Einblicke in die russische Seele

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

St. Petersburger Vokalensemble präsentiert in Bartholomäuskirche Geistliches und Volkslieder

Von Elke Khattab
Das Vokalensemble "Russische Seele" mit (von links) Rimma Egorutina, Wladimir Mostowoy, Felix Zaretsky und Jura Bortschow.Foto: Elke Khattab
Das Vokalensemble "Russische Seele" mit (von links) Rimma Egorutina, Wladimir Mostowoy, Felix Zaretsky und Jura Bortschow.Foto: Elke Khattab

Nordheim - Melancholie und Schwermut, aber auch Lebenskraft, die aus tiefem Glauben kommt, verbindet man mit der vielbeschriebenen geheimnisvollen russischen Seele. Eigenschaften, die auch das Chorkonzert des Vokalensembles "Russische Seele" aus St. Petersburg widerspiegelt. Liturgische Gesänge der russisch-orthodoxen Kirche und Volkslieder aus dem alten Russland präsentiert das Ensemble auf seiner dreiwöchigen Tournee durch Baden-Württemberg. Am Mittwochabend war es in der Nordheimer Bartholomäus-Kirche zu Gast.

Emotional "Wer Menschen kennen lernen will, sollte ihre Gesänge anhören. Wer etwas über ihren Glauben und ihre Kultur erfahren möchte, muss sich in ihre Musik hineinbegeben" - so die Begrüßungsworte von Pfarrer Horst-Werner Neth. Denn dort tauche etwas vom Innersten auf: "die Lebenshaltung, die Sicht der Dinge, der Glaube."

Beeindruckend ist die Emotionalität der A-capella-Gesänge: Ganz sanft etwa beginnt der Choral "Geheimnisvolle Abende", entwickelt sich dann mit jedem Ton weiter zu einer stimmlich voluminösen Darbietung. Ergriffen sind die zahlreichen Zuhörer ebenso von "Freut Euch, ihr Menschen" und dem "Marienlied" wie von dem mit klaren und volltönenden Stimmen dargebotenen "Weihnachtspsalm" und dem "Vaterunser".

Der Wechselgesang der hohen und tiefen Töne fasziniert vor allem als Untermalung der Sologesänge: Atemlos scheinen die Zuhörer während der stimmgewaltigen Präsentation von "Festige meinen Glauben", vorgetragen von Bariton Jura Bortschow. Er ist ebenso Opernsänger wie Alt-Solistin Rimma Egorutina, die das Publikum mit ihrem Stimmumfang fesselt. "Der russisch-orthodoxe Gottesdienst wird nicht von Instrumentalmusik, sondern nur vom Chor begleitet. Im Laufe von Jahrhunderten entstand so eine unvergleichliche Gesangstradition", erklärt Bassist Felix Zaretsky. Zweieinhalb Stunden dauere der Gottesdienst. An Ostern und Weihnachten seien es sogar fünf Stunden, während denen die Gemeinde stehen bleibe, führt er weiter aus.

Verspielt Einen Blick in die russische Seele gewährt das St. Petersburger Vokalensemble auch mit bekannten, aber unverwechselbar interpretierten Volksliedern. Ganz schwer ist es der jungen Braut im "Hochzeitslied", denn es erwartet sie ein Leben in einer fremden Familie. Übermütig und fröhlich dagegen spürt man den verspielten Flug der "Schwalbe", einem der Weihnachtslieder, mit denen die Jugendlichen von Haus zu Haus ziehen und Geschenke erhalten. Neben gemeinsam dargebotenen Kosakenliedern überzeugt der Dirigent des Stadtchors St. Petersburg und Tenor Wladimir Mostowoy als Solist dann noch mal mit "Die Abendglocken".

Nach oben  Nach oben