Vom Würfel bis zur Pyramide

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Architekten präsentieren dem Gemeinderat ihre Pläne für die Museumserweiterung

Von Klaus Thomas Heck
Was wird aus dem Leingartener Heimatmuseum? Fest steht: Das Nachbargebäude (im Bild hinten rechts) wird zugunsten eines Erweiterungsbaus abgerissen.Foto: Heck
Was wird aus dem Leingartener Heimatmuseum? Fest steht: Das Nachbargebäude (im Bild hinten rechts) wird zugunsten eines Erweiterungsbaus abgerissen.Foto: Heck

Leingarten - Im August rücken die Bagger in Schluchtern an: Dann wird das Wohnhaus in der Kleinen Hohle 1 abgerissen. Es muss der Erweiterung des Heimatmuseums weichen. Vier Architekturbüros präsentierten dem Leingartener Gemeinderat am Mittwochabend ihre Ideen.

„Ich will einen Dialog zwischen Neu- und Altbau“, sagt Andreas Mörlein (Leingarten). Sein Entwurf sieht einen Würfel als Erweiterungsbau vor. Eine schlichte, zurückhaltende Form, die sich an den dominanten, denkmalgeschützten Altbau schmiegt und doch ein eigenständiges Element ist. Sie soll signalisieren: „Hier bin ich, ich bin etwas Neues.“ Der unterkellerte, 4,50 Meter hohe Anbau mit seinen hohen, schmalen Fenstern wird zur Straße hin gedreht und ermöglicht so einen Vorplatz. Das Flachdach wird begrünt. Gesamtkosten: 221 000 Euro.

Doch Mörleins Plan hat Nachteile: Die zusätzliche Ausstellungsfläche beträgt nur 54 Quadratmeter. „Das scheint mir etwas zu klein zu sein“, bemerkt Hans Hugo Schlemmer (FWV). Bernd Stahl (CDU) stört, dass der Haupteingang beim Altbau, dem ehemaligen Schluchterner Rathaus, bleibt: „Dann wäre eine Parallelnutzung schwierig.“

Auf eine Unterkellerung seines Anbaus würde Marcus Dürrwang (Leingarten) verzichten. Er schlägt einen Flachbau vor, der über ein Foyer mit dem Alten Rathaus verbunden ist. Bewegliche Stellwände ermöglichen eine variable Nutzung und Beleuchtung der Ausstellungshalle, die bis zu 90 Besuchern Platz bietet. Die Säulen des Gebäudes sind aus Sandstein - analog zum Sockel des Rathauses. Der Neubau bekäme einen behindertengerechten Eingang, den Skulpturen schmücken könnten. Nachteil wäre die geringe Höhe von nur drei Metern. Gesamtkosten: 219 000 Euro.

„Ohne eine Unterkellerung geht es nicht“, findet Ingo Macco (Leingarten). Bisher dient der Dachboden des Alten Rathauses dem Museum als Lager. Das könnte ins Untergeschoss des Neubaus wechseln. Macco hat für seine Erweiterung einen ebenerdigen Zugang auf der Nordseite vorgesehen, eine Art Vorhalle. Die Ausstellungsfläche beträgt 80 Quadratmeter. Der Neubau besticht durch große Glasfassaden. „Er soll von außen einsehbar sein und neugierig machen.“ Als Kontrast zum Altbau mit seinen kleinen Fenstern. Das Dach hat die Form einer Pyramide. Kosten: 230 000 Euro. Gemeinderätin Ilona Molle-Maier (SPD) hat Zweifel. „Ist so eine große Fensterfront nicht kontraproduktiv?“ Doch Macco beruhigt sie: Jalousien seien natürlich denkbar. Ein Nachteil allerdings ist die sanitäre Versorgung: Die Toiletten wären im Untergeschoss. Sollte kein Aufzug installiert werden, könnten beispielsweise Rollstuhlfahrer das WC nur über den Altbau erreichen - ein Umweg von sicherlich drei Minuten.

Gerd Krummlauf (Heilbronn) plädiert als einziger Architekt für einen Neubau mit Satteldach, der sich damit der aufgelockerten Bebauung der Umgebung anpasst. Auch Krummlauf plant mit einem Foyer, das Alt- und Neubau verbindet, und einer fensterlosen Ausstellungshalle von mehr als 100 Quadratmetern. Weil der Neubau zweigeschossig ist, ist sogar eine Galerie möglich. Ausstellungshöhe: fünf Meter. Die Westfront erhält eine Terrasse, auf der Ostseite gäbe es einen separaten Zugang. Gesamtkosten: 386 000 Euro. Nachteil: Die Kleine Hohle würde ihren Bürgersteig verlieren. „Meine Befürchtungen haben sich bestätigt“, ärgert sich Fritz Ritter (SPD) über die vier Entwürfe. „Das hat alles Dorfcharakter, es fehlt der Mut. Und einen Platz für die Museumspädagogik gibt es auch nicht.“ Ritter - ohnehin ein Kritiker des Museumsumbaus - greift die starren Vorgaben der Verwaltung an: 200 000 Euro Kostenrahmen für den Neubau (plus 50 000 für einen Aufzug) seien zu wenig. Zu einer Entscheidung mochten sich die Gemeinderäte nicht durchringen. Sie fällt vermutlich im September.

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