11 bis 20 Uhr, am Sonntag, 19. November, von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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