Ein Mast bringt das Fass zum Überlaufen

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Jürgen Kachel scheidet nach 17 Jahren aus dem Gemeinderat aus

Von Friedhelm Römer
Der Funkmast in Stetten sorgt seit einem Jahr für Wirbel.Foto: Archiv/Sawatzki
Der Funkmast in Stetten sorgt seit einem Jahr für Wirbel.Foto: Archiv/Sawatzki

Schwaigern - Jürgen Kachel hat ab sofort wieder mehr Zeit. Zeit für sein acht Hektar großes Weingut. Zeit für die Feuerwehr, deren stellvertretender Kommandant er ist. Und in einem Jahr Zeit für das Amt des in den Ruhestand gehenden Kommandanten Albert Decker, für das er vorgesehen ist. Das sind die Gründe, warum Jürgen Kachel einen Antrag auf Ausscheiden aus dem Gemeinderat der Stadt Schwaigern gestellt hat und dem das Gremium am Freitagabend einstimmig folgte. Da war Kachel schon nicht mehr dabei.

Aber mit der Mehrarbeit, die auf den 41-jährigen selbstständigen Weinbauern zukommt und durch sein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr noch zukommen wird, sind nicht sämtliche Beweggründe für den Rückzug genannt. Ein Mobilfunkmast hat seinen Entscheidungsprozess, der ohnehin seit geraumer Zeit in ihm heranreifte, beschleunigt. "Der Mast war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat", sagt Jürgen Kachel. Anfang Dezember 2009 stand plötzlich, so nahmen es viele Anwohner wahr, ein Funkmast auf seiner Scheune. Niemand hatte gewusst, dass er mit dem Unternehmen O2 einen Vertrag geschlossen hatte.

Anwohner Der Unmut im Ortsteil Stetten war groß, für ihn manchmal eine Spur zu groß. Anwohner machen und machten sich Sorgen um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder. "Ich kann jeden verstehen, der gegen den Funkmast ist, aber es sollte immer fair bleiben." Jürgen Kachel betont, es sei nicht der ganze Ort gegen ihn, sondern nur einige.

Karin Eckstein, aus dem Mobilfunkverein "Initiative Mobilfunk und Gesundheit im Leintal", versichert, dass der Verein nicht vorhatte, Jürgen Kachel loszuwerden: "Uns geht es um den Mast, der soll weg. Wir wollen weiter wachrütteln und fragen uns, was machen die Handys mit unseren Kindern. Das hat mit Jürgen Kachel nichts zu tun, sondern geht darüber hinaus." In Sachen Mast weist Kachel daraufhin, dass er eine Klausel in seinen Vertrag habe einbauen lassen: "Wenn gesundheitliche Probleme auftreten, die auf den Mast zurückzuführen sind, muss er runter."

"Ich bedaure den Rückzug, weil Jürgen Kachel einerseits als Landwirt und stellvertretender Feuerwehrkommandant in der Gemeinschaft fest verwurzelt ist, und andererseits erfolgreich eine Schlüsselstellung zwischen jung und alt eingenommen hat", sagte Bürgermeister Johannes Hauser. Kachel habe außerdem gelernt, Verantwortung zu tragen. Auch FWV-Fraktionssprecher Hartmut Eisele schloss sich dem an: "Wir finden es schade, denn wir verlieren in ihm ein geschätztes Mitglied unserer Fraktion und jemand, der sich auf seine eigene, unkonventionelle Art konstruktiv einbringt."

Verlust Für Jürgen Kachel, der mit 24 Jahren, damals noch unter dem früheren Bürgermeister Horst Haug, seine Tätigkeit als Stadtrat begann, ist in vergangenen Jahren einiges im Bereich des Zwischenmenschlichen verloren gegangen. "Trotz aller Auseinandersetzungen und unterschiedlichen Auffassungen muss man sich hinterher noch zusammensetzen können." Dies sei heute jedoch nicht mehr der Fall. Inzwischen sei kaum noch jemand bereit, einen Kompromiss einzugehen. Und wenn, wie in Schwaigern jüngst geschehen, "der Bürgermeister fünfmal zum Kommunalamt zitiert wird, dann stimmt was nicht".

Ab sofort hat er mehr Zeit für seinen Weinbaubetrieb: Jürgen Kachel scheidet aus dem Gemeinderat der Stadt Schwaigern aus. 17 Jahre lang gehörte der 41-Jährige dem Gremium an.Foto: Friedhelm Römer
Ab sofort hat er mehr Zeit für seinen Weinbaubetrieb: Jürgen Kachel scheidet aus dem Gemeinderat der Stadt Schwaigern aus. 17 Jahre lang gehörte der 41-Jährige dem Gremium an.Foto: Friedhelm Römer
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