Die 120 Jahre alte Rosskastanie und die Geschichte vom "Pläsie"
Naturdenkmale im Leintal und im Zabergäu (12): In Cleebronn steht ein mächtiger Baum

Seit 1989 wählt ein Berliner Kuratorium aus Naturschützern sowie Natur- und Umweltverbänden eine Baumart zum "Baum des Jahres". Mit dieser Aktion soll das Wissen in der Bevölkerung über Bäume vertieft und auf seltene oder gefährdete Arten hingewiesen werden, auf dass diese wieder verstärkt gepflanzt und geschützt werden. In diesem Jahr steht einer der beliebtesten und bekanntesten Zierbäume der Städte, Alleen und Parks im Mittelpunkt der Bemühungen des Kuratoriums: die Rosskastanie, Aesculus hippocastanum.
Rosskastanie deshalb, weil ihre Früchte "erkrankten Pferden, besonders bei Husten und Wurmkrankheiten, Erleichterung verschaffen". Das berichtete ein Arzt namens Willem Quackelbeen 1557 aus dem damaligen Konstantinopel, von einem Baum aus dem Mittelmeerraum, der zu dieser Zeit in Nordeuropa noch unbekannt war. Erst im 18. Jahrhundert wurde er, von Wien aus, bis nach Skandinavien verbreitet.
Ein Baum, der mit seiner unregelmäßigen Krone seinen, klebrigen, glänzenden Knospen, Kerzenblüten im Mai und stacheligen Früchten im Herbst das ganze Jahr über interessant ist. Aus seiner mazedonischen Heimat aber wurde vor wenigen Jahren ein Schädling eingeschleppt: die Rosskastanien-Miniermotte - ein Falter, der bis zu vier Generationen pro Jahr hervorbringt. An manchen Bäumen fressen bis zu 500 000 und mehr dieser Schädlinge, und immer mehr Kastanien haben bereits im Juli braungefärbte Blätter. Der Baum des Jahres 2005 ist ein Sorgenkind, zumal der Falter keine natürlichen Gegenspieler hat. Die wirksamste Methode der Abwehr besteht darin, das Laub zusammenzuharken und zu verbrennen.
Das Alter der Rosskastanie am Katharinenplaisir wird auf 120 Jahre geschätzt, und es ist ihm wohl zuzuschreiben, dass die Mauer, die das Anwesen umgibt, eine deutliche Schlagseite aufweist. "Thomas" steht auf dem Kreuz am Fuße des Baumes, an einen Mann erinnernd, der hier, im Alter von 31 Jahren, 1995 bei einem Verkehrsunfall den Tod fand.
Das Katharinenplaisir wurde 1733 vom Amtmann Franz Xaver Grimm angelegt und nach dessen Ehefrau benannt. Danach gehörte es einem Grafen mit dem malerisch-geheimnisvollen Namen Martinengo und seinem "nicht geehelichten Frauenzimmer". Auch der nächste Besitzer war suspekt, hatte der sich doch aus Surinam "eine ungläubige Schwarze als Beyschläferin" mitgebracht. Weitere Frauenzimmer sorgten dafür, dass die Geschichte des "Pläsies" erstaunliche Einzelheiten aufweisen kann. So versuchten hier die "Krüderin und die Kummerin", so pietistisch wie schwärmerisch, eine christliche Kolonie zu gründen. Das war 1809, zu dieser Zeit gab es die Kastanie noch nicht. Aber als Karl Goerdeler 1943 das Gut kaufte, hat sie ihre Äste weit und schützend über das Hoftor gespannt. Und konnte es doch nicht verhindern, dass schließlich die Gestapo die Familie des Widerstandskämpfers abholte und in Sippenhaft nahm.

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