Fusion kam zum richtigen Zeitpunkt
Käufer für das Grundvermögen der Weingärtnergenossenschaft gesucht

Neckarwestheim - Die Neckarwestheimer Weingärtner haben den kompletten Herbst nicht mehr über den heimischen Betrieb und bei der WZG in Möglingen abgewickelt, sondern das Traubengut zur elf Kilometer entfernten Felsengartenkellerei Besigheim mit Sitz in Hessigheim gefahren. "Das Programm war straff. Die Koordination dort optimal", sagt Michael Ziegler, bis vor kurzem Vorstandschef der Neckarwestheimer Weinbauern. Seit August ist die Genossenschaft mit dem Betrieb in der Nachbarschaft verschmolzen, der es nun auf etwa 660 Hektar Rebfläche und rund 1500 Mitglieder bringt.
Zerpflückt Ziegler fühlt sich dort gut aufgehoben. "Mein Ziel war es, als Betrieb geschlossen zu fusionieren." Das ist ihm nicht in Gänze gelungen. Einige aktive Mitglieder sind beispielsweise nach Lauffen gewechselt. Von den bislang 45 Hektar Neckarwestheimer Rebfläche sind nur 25 Hektar nach Hessigheim gegangen. "Das ist schon etwas zerpflückt", bedauert Ziegler.
Kurz vor dem 65. Geburtstag der WG 2012 kam das Aus. Große Betriebe hatten ihr aus verschiedenen Gründen den Rücken gekehrt. In den letzten vier Jahren war ihre Ertragsfläche um die Hälfte geschrumpft. Neckarwestheim zahlte pro Hektar bis zu 3000 Euro weniger an Traubengeld aus, als andere Betriebe in der Umgebung. Dann die mageren Jahrgänge 2009 und 2010. Jetzt der Frost in 2011. "Mengenmäßig ist uns in diesen drei Jahren ein ganzer Jahrgang ausgefallen."
Die Zweckheirat mit Hessigheim sieht Ziegler als Überlebensstrategie: "Wenn ich bedenke, was alles danach kam. Große Betriebe wollen mit anderen Großen fusionieren. Das bekommt ganz neue Dimensionen." Womöglich wäre die kleine WG Neckarwestheim unter die Räder gekommen. So sei die Fusion gerade zur richtigen Zeit erfolgt. Die Partner hätten auf Augenhöhe verhandelt, unterstreicht Ziegler.
50 Prozent der Neckarwestheimer Rebfläche bringen den Schwarzriesling hervor. Das Sortiment passe also bestens zur Felsengartenkellerei. Vertreter aus Hessigheim werden bei den Weinprobiertagen am Freitag und Samstag in Neckarwestheim über die Ziele der Kellerei und das Sortiment informieren (siehe Hintergrund). "Es ist von Vorteil, wenn sich der neue Betrieb unserer Kundschaft vorstellt", sagt Ziegler. Denn die feinen Tropfen aus Neckarwestheim werden namentlich im Felsengarten-Sortiment nicht mehr auftauchen.
Ziegler hält dennoch am Wunsch fest, dass ein Neckarwestheimer Tröpfle ausgebaut wird. So seien Richtung Heilbronn orientierte Stammkunden eher bei der Stange zu halten, auch wenn sie künftig über die Kreisgrenze zum Einkauf fahren sollen. Denn auch der Verkauf in Neckarwestheim wird nicht erhalten bleiben. Er endet zum 31. Dezember. Hessigheim, Besigheim, Bietigheim und Ilsfeld − die Kellerei unterhält bereits vier solcher Stellen. Ziegler hofft, dass sich ein Betrieb findet, der als Neckarwestheimer Verkaufsstelle fungiert. Hofladen? Ein bestehender Getränkemarkt? Ein Agrarhändler? Ziegler: "Alles wäre möglich."
Abwicklung Eine große Aufgabe ist die Abwicklung des Grundvermögens. Verkaufsstelle mit Saal und Büros, die 150 Quadratmeter große Lagerhalle und das Keltergebäude mit einer Fläche von 200 Quadratmetern werden veräußert. Ein Gewerbebetrieb? Ein Gastronom? Ein Vereinshaus der Gemeinde? Auch hier noch viele offene Fragen.
Die hat Laurent Bartenbach jetzt nicht mehr. Der bisherige Geschäftsführer wird in der Hessigheimer Verwaltung mitarbeiten. Vorstand Ziegler (43) wurde dort in den Beirat der Jungwinzer gewählt. Aufsichtsratschef Dr. Gottfried Kazenwadel ist nun im Aufsichtsrat der Felsengartenkellerei.


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