Visitenkarte für die Gemeinde
Brühlstraße ist zum Hingucker geworden - Ärztehaus als vorläufiger Schlusspunkt

Leingarten - Mit der Eröffnung des Ärztehauses wurde jetzt die letzte Baulücke an der Brühlstraße in Leingarten geschlossen. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Areal um den Bahnhof grundlegend gewandelt. Die Brühlstraße ist vom landwirtschaftlich geprägten Anwohner-Sträßlein in Randlage zur „Visitenkarte“ für die Gemeinde geworden, wie es Bürgermeister Ralf Steinbrenner ausdrückt.
Streuobstwiesen, Stallungen und landwirtschaftliche Hofstellen prägten bis in die 60er-Jahre das Gesicht der Straße südliche der Bahnlinie, erinnert sich Bruno Gräsle. Der 78-Jährige wohnte bis zur Aussiedlung der Familie in unmittelbarer Nachbarschaft, der Kalten Gasse. 1957 ließ sein Vater einen Stall für Viehhaltung auf den Streuobstwiesen der Familie an der Brühlstraße bauen. Als die Gräsles dann Ende der 60er-Jahre auf einen Hof Richtung Kirchhausen aussiedelten, kaufte die Firma Stein Stahl das Anwesen und richtete dort ihre Werkstatt ein, so Bruno Gräsle.
Denkmalgerecht Über drei Jahrzehnte änderte sich danach nicht viel gegenüber dem früheren Deutsche-Bahn-Haltepunkt „Bahnhof Großgartach“. Bis 2000 die Stadtbahn kam - und mit ihr der Wunsch, das Areal aufzuwerten. 2002 wurde das Bahnhofsgebäude von Architekt Marcus Dürrwang denkmalgerecht renoviert. Sein Architekturbüro sowie ein Restaurant sind seitdem dort untergebracht, wo einst Fahrkarten verkauft wurden und Reisende auf Züge warteten.
Gegenüber kaufte die Gemeinde das landwirtschaftliche Anwesen Röslen/Rampmeier und die Flächen des Handwerksbetriebs Stahl, „um sie zeitgerecht zu bebauen“, so Ralf Steinbrenner. 2004 weihte die Firma Alterna dann die erste Seniorenwohnanlage mit Ladengeschäften und Friseur ein, weitere Wohnungen folgten. Jetzt ist das so genannte Ärztehaus bezogen worden. Zwei ortsansässige Mediziner haben sich - mit einem weiteren Kollegen - an der Brühlstraße 10 angesiedelt. Weniger als die Gemeinde gern gesehen hätte, wie Steinbrenner offen zugibt: „Als Ergänzung zum bestehenden Angebot hätte ich mir einen Kinderarzt, einen Orthopäden sowie einen Augen- und einen HNO-Arzt gewünscht.“ Interessenten seien jedoch abgesprungen, nachdem die Stadt Heilbronn etwa zur selben Zeit bekanntgegeben habe, ein großes Gesundheitszentrum beim Stadtbad bauen zu wollen. Ein weiteres Problem seien die Zulassungsbeschränkungen der Ärztekammer.
Traum vom Park Mit der gesamten Entwicklung in der Brühlstraße ist Steinbrenner jedoch zufrieden: „Es hat eine klare Aufwertung stattgefunden.“ Früher habe sich Bahnreisenden ein „Anblick wie Kraut und Rüben“ geboten, jetzt „ergibt sich durch die sinnvolle Nachverdichtung ein deutlich besseres Erscheinungsbild“. Als kommende Aufgaben nennt Steinbrenner die Umnutzung des Gebiets nördlich der Bahnlinie - Richtung Einkaufszentrum. Dort hat derzeit eine Firma für landwirtschaftlichen Bedarf diverse Lagerhallen in Betrieb. Eine Nutzung für Wohn- oder Geschäftsbebauung sei dort zwar wegen der Hochwassergefahr schwierig, aber es gebe Wünsche - zum Beispiel für einen Park entlang des Leinbachs. Diese Pläne, so Steinbrenner, müssten allerdings wohl hintenangestellt werden angesichts der auch Leingarten drohenden Schwierigkeiten im Zuge der Finanzkrise.

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