Von spannenden Derbys und der Lufthoheit im Strafraum
Schwelgen in Erinnerungen: Ehemalige Fußballer des SV Schluchtern blicken beim Treffen im Vereinsheim auf die 60er und 70er Jahre zurück

Zunächst war es nur eine Stammtischidee gewesen. Doch Manfred Hutt hatte dann Nägel mit Köpfen gemacht. Jetzt freute sich der Organisator über die rege Beteiligung und erinnerte an den "guten Fußball" früherer Tage. Und an die Derbys. "Die haben es in sich gehabt."
Mit 69 Jahren ältester Teilnehmer des Treffs war Klaus Maylandt. Bereits 1948 hatte er in der C-Jugend des SVS mit dem Kicken begonnen. Ab 1952 spielte er in der ersten Mannschaft und der Reserve. Viele Jahre leitete er die Alten Herren. Bestens kennt Maylandt noch die Zuschauertribüne am alten Sportplatz. Die von Franz Heidl, Franz Wach und Gerhard Taubert erbaute Holzkonstruktion wurde 1950 eingeweiht und war zur damaligen Zeit ein Novum im Unterland.
Viele Feste seien darin gefeiert worden, kann sich Kurt Pflüger (59) noch gut erinnern. Im oberen Stock befand sich ein Abstellraum, in dem auch die zum Platzstreuen benötigten Sägespäne gelagert wurden.
Der in Flein wohnende "Charles" Pflüger hat sich, zumindest von der Frisur her, am wenigsten verändert. Er hatte bereits als Jugendlicher so gut wie keine Haare. Von seinen Gegnern wurde er gerne unterschätzt. Bis die merkten, was Sache ist, hatte ihnen der schnelle und schussgewaltige Rechtsaußen oft schon ein oder zwei Bälle in die Maschen gehauen.
Charles, von Beruf Kriminalhauptkommissar, schwärmt rückblickend vom "klasse Zusammenhalt". Nach dem Training wurde bei guter Witterung ein Feuer gemacht, um Würste zu brutzeln. Und vor den Punktspielen wurden die Akteure von Masseur Hermann Hufnagel im ehemaligen Schluchterner Bahnwärterhäuschen durchgeknetet. Vor lauter Kraft, lacht Pflüger, hätten danach einige fast nicht mehr laufen können.
Helmut Leidig (63) kam 1964 zum SVS. Er wohnt zwar seit 1970 in Stuttgart, schaut sich aber ab und zu einmal ein Spiel des Schluchterner Bezirksligisten an. Neidlos erkennt er die guten Leistungen der heutigen Elf an. Im Gegensatz zu heute hätten vor 30, 40 Jahren allerdings fast keine Auswärtigen mitgewirkt.
Vier Mal, resümierte Leidig, sei er mit Schluchtern in einem Endspiel gestanden - und ebenso oft habe er verloren. Besonders bitter sei die Niederlage im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Bezirksliga gegen den SC Böckingen gewesen.
Horst Schellmann (66) war neun Jahre lang ein vorbildlicher Mannschaftskapitän. 1960 heiratete der waschechte Großgartacher nach Schluchtern und schnürte für den SVS ein Jahr später die Kickschuhe. 1970 wechselte der ehemalige Gemeinderat wieder zu seinem Stammverein SV Leingarten.
Schon mit 17 Jahren kam er in der ersten Mannschaft zum Einsatz: Herbert Rückert (64). Zuerst im Sturm, später als Libero. Der "Heiat" war zwar meist kleiner als seine Gegenspieler, übersprang sie beim Kampf um die Lufthoheit aber oft um mehrere Kopflängen. Einige Spieler, wie Erich Troßbach (SpVgg und VfR Heilbronn) Berthold Unser oder Helmut Staudinger (TG Heilbronn und VfB Eppingen), zeigten ihre Spielkunst auch bei klassenhöheren Vereinen.
Das Talent dazu hätte auch Manne Hutt gehabt. Dem Spielregisseur mit der starken linken Klebe lag unter anderem ein Angebot aus Eppingen vor. Doch sein Vater sagte nein: "Wenn du dem SV Schluchtern den Rücken kehrst, ziehst du aus meinem Haus aus, samt deiner Frau und deinen Kindern." Nach diesem Donnerwetter hätte er das Thema Vereinswechsel ad acta gelegt, schmunzelt der 63-Jährige.
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