Realschule wirbt mit Spezialität
Werkrealschule, Gemeinschaftsschule, Realschule, Gymnasium - die Bildungseinrichtungen stehen zunehmend im Wettbewerb. Deutlich wird das vor allem bei der Diskussion in den Gemeinderäten und Rathäusern: Hier hat der Wettstreit um Köpfe vor allem zum Erhalt der ...

Werkrealschule, Gemeinschaftsschule, Realschule, Gymnasium - die Bildungseinrichtungen stehen zunehmend im Wettbewerb. Deutlich wird das vor allem bei der Diskussion in den Gemeinderäten und Rathäusern: Hier hat der Wettstreit um Köpfe vor allem zum Erhalt der Standorte längst begonnen. Güglingen, Brackenheim, Nordheim und Lauffen rüsten auf. Gemeinschaftsschulen wurden für viele Millionen Euro in Brackenheim und Nordheim dezentral aus dem Boden gestampft. Güglingen will 2016 nachziehen.
Nur Lauffen macht diesen Trend nicht mit. Der Gemeinschaftsschule konnte der Gemeinderat mit Blick auf das ohnehin schon gute Angebot vor Ort nur wenig abgewinnen. Die Landespolitik fördere ihr Projekt Gemeinschaftsschule, sagt Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger. "Gemeinschaftsschule kann man aber nicht von oben herab verordnen." Etwas vergessen fühlen sich bei dieser Entwicklung in der Bildungslandschaft manche der 17 Realschulen im Heilbronner Schulamtsbezirk.
Stärke
Lauffen stellt sich mit ihrem Schulstandort ganz neu auf, um Stärke zu zeigen. Die Stadt investiert in den neuen Bildungscampus über 14 Millionen Euro, um Realschule und Werkrealschule den Rücken zu stärken. Mit Blick auf die Erich-Kästner-Schule, die Werkrealschule und die Realschule unterstreicht Bürgermeister Waldenberger die schon jetzt sehr gute Zusammenarbeit der drei Einrichtungen. "Das ist ein gutes Team."
Realschulrektor Horst Münzing ist dankbar für diese starke kommunale Unterstützung. Er sieht viele Möglichkeiten für neue Angebote, etwa wenn die neue Mensa Mitte 2016 fertiggestellt ist. "Hier entsteht auch ein sozialer Treffpunkt, wo sich die Schüler wohlfühlen werden." Die Kooperation mit der Erich-Kästner-Förderschule und der Werkrealschule, zum Beispiel in nachmittäglichen Arbeitsgemeinschaften, kann und soll weiterentwickelt werden.
Schon jetzt, so unterstreichen Münzing und seine Stellvertreterin Monika Germann, brauchen sich Realschulen, insbesondere die Hölderlin-Realschule in Lauffen, mit ihrem Angebot nicht zu verstecken. "60 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler, die einen qualifizierten Realschulabschluss bekommen, streben das Abitur an", sagt Münzing. Und mit Blick auf die starke Kombination von Theorie und Praxis in der Realschule: "Die restlichen 40 Prozent sind gesuchte Leute in hochwertigen Ausbildungsberufen."
Für beide Wege - Gymnasium oder Berufausbildung - will die Lauffener Hölderlin-Realschule ihre Absolventen mit besonderen Fähigkeiten ausstatten: Hier wird für derzeit 180 Jugendliche in Klasse fünf und sechs ein bilingualer Unterricht - eine Form des erweiterten Fremdsprachenlernens - angeboten. In Klasse sieben müssen sich die Jugendlichen verbindlich entscheiden. Als erste bilinguale Schule im Schulamtsbezirk hat dieses Bildungshaus 2010/11 mit diesem Angebot begonnen. Inzwischen folgte die Heilbronner Mörike-Realschule nach. Die ersten Absolventen steuern nun Ende des Schuljahres auf ihren bilingualen Abschluss zu - eine Stärke, die bei Bewerbungen entscheidend sein kann. Unabhängig davon bekommen alle Zehner eine zusätzliche Stunde pro Woche in "Business English".
Im bilingualen Unterricht geht es nicht darum, fehlerfrei zu schreiben, sondern Sachverhalte in der fremden Sprache verständlich zu beschreiben, sagt Monika Germann. Eine sprachliche und interkulturelle Kompetenz, die in einem vereinten Europa, in einer globalen Welt immer wichtiger werde. Horst Münzing blickt etwa auf Kooperationspartner wie das global aufgestellte Unternehmen Schunk aus Lauffen.
Auswahl
Wie die Schule tickt, lässt sich nicht nur an Angeboten wie dem Lerncoaching, England- oder Frankreichaustausch, sondern auch am Sportunterricht ablesen. Hier kann man sich für Neigungsgruppen bewerben, von Tennis, Jonglage oder Fitness bis zu Nordic Walking und Mountain-Biking. Auch Tanzen gab"s schon. "Wir streben eine schulzeitüberdauernde Motivation zum Sport an", sagt der Schulleiter und lädt zum Blick auf die Homepage der Schule ein: www.hrs-lauffen.de.
Daten und Fakten
Einstein blickt im Treppenhaus der Realschule freundlich von einem Plakat und fordert die Schüler auf: "Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen." 50 Pädagogen, sechs mit bilingualer Zusatzqualifikation, möchten in diesem Sinne die rund 600 Schülerinnen und Schüler der Hölderlin-Realschule Lauffen zu selbstbewussten, wissensdurstigen Menschen erziehen.
Den offenen Ganztagsbetrieb gibt es derzeit für die 5. und 6. Klassen an drei Tagen. Mit der Eröffnung der Mensa Pfingsten 2016 besteht für die Schulen die Möglichkeit, das Angebot zu erweitern. In den Neubau von Mensa, Sporthalle und die hochwertige Sanierung der Realschule steckt die Stadt insgesamt rund 14 Millionen Euro.
Stimme.de