Hallodri und Kratzbürste
Güglingen - Chiemgauer Volkstheater eröffnet 28. Spielzeit in der Herzogskelter

Güglingen - Am Ende wird natürlich alles gut – jedes Töpfchen kriegt sein Deckelchen, das pure Glück hält Einzug. So muss es in Volksstücken sein. Mit dem Lustspiel „Das halbierte Zimmer“ hat das Chiemgauer Volkstheater jetzt die 28. Spielzeit der Theater- und Konzertreihe in der Güglinger Herzogskelter eröffnet. Über 300 Zuschauer spendeten lebhaften Applaus.
Wie im richtigen Leben: Er ist ein Hallodri, sie ist eine Kratzbürste. Und ausgerechnet die zwei, Hannes (Andreas Kern) und Monika (Michaela Heigenhauser), werden durch das Testament eines Verwandten als Bauer und Bäuerin auf dem Waldhof zusammengespannt. Wer nach einem Jahr am besten gewirtschaftet hat, kriegt das Gut, der andere wird mit 100 000 Euro abgefunden. Als Schiedsrichter fungieren der Bürgermeister Niederegger (Harald Helfrich) und der Gemeinderat Kappelhofer (Hans Stadelbauer), die aber nicht objektiv sind: Sie wollen der Monika um jeden Preis zum Sieg verhelfen und die reiche Erbin dann freien.
Glückspilz
Aber wie einem das Leben so mitspielt: Der Hannes verjubelt zwar all sein Geld, hat aber Glück und gewinnt immer mehr dazu. Die Monika hingegen bemüht sich redlich, aber erfolglos um Mehrung des Wohlstands. Schließlich wird das gemeinsame Wohnzimmer per Kälberstrick in zwei Hälften geteilt – Eiszeit.
Doch das Tauwetter naht in Gestalt von Kuni, der Magd (Simona Mai), und Toni, dem Schlosser (Christian Burghartswieser), die sich erst verkrachen, dann aber in herzinniger Wiedervereinigung finden. So werden sie für die beiden Streithammel zum Vorbild – erst recht, nachdem der Hannes, dank Eingreifen der Maklerin Meier (Marianne Rappenglück), auch beim Pferderennen einen großen Batzen gewinnt. Über dem trennenden Kälberstrick fallen sich die Liebenden in die Arme. Wer sich im Fernsehen gern von bayerischen Mundartstücken unterhalten lässt, fand in der Herzogskelter genau das Richtige – und erlebte seine Stars live auf den Brettern.
Das kulturelle Programm in der Kulturhauptstadt des Zabergäus wird bis in den Frühling hinein fortgeführt. Kulturamtsleiter Roland Baumann hat dafür gesorgt, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist: das Drama „La Strada – das Lied der Straße“ nach dem Film von Federico Fellini mit Claude-Oliver Rudolph folgt am 25. Oktober. Am 22. November wird die Schlager-Revue der 60er Jahre „Mit 17 hat man noch Träume“ zu sehen sein, und am 5. November wird das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter der Leitung von Ruben Gazarian einen Abend dem Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart widmen.
Abba 2009 gibt es am 31. Januar Goethes Roman „Die Leiden des jungen Werthers“, und zum Abschluss das „Abba World Revival“ mit der gleichnamigen Cover-Band aus Prag. Kinder werden sich über das Stück „Tintenherz“ am 12. November und das Spektakel „Pettersson kriegt Weihnachtsbesuch“, beides vom Theater auf Tour, freuen.
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