Menschliche Figuren und Bilder, die an Sarkasmus grenzen

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Die beiden Künstler Silvia Siemes aus Freiburg und Thomas Rissler aus Stuttgart stellen eine Auswahl ihrer Werke im Leingartener Heimatmuseum aus

Von Josef Staudinger

Mit den beiden Künstlern verbinde sie bereits ein Stück Arbeit und Weg, betonte Sabine Schwefel bei der Ausstellungseröffnung. Die Mannheimer Kunstexpertin definiert Silvia Siemes als "Bildhauerin, die sich an einem klassischen Thema orientiert, nämlich der menschlichen Figur". Die Ausführungen ihrer Tonskulpturen könne man mit den Begriffen Einfachheit und Schönheit überschreiben.

Silvia Siemes Werke, so Schwefel, werden getragen von einer einfachen Direktheit im Motiv und einer behutsam realistischen Abstraktion ohne deformierende Gestaltung. Es sei keine Starre, die ihre mit traditionellen Mitteln modellierten Figuren erfülle, sondern ein Verharren in eindrücklicher Gelassenheit. Siemes Ausstellungsstück "Hilde" stehe beispielsweise mit sicherem Stand auf einem Sockel und halte ihren kleinen Mann in der rechten Hand.

Die 45-Jährige arbeitet in Terrakotta und überzieht ihre Modelle mit einer bei hohen Temperaturen gebrannten Engobe-Glasur. Dadurch erhalten ihre farbigen Plastiken eine robuste, widerstandfähige Oberfläche. Vier Jahre lang studierte die Bildhauerin an der staatlichen Porzellanfachschule in Selb und anschließend acht Jahre lang an der Bremer Hochschule für Künste. Ebenso wie Thomas Rissler ist sie Mitbegründerin der Ateliergemeinschaft "Fabrik 84" in Beuren bei Nürtingen.

Rissler, der sich seit fünf Jahren mit Holzschnitten und Grafiken beschäftigt, hat eine Ausbildung als Steinbildhauer. Auch er studierte an der Hochschule für Künste in Bremen und war, wie seine Partnerin, Meisterschüler bei Professor Bernd Altenstein. Zwei Bilderserien sind von Thomas Rissler im Leingartener Museum zu sehen: "Kleine Angstbilder" und "Alarm". Er erfinde die Bilder nicht, sondern verarbeite und benutze bereits vorhandenes Material, erklärt der Stuttgarter. Eine Serie und ein Thema wird von ihm zunächst am PC entwickelt, bevor er die einzelnen Bilder als Blätter einer Serie in Holz schneidet.

Seine Arbeiten seien hintergründig und würden sich oft haarscharf an der Grenze zum Sarkasmus bewegen, urteilt Sabine Schwefel. Distanz und Ruhe nannte die Kunstexperin als entscheidende Faktoren für Silvia Siemes und Thomas Risslers Strategien, um überhaupt zu konstruktiven Gedanken über die skizzierten Fragestellungen gelangen zu können.

Die Besucher waren fasziniert von den Ausstellungsstücken. Museumsleiter Lothar Böhringer freute sich: "Als ich die Figuren zum ersten Mal sah, dachte ich "Grüß Gott" sagen zu müssen."

InfoDas Heimatmuseum, Eppinger Straße 150, ist sonntags, 15 bis 17 Uhr, und donnerstags, 17 bis 19 Uhr, geöffnet. Zudem nach telefonischer Vereinbarung bei Lothar Böhringer, 07131/900173 oder 401830.

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