Güglingens Bürgermeister Klaus Dieterich wird verabschiedet
Nach 24 Jahren an der Spitze der Stadt wird Klaus Dieterich am Freitag verabschiedet. Die persönliche Bilanz fällt positiv aus.

"Das sollten wir noch machen!" Diesen Satz hat Klaus Dieterich zuletzt oft gehört. Von Mitarbeitern der Verwaltung, aber auch von Vertretern von Vereinen und Organisationen. Dieterich hat versucht, möglichst viele Arbeiten abzuschließen, musste aber letztlich erkennen: "Fertig wird man nie."
Doch am Freitag ist unwiderruflich Schluss: Nach 24 Jahren an der Spitze der Stadt wird der Güglinger Bürgermeister verabschiedet.
Dass Wehmut aufkommen wird, glaubt der 56-Jährige nicht. "Ich weiß seit Langem, dass dieser Tag kommt." Der Entschluss, für eine vierte Amtszeit nicht mehr zu kandidieren, sei über zwei Jahre gereift. Die Arbeit habe Spaß gemacht, sei aber auch belastend gewesen und verbunden mit vielen Abend- und Wochenendterminen. "Das kann man nicht in 40 Wochenstunden machen, das erfordert einen deutlich höheren Einsatz."
Arbeit als Verwaltungschef kann zermürbend sein

Zudem ist die Arbeit schwieriger geworden. Als "weniger schön" bewertet Dieterich den "fehlenden Respekt, mit dem man konfrontiert ist". Und auch das Miteinander im Gemeinderat war schon besser. Als "übertrieben kritisch" und "nicht sachdienlich" empfindet der Verwaltungschef die zunehmend konfrontative Haltung einzelner Räte, erkennt darin indes kein Güglinger Phänomen: "Viele Kollegen hören auf, weil die Arbeit manchmal auch zermürbend ist."
Das Berufsziel Bürgermeister stand für den Diplom-Verwaltungswirt früh fest. Irgendwo Sachbearbeiter werden, das konnte er sich nicht vorstellen: "Dinge entwickeln und gestalten, das ist mein Ding", sagt Dieterich. Nach einem kurzen Gastspiel im Regionalen Rechenzentrum arbeitete er sechs Jahre als stellvertretender Hauptamtsleiter und Bauamtsleiter im Rathaus Neckarwestheim. 1993 bewarb er sich in Güglingen als Bürgermeister, setzte sich gegen sechs Gegenkandidaten durch. Zweimal, 2001 und 2009, wurde er wiedergewählt.
Er schätzt die Vielseitigkeit der Arbeit: "Es war keinen Tag langweilig." Das was man Volksnähe nennt, war allerdings nie sein Ding. "Ich bin sicher mehr der Schaffer als der Entertainer", sagt Dieterich. "Selbstdarstellung ist nicht so meine Sache."
Zahl der Arbeitsplätze deutlich gestiegen

Die persönliche Bilanz seiner Amtszeit fällt positiv aus. Die Einwohnerzahl stieg in diesen 24 Jahren von 5000 auf etwa 6300 Einwohner, die Zahl der Arbeitsplätze um 80 Prozent, von 2500 auf 4500. "Den Wirtschaftsstandort entwickeln war mir wichtig", sagt der Bürgermeister. Dafür war er auch bereit, große Steine aus dem Weg zu räumen. Dieterich ist überzeugt, dass die Firma Layher, einer der größten Arbeitgeber, nicht mehr vor Ort wäre, wenn es Ende der 1990er Jahre nicht gelungen wäre, ein Waldstück bei Eibensbach als Betriebsgelände umzuwidmen.
Vorzeigeeinrichtungen wie die Mediothek oder das Römermuseum wurden geschaffen, das Freibad saniert, Feuerwehr und Bauhof großzügig neu gebaut, nicht zuletzt viel Geld in den Bereich Bildung und Betreuung investiert. "Unsere Kindertagesstätten und Schulen sind auf Top-Niveau", sagt Dieterich. Drei Sanierungsgebiete wurden abgewickelt. Am "See" gelang es, eine innerstädtische Industriefläche in ein Wohngebiet umzuwandeln. Rechts und links der Ortsdurchfahrt ging es dagegen zuletzt nicht richtig voran, was mit der noch nicht realisierten Umgehungsstraße zu tun hat. Für Dieterich ein Dauerärgernis. Immerhin sei es "punktuell" - Beispiel Marktplatz - gelungen, Akzente in der Innenstadt zu setzen.
Vorreiter in Sachen ökologische Stadtentwicklung

Auch in Sachen ökologische Stadtentwicklung sieht der Rathaus-Chef Güglingen als Vorreiter: Nahwärmeversorgung auf Basis nachwachsender Rohstoffe, diverse Blockheizkraftwerke, Bachrenaturierungen oder der Energieatlas sind nur einige Stichworte.
"Ich verlasse das Rathaus mit einem guten Gefühl", sagt Dieterich, der Vorgesetzter von mehr als hundert Mitarbeitern war. Als "schwierigen Chef", wie ihn manche erlebten, sieht er sich nicht. "Ich lasse dem Einzelnen lange Zügel - solange es funktioniert."
Jetzt freut sich der passionierte Motorradfahrer darauf, Dinge tun zu können, für die zu wenig Zeit blieb. Dass er beruflich noch etwas machen wird, steht für ihn fest - was, sei aber offen. "Ich lass" das auf mich zukommen." Auf jeden Fall werde er "nirgends angestellt sein", betont Dieterich den Wunsch nach Selbstständigkeit: "Vielleicht werde ich meine Kenntnisse als Berater anbieten."
Feierstunde in der Güglinger Herzogskelter

Abschied und Beginn: Die Feierstunde in der Güglinger Herzogskelter mit anschließendem Empfang am Freitag, 5. Mai, um 18 Uhr wird beide Aspekte verbinden. Der langjährige Bürgermeister Klaus Dieterich wird verabschiedet, der neue Bürgermeister Ulrich Heckmann auf sein Amt verpflichtet. Das Ganze soll auf Wunsch von Dieterich in lockerer Atmosphäre geschehen - ohne großen Redenmarathon und ohne starre Bestuhlung. Die Rednerliste ist daher bewusst kurz gehalten. Neben geladenen Gästen ist auch die Bürgerschaft bei dieser Veranstaltung willkommen.
Stimme.de