„Die Fußgängerzone lebt“

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Breites Angebot und kurze Wege machen das Zentrum zum beliebten Einkaufsort

Von Valerie Blass
Mit Kuhdecken hat alles begonnen: Die Familie Willig – rechts Chef Jürgen mit Frau Helga – und Mitarbeitern. Sie führen das Geschäft in vierter Generation.Fotos: Blass
Mit Kuhdecken hat alles begonnen: Die Familie Willig – rechts Chef Jürgen mit Frau Helga – und Mitarbeitern. Sie führen das Geschäft in vierter Generation.Fotos: Blass

Schwaigern - Wir haben in Schwaigern noch ein richtiges Zentrum“, sagt Helga Willig, „die Fußgängerzone lebt, man bekommt alles, was man braucht.“ In der Tat. Schaut man sich im Zentrum der 11 000 Einwohner zählenden Stadt um, trifft man auf ein Sammelsurium von Einkaufsmöglichkeiten: Modegeschäfte, Optiker und Uhrmacher, eine Drogerie mit Reformhaus, Geschäfte mit Handarbeitsbedarf oder Elektrogeräten, Apotheken, ein Welt-Laden oder ein Schuhgeschäft. Alles dicht beieinander im Bereich Theodor-Heuss-Straße und Schnellerstraße, in der Fußgängerzone und rund um den Marktplatz.

Familienbetrieb In vierter Generation führt die Familie Willig ihr Geschäft vorn am Marktplatz. Im Erdgeschoss werden Lebensmittel verkauft, im Untergeschoss Haushaltsbedarf, oben gibt es Kleider, Geschirr oder Kurzwaren wie Garn und Knöpfe. Es scheint hier nichts zu geben, was es nicht gibt. „Naja, Bauplätze verkaufen wir nicht“, sagt Jürgen Willig im Scherz. Aber der Anspruch sei schon, „dass der Kunde vor Ort das bekommt, was er benötigt“, formuliert der 49-Jährige den Leitgedanken des Familienbetriebs. Selbst Öltanks hatte das Unternehmen lange Zeit im Angebot.

Im Obergeschoss steht eine Schwarz-weiß-Fotografie. Darauf zu sehen ist Firmengründer Rudolf Willig, der 1902 mit einem Eisenwarengeschäft den Grundstein für den Betrieb legte, in dem heute 30 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dinge wie Öfen oder Decken zum Abdecken von Kühen nach der Feldarbeit seien damals verkauft worden, berichtet Jürgen Willig. Anfang des 20. Jahrhunderts seien die Leute noch Selbstversorger gewesen: „Lebensmittel hat keiner gekauft, und ihre Kleider haben sich die Leute selbst genäht.“ Nach und nach wurde das Sortiment den Zeiten angepasst und erweitert. Zum Beispiel um eine breite Palette italienischer Waren. „Wir haben hier einen hohen Anteil italienisch-stämmiger Mitbürger“, sagt der Chef. Auch auf deren Wünsche gehe man ein.

Im Vergleich zu den über 100 Jahren blutjung ist „Der Buchladen“, den Waltraud Mayer im Juni gemeinsam mit Karin Fröschl übernommen hat. „Eine Buchhandlung hat hier einfach gefehlt“, sagt die Frau aus der Branche. Sessel zum Schmökern und ein Tisch mit Gebäck, der zentral in dem kleinen Laden platziert ist, vermitteln dem Besucher das Gefühl, sich hier in Ruhe in ein Buch vertiefen zu können.

Frühere Sattlerei Schräg gegenüber dem Buchladen ist ein weiteres Unternehmen mit langer Geschichte. 1932 als Sattlerei und Polsterei gegründet, hat sich die Firma Bahm inzwischen zum Spezialisten für Gardinen und Lederwaren entwickelt, erzählt Walter Bahm, der das Geschäft 45 Jahre lang führte. Heute leitet Sohn Markus den Betrieb in dritter Generation. Klar, seien die Zeiten schwieriger geworden, denn jeder schaue zuerst nach dem Preis, berichtet der Senior. Dennoch ist Klagen nicht seine Sache: „Wir möchten Qualität verkaufen. Damit grenzen wir uns ab.“ Und der Standort sei sehr gut – wegen der vielen Parkmöglichkeiten im Zentrum und wegen der Laufkundschaft, die Ärztezentrum und Bank ihnen bescherten.

„Eine erholsame Fußgängerzone ohne Autos“ nennt Ines Schulz vom Dekorationsgeschäft Schulz-Lehnert direkt gegenüber als weiteren Pluspunkt Schwaigerns: „Wir haben viele Kunden aus Leingarten oder aus Eppingen, die das zu schätzen wissen.“ Zwei Querstraßen weiter, an der Frizstraße, ist seit 1948 die Gärtnerei Schollenberger beheimatet. „Die Konkurrenz durch die Discounter ist groß“, sagt Chef Dietmar Schollenberger, „aber wir setzen auf Frische, und unsere Stammkunden wissen das zu schätzen.“ Auch wenn die Lage, quasi in zweiter Reihe, nicht ganz optimal sei.

Dietmar Schollenberger – mit Floristin – führt die 1949 gegründete Gärtnerei.
Dietmar Schollenberger – mit Floristin – führt die 1949 gegründete Gärtnerei.
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