Von Hochrädern und Erntewagen
Heiner Müller und Werner Clement erinnern sich ans Stadtfest zum 1200-jährigen Bestehen vor 50 Jahren

Hinter den Kulissen wird in Schwaigern mit Hochdruck an der Festwoche vom 2. bis 6. Juni anlässlich des 1250-jährigen Bestehens gezimmert. Auch 1966 gab es ein großes, über zwei Juli-Wochenenden begangenes Fest, und Heiner Müller kann sich noch gut an den Umzug vor 50 Jahren erinnern. Damals feierte die Stadt Schwaigern ihr 1200-Jähriges. Der Architekt, in jenen Tagen 37 Jahre alt, gab den Startschuss mit einer Wengertschützen-Pistole, um dann am Ende des Umzugs mitzulaufen.
Seine Kollegen vom privaten Kegelclub hatten sich derweil schon am frühen Sonntagmorgen passend zum Thema "Die sieben Pfaffen von der Pfaffenburg" eingekleidet. "Die Wartezeit bis zum Start um 13 Uhr haben sie dann mit Bier überbrückt", lacht Müller heute. Denn ein Umzug kann für die Mitläufer eine zähe Angelegenheit werden, zumindest von der Aufstellung bis zum Startschuss.
30 Gruppen
Rund 30 Gruppen hatten sich beteiligt. "Die Vereine waren sehr ehrgeizig und wollten sich einbringen", weiß Heiner Müller. Vor allem viele junge Leute seien dabei gewesen. "Heute ist es schwieriger als damals, weil die Leute weiter weg sind von der Geschichte und auch anderweitig engagiert."
Die Wunden des Zweiten Weltkriegs waren noch nicht verheilt, die amerikanischen Soldaten waren an vielen Stellen präsent, und eine Musikkapelle des VII. US-Corps nahm am Umzug teil. "Die machte laute Musik und war sehr auffällig", erinnert sich Müller.
Überlegungen, den Umzug mit Salutschüssen zu beginnen, hatten die Verantwortlichen schnell verworfen. Müller: "Nach dem Krieg wollte keiner mehr schießen." Die Landwirtschaft spielte eine große Rolle, Kühe und Ochsen zogen die Umzugswagen. Ein Erntewagen war mit dabei und auch eine Gruppe mit Hochrädern, "die immer absteigen mussten, wenn der Zug anhielt", so Müller. Und die Feuerwehr fuhr mit alten Hydrantenwagen und "spritzte die Besucher nass an diesem schönen Sommertag".
Käsreiter
Die Käsreiter aus Großgartach - Leingarten gab es 1966 noch nicht - waren ebenso vertreten wie der Reiterverein Schwaigern oder der TSV Schwaigern, der sehr engagiert war. Im Rahmenprogramm gaben die Amateurfußballer des VfB Stuttgart - die Bundesliga war drei Jahre zuvor geschaffen worden - ein Gastspiel in der Leintalstadt gegen den TSV. Da die Gemeindereform erst Jahre später erfolgte, gab es noch keine Stadtteile. Deshalb waren ganz im Gegensatz zum diesjährigen Umzug Stetten, Massenbach und Niederhofen außen vor. Auch die Partnerkommunen gab es noch nicht und die Einwohnerzahl lag bei knapp 5000.
Dass die Schwaigerner sich auf diese Feier gefreut hatten, macht der langjährige Vorsitzende des Heimatvereins, Werner Clement, deutlich: "Das Stadtjubiläum war das erste große Fest seit dem Bauernfest 1925." 400 Jahre waren seit dem Bauernkrieg 1525 vergangen.
10 000 Zuschauer
Clement, zu jener Zeit Rektor der Volksschule, war vor 50 Jahren ohne Funktion. "Ich war nur als Zuschauer dabei." 10 000 Zuschauer säumten die Straßen. Die gesamte Organisation lag in den Händen des Bürgermeisteramtes mit Amtschef Horst Haug an der Spitze. Haug zog in der ersten Gemeinderatssitzung nach dem Jubiläum ein positives Fazit. In der Heilbronner Stimme vom 28. Juli 1966 heißt es: "Überhaupt habe die gesamte Einwohnerschaft in einem kaum erhofften Maße Interesse und Verständnis für die Feierlichkeiten gezeigt, so dass wahrlich von einem Stadtfest gesprochen werde dürfe."



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