Auch die Fans joggen über die Feldwege

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Besucherrekord für wieder belebten Bönnigheimer Stromberglauf: 425 Sportler starten in beiden Wettkämpfen

Von Simon Gajer
Auch Unterstützung von außen ist wichtig: Die zehn Jahre alte Lisa Queißer feuert im Zielbereich vor allem Mama und Papa an. Aber auch für andere Läufer dreht das Mädchen die Plastikrätsche.
Auch Unterstützung von außen ist wichtig: Die zehn Jahre alte Lisa Queißer feuert im Zielbereich vor allem Mama und Papa an. Aber auch für andere Läufer dreht das Mädchen die Plastikrätsche.  Foto: Von Simon Gajer

Zuschauer wärmen sich im in einer Lagerhalle der Kellerei am Zielbereich. Läufer reiben sich bei Temperaturen um null Grad die Hände. Auch Anja Schnabel aus Bietigheim und Stefanie Schulz aus Sachsenheim haben vor dem Start auf die Zehn-Kilometer-Strecke etwas zu klären. "Lässt du die Mütze auf?", fragt die Sachsenheimerin. Dann joggen die Frauen noch etwas, zurück bleiben Taschen und Martina Schulz, die sich Mutter, Betreuerin, Taxi-Fahrerin und Fotografin nennt. Sie will an diesem Tag nicht mitlaufen. "Ich bin nicht trainiert", begründet sie. Ohnehin müsse sie Fotos machen. Sie grinst. "Wenn's klappt" - die Kamera meldet Fehler.

Bis 1999 gab es den Stromberglauf. Dann konkurrierte er an einem Wochenende mit einem Wettkampf in Ludwigsburg, und der Bönnigheimer Lauf schlief ein. "Kaum einer hat ihn vermisst", wundert sich Brigitte Schatz-Grünenwald, Sprecherin der Organisatoren. Dann hörte der neue Bürgermeister Kornelius Bamberger von der Tradition, er sprach mit Markus Stahl, Leichtathletik-Abteilungsleiter des TSV Bönnigheim. Nun ist der Stromberglauf zurück und bietet bei seiner sechsten Ausgabe neben der Zehn-Kilometer-Distanz eine fünf Kilometer lange Strecke. 425 Athleten starten, 1999 waren's 180.

Erste Athleten sind auf der Fünf-Kilometer-Runde unterwegs. Ulrich Heidinger aus Brackenheim und Walter Schüle aus Zaberfeld schauen dem Feld hinterher. "Jetzt sieht man noch einen Kopf", sagt der 46 Jahre alte Brackenheimer und schaut in die Weinberge, wo die Läufer um eine Kurve verschwinden. Über ihre zehn Kilometer machen sie sich keine Gedanken, obwohl sie die Strecke nicht kennen. "Ich lass' mich überraschen", meint Heidinger, der an allen Läufen in der Gegend startet. "Wenn ich nichts weiß, dann habe ich schon keine Angst davor."

Nun sind auch die Zehn-Kilometer-Sportler auf den Rundkurs gestartet, der sie zwei Mal durch Weinberge und die Stadt führt. Auch die Löchgauerinnen Rita Daffner und Claudia Oehler-Müller sind schnell unterwegs - obwohl sie nur Fans sind. Erst stehen sie 500 Meter hinter dem Start, wo die Sportler in die Weinberge abbiegen. "Prima. Super", rufen sie Bekannten zu. Dann rennen sie über einen 400 Meter langen Feldweg zu der Stelle, an der die Läufer die Zwei- und Sieben-Kilometer-Marke hinter sich lassen. "Uli, prima", feuert Claudia Oehler-Müller dort einen Sportler an. Die Frauen klatschen. "Dieter, super." Das müsse sein, finden die Frauen, die selbst bei Wettkämpfen starten, aber nun fürs Anfeuern zuständig sind. "Es ist doch toll, wenn jemand am Rand steht und klatscht."

Der letzte Bekannte rennt vorbei. Gleich müssten die ersten Freunde am Ziel sein, die Löchgauerinnen sind in Eile. "Wir müssen zurück", sagt Claudia Oehler-Müller. Kurz darauf spurten sie los - zum Jubeln am Ziel.

Über die zehn Kilometer siegt Marco Lack (SC Ilsfeld) mit 34:01,0 Minuten vor Thomas Hess (34:37,6) und Dr. Michael Erdlenbruch (LG Leinfelden) mit 34:46,1. Oleg Krautschenko (TV Flein) ist schnellster Läufer über die fünf Kilometer (16:34,4) vor Markus Hauber (16:37,0, LAZ Salamander Kornwestheim) und Marc Dülsen (16:56,4, LG Neckar Enz).

Beim sechsten Bönnigheimer Stromberglauf starteten 425 Sportler auf die beiden Distanzen. Es ging über Felder und durch Weinberge.
Beim sechsten Bönnigheimer Stromberglauf starteten 425 Sportler auf die beiden Distanzen. Es ging über Felder und durch Weinberge.  Foto: Von Simon Gajer
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