Der Amann-Abriss kostet Bönnigheim 240 000 Euro mehr
Irritation im Gemeinderat - Mehr Bauschutt verursacht höhere Ausgaben - Planer rechtfertigt sich: "Rückbau ist Rechnung mit vielen Unbekannten"
Das beauftragte Ingenieurbüro Rauschmaier aus Bietigheim-Bissingen hatte ursprünglich Kosten in Höhe von 2,16 Millionen Euro für den Abriss der Fabrikgebäude auf dem Amanngelände berechnet. Bedingt durch die schwierige Baukonjunktur brachte dann die Ausschreibung ein Auftragsvolumen von 1,277 Millionen Euro, für das die Bietergemeinschaft Vogel-Bau (Eislingen) und Walter Keune Bau (Freiburg) den Zuschlag erhielten.
"Ein Rückbau ist immer eine Rechnung mit vielen Unbekannten", erklärte Gerhard Kurz vom Ingenieurbüro Rauschmaier am Freitagabend dem Gemeinderat. Man habe sich zwar auf vier Gutachten bei der Ausschreibung beziehen können, allerdings wären Kosten für eine noch genauere Ermittlung der abzutragenden Schuttmengen in keinem Verhältnis zu den entstehenden Kosten gestanden.
So sei man zunächst von der Entsorgung von rund 1500 Tonnen Bauschuttmaterial ausgegangen. Tatsächlich mussten aber etwa 6200 Tonnen abtransportiert werden. So habe man aus Erfahrungswerten beim Unterbau der ehemaligen Werkstraße 1500 Tonnen zu entsorgendes, verunreinigtes Material angesetzt. Tatsächlich seien dort aber 3500 Tonnen angefallen. Zusätzlich habe sich beim Abriss gezeigt, dass unter den Bodenplatten die alten Keller vollständig mit Bauschuttmaterial aufgefüllt waren. Rund 178 000 Euro Mehrkosten fielen dafür an.
Zusätzlich habe sich die Menge der zu entsorgenden Schlacken um 600 Tonnen auf 3600 Tonnen er- höht, die zusätzlich teilweise als Boden-Bauschuttgemisch entsorgt worden seien, was weitere Kosten verursacht habe. Etwa 13 000 Euro mehr mussten dafür aufgebracht werden.
Weiter habe sich die Menge an abzutragenden Betonmaterialien auf 10 200 Tonnen fast verdoppelt, so dass auch hier etwa 81 000 Euro mehr fällig gewesen seien.
Bei drei Gegenstimmen aus der SPD-Fraktion und einer Enthaltung billigte der Bönnigheimer Gemeinderat die Abrechnung, zeigte sich aber in seiner Mehrheit von den Mehrkosten überrascht. "Frühzeitige Information" wäre für Hans-Martin Jäger (UWG) wünschenswert gewesen. Fritz Diether (SPD) machte seinem Unmut lauthals Luft: "Hier wird mit Informationen manipuliert, um Entscheidungen im Gemeinderat durchzubekommen."
Stimme.de