Bilder, die Farben und Stimmungen einfangen
Neue Ausstellung im Rathaus Schwaigern: Der Kunsterzieher Hermann Erhardt zeigt Linoldrucke und Aquarelle

Von Ulrike Maushake
„Wie viele Menschen doch in Schwaigern leben, die sich künstlerisch betätigen“, sagte Bürgermeister Johannes Hauser, so erstaunt wie erfreut, als er am Donnerstag die erste von zwei Kunstausstellungen eröffnete, die die Stadt in diesem Jahr im Rathaus organisiert. Die Bilder, die nun das Treppenhaus und die Flure beleben, träfen zudem genau seinen Geschmack, fügte Hauser hinzu. „Ich bin ein Gelb-Fan!“
Warmes Sonnengelb leuchtet in vielen der 20 Drucke und Aquarelle, die Hermann Erhardt unter dem Titel „Eindrücke“ präsentiert. „Ich habe schon immer gemalt, gezeichnet und gedruckt“, sagt der Kunsterzieher, der 1938 im Hohenlohischen geboren wurde und seit 1982 in Schwaigern wohnt. 42 Jahre lang war Erhardt im Lehrberuf tätig, 14 davon an Schwaigerns Realschule.
In seiner Begrüßung erläuterte er seine bevorzugten Techniken: das Aquarell und den Linoldruck. Ein Aquarell solle man im Freien malen. Ideale Voraussetzungen: „blauer Himmel, Sonnenschein, Insekten, aber nicht zu viele, und Autogebrumm, aber nicht zu nah“.
Das Festhalten von Eindrücken vor Ort, dieses Malen nass in nass, ginge oft daneben. Eine der Gefahren beim Aquarellieren sei ein Zuviel an Farbe, es würde das Bild stumpf machen, ihm seine Leuchtkraft nehmen, sagt der Künstler.
Im Gegensatz zum spontanen Griff nach Pinsel, Wasser, Aquarellfarbe ist die Technik des Linoldrucks geplant und organisiert. Erhardt wendet dabei das „Verfahren der verlorenen Platte“ an: Die Druckplatte wird nach jedem Druck verändert. „Was bereits gedruckt wurde, wird weggeschnitten. Dabei wird vorbereitet, was im nächsten Schritt gedruckt werden soll.“
Kraftvoll in der Farbe sind seine Linoldrucke, dynamisch in ihrer Linienführung und handwerklich perfekt. Und doch liegt, bei aller Vitalität, ein stiller Traum über seinen Landschaften. Sie scheinen Siesta zu halten, ruhen im Mittagslicht und unter einem großen Himmel. Und sie laden den Betrachter ein, an ihrem Traum teilzuhaben. Unmittelbar: Die Aufforderung, diesen Weg zu verfolgen, der sich durch das leuchtende Rapsfeld schlängelt, einem Gehöft zu, das aussieht, als würde man dort sehr glücklich sein können. Anrührend: Das Glück eines alten Autos, das fast genau das gleiche Blau aufweist wie der Himmel, der seinen Schlaf bewacht.
Dem Süden gibt Hermann Erhardt den Vorzug, „des Klimas und des Wetters wegen.“ Und man fragt sich, wie es ihm möglich ist, in seinen Werken nicht nur Farben und Stimmungen einzufangen, sondern auch den Gesang der Zikaden und den Duft der Orangenblüten.
Bevor der Lehrer 1982 nach Schwaigern kam, unterrichtete er sechs Jahre lang in der chilenischen Stadt Temuco. Sein „Aztekenbild“ zeigt, wie sehr er sich mit den südamerikanischen Indianern auseinander gesetzt hat und mit dem Untergang der Hochkulturen der Mayas und der Azteken.
Die Ausstellung kann bis zum 13. April zu den üblichen Öffnungszeiten im Rathaus besichtigt werden.
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