Schoppen
In seiner Kindheit fing es an: In Windeln gewickelt und auf Daunen gebettet, bekam mein
In seiner Kindheit fing es an: In Windeln gewickelt und auf Daunen gebettet, bekam mein Freund Knut-Ewald seinen ersten Schoppen. Und mit diesem lauwarmen Milchgetränk nuckelte er sich durch die Babyzeit. Ja, noch als Dreijähriger schlief er am schnellsten mit einem Schoppenfläschchen ein.
Als er die Schulbank drückte, pflegte seine Großmutter noch immer, er wird es ihr wohl nie verzeihen können, jedes Jahr im Herbst Gänse zu schoppen: Gestopfte Gänse waren nämlich in seines Großvaters Metzgerei, vor allem in der Weihnachtszeit, ein begehrtes Bratenobjekt.
Regelmäßig ging sein Opa am Sonntag zum Frühschoppen. Der Enkel durfte ihn begleiten und bekam ein Glas Limonade. Der gesellige Fleischermeister hat derweilen genüsslich geschöppelt, will sagen, so manchen Schoppen Rheinwein getrunken.
In der Höheren Schule lernte Knut-Ewald dann, dass die Schöpfkellen der Maurer und die Füllkellen der Bierbrauer im Mittelalter Schopen genannt wurden, diese Bezeichnung nach Frankreich auswanderte und dort seit 700 Jahren als ,chopine' oder ,chopenne' Gefäße und Getränkemaße benennt.
Doch inzwischen ist im Leben einiges anders geworden: Und nicht nur um meinen Freund herum ist die Stadt zugestellt mit Back-Shops und Hair-Shops, mit Fashion-Shops und Jeans-Shops. Sie ist zur Shopping-City geworden, und die Leute gehen regelmäßig darin shoppen. Mit Essen und Trinken hat das nur noch wenig zu tun. Nur bei den Shopping-Events gibt's manchmal einen Schoppen im Pappbecher übern Kiosk-Tresen. Sozusagen als „Schoppen to go“ beim Shopping.
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